Hamburg - Das Geschäft solle in vier bis sechs Monaten abgeschlossen werden, hieß es in einer Mitteilung beider Unternehmen. Mit 3,2 Millionen Kunden insgesamt - davon rund zwei Millionen Breitbandkunden - werde Telecom Italia
zum zweitgrößten Breitband-Anbieter in Deutschland.
Hierüber war bei Telecom Italia in den vergangenen Wochen ein offener Streit ausgebrochen. Nach Kritik der italienischen Regierung am Strategiewechsel des Konzerns trat der Chef des Unternehmens, Marco Tronchetti Provera, am Freitagabend zurück. Im folgt der 75-jährige Guido Rossi im Amt, der Telecom Italia bereits während der Privatisierung 1997 geführt hatte.
Tronchetti Provera hatte die Trennung von der Mobilfunksparte und vom lokalen Netz geplant, um die Aktivitäten des Unternehmens auf das Breitbandnetz zu konzentrieren. Italiens Regierungschef Romano Prodi hatte sich "überrascht" über das Ausmaß der Umstruktruierungspläne beim größten italienischen Telefonunternehmen gezeigt. Auch mehrere Minister hatten sich ablehnend geäußert.
Trotz aller Kritik am Strategiewechsel: Telecom-Italia-CEO Riccardo Ruggiero teilte mit, der Kauf von AOL Deutschland zu einem Preis von 675 Millionen Euro sei ein weiterer Schritt des italienischen Konzerns, sich auf internationalem Niveau auf Breitbandangebote zu konzentrieren. "Seit wir im Jahr 2003 Hansenet übernommen haben, haben wir unsere Präsenz in Deutschland immer weiter verstärkt." Telecom Italia ist zudem in Frankreich und den Niederlanden vertreten.
Grundlegender Umbau von AOL in Europa
Die Partner vereinbarten auch, dass AOL seine Internet-Inhalte und -Dienstleistungen den künftigen Kunden von Telecom Italia in Deutschland anbietet. Dabei wird AOL auch für die damit verbundene Online-Werbung zuständig bleiben.
Hintergrund der AOL-Deutschland-Übernahme durch Telecom Italia ist, dass AOL-Eigentümer Time Warner sein Geschäft mit Internetzugängen in Europa verkaufen will. Das ist Teil des grundlegenden Umbaus von AOL, zu dem auch gehört, dass die Firma neuerdings die meisten seiner Web-Dienste kostenlos anbietet, um die Einnahmen aus Anzeigen zu erhöhen. In Frankreich befindet sich die US-Gesellschaft bereits in Gesprächen mit der Neuf Cegetel über den Verkauf des AOL-Frankreichgeschäfts.
Erst am Wochenende hatte die Hamburger Mobilcom
-Tochter Freenet
ein Angebot für das Deutschlandgeschäft von AOL abgegeben. Eine Sprecherin von Freenet hatte gestern einen entsprechenden Bericht des "Handelsblatt" bestätigt, jedoch keine Angaben über die Höhe der Offerte gemacht.
Informierten Kreisen zufolge hatten sich zuletzt neben Freenet und Telecom Italia noch die Bieter United Internet und der niederländische Telekom-Konzern Versatel im Rennen um das Netzzugangsgeschäft befunden. Als Preis wurde der Betrag von rund 600 Millionen Euro diskutiert.
kaz/Reuters/Dow Jones/AP
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