Frankfurt am Main - Eine Express-S-Bahn statt des Transrapid - dieses Szenario hat der Münchner Oberbürgermeister schon vielfach ins Gespräch gebracht. Bisher betonte er dabei meist das Argument der Kosten. Nach dem Unglück auf der Transrapid-Teststrecke im Emsland weist Christian Ude nun auch auf mögliche Sicherheitsrisiken der umstrittenen Trassenplanung in der bayrischen Landeshauptstadt hin.
Transrapid in München (computergeneriertes Bild): Eine "absolute Extremsituation"
Die Express-S-Bahn zwischen Hauptbahnhof und Flughafen koste unter 500 Millionen Euro, während die Schwebebahn auf 1,85 Milliarden veranschlagt werde, wiederholte Ude sein Kostenargument. Zudem verbessere die Express-S-Bahn die Verkehrssituation der Region deutlich mehr. Deswegen dürfe das Geld nicht für den Transrapid "verplempert" werden, sagte Ude.
Die Bahn unfair gefördert?
Laut einem Bericht des "Handelsblatts" prüft die EU-Kommission, ob bei der geplanten Strecke Wettbewerbsregeln verletzt wurden. Wie die Zeitung unter Berufung auf ein Schreiben des für Verkehrspolitik zuständigen EU-Kommissars Jacques Barrot berichtet, fordert dieser von der Bundesregierung detaillierte Auskunft über das Projekt. Darüber hinaus wolle die EU-Kommission alle "relevanten Verträge" einsehen.
Offenbar gehe sie davon aus, dass bei der Vergabe des Projekts an die Deutsche Bahn die Ausschreibungsregeln der EU missachtet wurden. Desweiteren wolle die Kommission wissen, welche Subventionen an die Deutsche Bahn und den Münchner Flughafen fließen sollen. Außerdem kritisiere die Kommission, dass die Bahn Eigentümer des Streckengeländes und gleichzeitig Betreiber ist.
Die Diskussion um die Sicherheit der Transrapid-Technologie ist nach dem schweren Unfall auf der Teststrecke im Emsland am Freitag neu entbrannt. Dabei waren 23 Menschen ums Leben gekommen. Nach ersten Erkenntnissen der Ermittler führten falsche Anweisungen der Zug-Leitstelle zu der Katastrophe. Konkrete Hinweise auf technische Ursachen des Unglücks gebe es bislang nicht.
"Antiquierte" Sicherheitstechnik
Die Rekonstruktion des genauen Unfallhergangs kann nach Angaben der Staatsanwaltschaft Osnabrück noch lange dauern. Die Mitschnitte des Funkverkehrs könnten aus technischen Gründen noch nicht vollständig ausgewertet werden. Es müsse das Risiko ausgeschaltet werden, dass Teile der Aufzeichnungen auf Spezial-Tonbändern beim Abhören zerstört würden, hieß es.
Am Montag war teils heftige Kritik am Sicherheitskonzept der emsländischen Transrapid-Testanlage geäußert worden. Der Gießener Verkehrswissenschaftler Professor Gerd Aberle bezeichnete das Konzept als "antiquiert". Diese "Nachlässigkeit" könne für das gesamte Verkehrssystem Transrapid tödlich sein.
itz/AP/Reuters/dpa
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