Brüssel - Die Extrazölle betragen für Lederschuhe aus China 16,5 Prozent und zehn Prozent für Lederschuhe aus Vietnam, berichteten EU-Diplomaten. Ein Sprecher der finnischen EU- Ratspräsidentschaft sagte in Brüssel, die Entscheidung sei nur knapp zustande gekommen. In Beratungen der EU-Botschafter gab es aber keine Mehrheit mehr gegen einen Kompromiss: Die EU-Kommission hatte die Zölle ursprünglich für fünf Jahre festsetzen wollen, Frankreich schlug dann zwei Jahre Dauer als Kompromiss vor. Zypern und Österreich gaben darauf hin ihren Widerstand auf. Die Entscheidung soll am Donnerstag von den EU-Innenministern formal bestätigt werden.
Die EU-Kommission hatte die die Extrazölle im August vorgeschlagen, da sowohl China als auch Asien mit Subventionen den weltweiten Wettbewerb nach Ansicht der Kommissare erheblich verzerren. Die Zölle sollen europäische Hersteller außerdem vor den immer größeren Mengen an Import-Schuhen schützen. Allein China liefert inzwischen zehn Mal mehr Lederschuhe nach Europa als noch 2001. Insgesamt gingen in der EU im vergangenen Jahr 2,5 Milliarden Paar Schuhe über die Ladentheke, die Hälfte davon kam aus China.
Neben Deutschland wehrten sich allerdings auch Großbritannien und die skandinavischen Länder gegen die geplante Richtlinie. Denn viele große europäische Hersteller lassen ihre Schuhe ebenfalls in China fertigen und wollten deshalb vor allem teure Modelle von der Regelung ausnehmen. Der Verband der Europäischen Sportartikelindustrie warnte in diesem Zusammenhang vor Preiserhöhungen. Die EU-Kommission wies das aber zurück: Ein Paar Schuhe aus China oder Vietnam koste 8,50 Euro und würde in den Läden in Europa für 35 Euro verkauft. Manche Markenschuhe, die im Import nur etwas teurer würden, kosteten in den Geschäften dann sogar 120 Euro. Angesichts solcher Margen müssten sich höhere Importpreise nicht notwendigerweise im Endpreis niederschlagen, so das Kalkül der Kommission.
ase/AP/dpa-AFX/Reuters
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