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28.09.2006
 

Arbeitslosenzahlen

Jobaufschwung geht am Osten vorbei

Aufschwung am Arbeitsmarkt: Die Zahl der Arbeitslosen in Deutschland ist um rund 134.000 auf 4,238 Millionen zurückgegangen, die Erwerbslosenquote sank auf 10,1 Prozent. Doch der Osten Deutschlands profitiert kaum von der Konjunkturentwicklung.

Nürnberg - Für die Jahreszeit ist ein deutlicher Rückgang der Zahl der registrierten Arbeitslosen zwar üblich: Die Abnahme fiel in diesem September mit einem Rückgang von 134.000 auf 4,238 Millionen Erwerbslose aber stärker aus als im Schnitt der vergangenen drei Jahre. Dieser lag bei rund 116.000.

"Im Fahrwasser der konjunkturellen Aufwärtsentwicklung ist die Arbeitslosigkeit im September deutlich gesunken", erklärte der Chef der Bundesagentur für Arbeit (BA), Frank-Jürgen Weise, die positive Entwicklung. Doch er fügte auch hinzu: "Die sozialversicherungspflichtige Beschäftigung wächst weiter und die Zahl der offenen Stellen konnte nochmals zulegen."

Allerdings geben die Zahlen längst nicht überall Anlass zur Freude. In Ostdeutschland gab es - rechnet man saisonale Effekte heraus - sogar 6000 mehr Erwerbslose als im August. Nur unbereinigt sank die Zahl der Arbeitslosen auch in den neuen Bundesländern um 28.000 auf 1,402 Millionen. Die Quote lag damit bei 16,4 Prozent nach 16,7 Prozent im Vormonat und 17,6 Prozent im Vorjahresmonat. In Westdeutschland verringerte sich die Zahl der Arbeitslosen auch saisonbereinigt - um 23.000. Unbereinigt ging sie im Vergleich zum Vormonat um 106.000 auf 2,835 Millionen zurück, was eine Quote von 8,6 Prozent ergibt im Vergleich zu 8,8 Prozent im Vormonat.

Weise: 2007 wird Stellen-Aufbau gestoppt

Auch im Bezug auf das nächste Jahr gab sich Weise skeptisch: Nach der Erhöhung der Mehrwertsteuer werde sich der Aufbau sozialversicherungspflichtiger Beschäftigung wohl 2007 nicht fortsetzen: "Die Wachstumsprognosen für 2007 hätten wahrscheinlich bei der Beschäftigungsentwicklung der sozialversicherungspflichtig Beschäftigten einen Stillstand zur Folge. Das wäre für den Arbeitsmarkt nicht schön." Die meisten Experten gehen davon aus, dass sich die Wachstumsrate 2007 gegenüber dem laufenden Jahr auf etwa ein Prozent halbieren wird.

Für das Gesamtjahr 2006 verbesserte die BA aber ihre Prognose aufgrund der positiven Entwicklung in den letzten Monaten. Bisher habe man mit einem Jahresdurchschnitt von 4,6 Millionen Arbeitslosen gerechnet, sagte BA-Vorstand Heinrich Alt. "Wir werden nach der guten Entwicklung nun etwas besser herauskommen." Die BA erwarte jetzt eine Jahresdurchschnittszahl zwischen 4,5 und 4,6 Millionen Arbeitslosen. Im Oktober dürfte die Arbeitslosigkeit weiter zurückgehen, die Entwicklung im November und Dezember hänge unter anderem von der Witterung ab.

Volkswirte: Aufwärtstrend wird moderat weitergehen

Auch Volkswirte hatten für diesen Monat bereits mit einem starken Rückgang der Arbeitslosenzahlen gerechnet. Die Konjunkturentwicklung führt nach Einschätzung der Fachleute dazu, dass Unternehmen ihre Auftragsspitzen kaum noch mit Überstunden und Sonderschichten abfangen können und deshalb zunehmend dazu gezwungen seien, neue Kräfte einzustellen. "Dieser Effekt dürfte für einen Rückgang von 15.000 bis 20.000 Arbeitslosen gut sein", schätzte beispielsweise der Commerzbank-Volkswirt Matthias Rubisch schon vor Bekanntwerden der aktuellen Zahlen.

Auch seine Kollegen sehen die Entwicklung ähnlich und erwarten daher bis ins Jahr 2007 die Schaffung zusätzlicher regulärer, voll versicherter Stellen und nicht nur einfacher Jobs. "Der Aufwärtstrend wird sich fortsetzen. Viele Firmen sind inzwischen so ausgelastet, dass die bestehende Belegschaft kaum noch ausreicht", meint auch Andreas Rees von der HypoVereinsbank in München.

In erster Linie habe der starke Rückgang im September aber saisonale Gründe, sind sich die Fachleute einig. Vor allem das Ferienende in den wirtschaftlich starken Bundesländern Bayern und Baden-Württemberg hinterlasse in der Arbeitsmarktstatistik deutliche Spuren. Im August war die Zahl der Erwerbslosen wegen des späten Ferienendes lediglich um 14.000 auf 4,372 Millionen gesunken. Die Arbeitslosenquote verharrte dabei bei 10,5 Prozent nach 11,6 Prozent im Vorjahr.

ase/dpa/dpa-AFX/ddp/Reuters

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