Hamburg/Paris - Die Schieflage bei Airbus und dem Mutterkonzern EADS ist noch schlimmer als bisher angenommen: Der in Turbulenzen geratene Flugtechnikkonzern verschiebt die Auslieferung des Super-Airbus A380 um durchschnittlich ein weiteres Jahr. Dies beschloss die Konzernführung am Dienstag. Über eine mögliche neue Verteilung der Produktion auf die Hauptwerke Hamburg und Toulouse sei nicht entschieden worden, sagte EADS-Co-Chef Thomas Enders in Paris.
Der erste A380 werde voraussichtlich erst in einem Jahr, im Oktober 2007 an Singapore Airlines gehen. Und das bleibt 2007 die einzige Maschine, die überhaupt ausgeliefert wird. 2008 würden nochmals 13 Maschinen an die Kunden abgegeben, sagte der neue Airbus-Chef Christian Streiff. 2009 werde die Produktion auf 25 hochgefahren. "Erst ab 2010 werden wir eine Produktion von vier A380 pro Monat erreichen." Dann soll das größte Passagierflugzeug aller Zeiten auch erstmals einen positiven Beitrag zum Gewinn vor Steuern liefern.
Bis 2010 rechnet EADS wegen der A380-Verzögerung nun mit einer Belastung des Ertrags vor Steuern und Zinsen (EBIT) um 4,8 Milliarden Euro. Das sind 2,8 Milliarden mehr, als noch im Juli angenommen.
Bisher sei kein einziger Kunde abgesprungen, sagte Streiff weiter. Dies könnte sich allerdings bald ändern. Der größte Besteller, die Fluggesellschaft Emirates teilte am Dienstag mit, sie werde den A380 für 555 Passagiere zehn Monate später erhalten als bisher geplant. Damit addieren sich die Verzögerungen für den mit 43 Bestellungen weitaus größten A380-Kunden auf 22 Monate. Emirates erwägt nun, auf andere Modelle auszuweichen. "Das ist ein sehr großes Problem für Emirates und die Fluggesellschaft prüft jetzt alle Optionen", erklärte Konzernchef Tim Clark. Statt im Oktober 2007 wird Emirates seinen ersten A380 erst im August 2008 erhalten.
Die Lufthansa sei über eine Verzögerung von einem Jahr informiert worden, sagte ein Sprecher. Die erste von 15 bestellten Maschinen solle nun im Sommer 2009 und nicht wie bisher zugesagt im August 2008 geliefert werden. Die erneute Verspätung sei "in dieser Größenordnung überraschend" für die Lufthansa gekommen.
Die Fluggesellschaft Virgin Atlantic hat wegen der neuerlichen Lieferverzögerungen beim Super-Jumbo A380 "ernste Auswirkungen" angekündigt. Bei einer Sitzung des Direktoriums am 12. Oktober würden alle Optionen überprüft, teilte Virgin Atlantic am Dienstag mit. Virgin hat bei Airbus sechs der Super-Jumbos bestellt.
Ein Vertreter der französischen Gewerkschaft FO teilte indessen in Toulouse mit, die Arbeiten an den neuen Airbus-Maschinen könnten wegen der neuen Verzögerungen "gestoppt werden oder für eine bestimmte Zeit verlangsamt werden".
Die jüngste Verzögerung ist bereits die dritte seit dem Start des A-380-Programms. Airbus hatte erstmals im Juni 2005 eine Verzögerung um zwei bis sechs Monate bekannt gegeben. Ein Jahr später kamen dann nochmals sechs bis sieben Monate hinzu.
Vor dem Hintergrund der weiteren Verzögerungen bei der Auslieferung des Airbus A380 kommen Bundeswirtschaftsminister Michael Glos (CSU) und Airbus-Chef Streiff am Donnerstag zu einem Krisentreffen in Berlin zusammen. Dies bestätigte ein Ministeriumssprecher.
cai/dpa/reuters/afp/ap
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