Hamburg/Wien - Friedrich Karl Flick war das Symbol für das große Geld, eine schillernde Unternehmerfigur. Über Jahrzehnte hinweg schleuste der Flick-Konzern Millionensummen auf zwielichtige Art und Weise in die Kassen der Parteien in Deutschland und geriet darüber in die Schlagzeilen - die "Flick-Affäre" um Spenden- und Schmiergelder erschütterte Anfang der achtziger Jahre die Republik. Aus den Kassen des Unternehmens flossen Millionenzahlungen an CDU, CSU, SPD und FDP.
In Flicks Besitz befand sich eine der größten deutschen Industriegruppen. Er trennte sich davon Mitte der achtziger Jahre. Der ehemalige Unternehmer, Investor und Milliardär sorgte auch nach dem Verkauf seines Imperiums für Schlagzeilen, vor allem in der Regenbogenpresse: Nach zwei geschiedenen Ehen heiratete er 1990 die 30 Jahre jüngere Ingrid Ragger und zog vier Jahre später aus steuerlichen Gründen nach Österreich. Der Abschied des Großsteuerzahlers schmerzte die deutschen Finanzbehörden besonders: Er bedeutete Einnahmeausfälle von jährlich 100 Millionen Mark (51 Millionen Euro).
Der öffentlichkeitsscheue Flick, 1927 in Berlin geboren, trat 1957 als promovierter Kaufmann in den Konzern seines Vaters ein. Dieser war nach dem Krieg von einem US-Militärgericht zu sieben Jahren Haft verurteilt worden, von denen er drei Jahre verbüßte. Flick war einer der größten Waffenlieferanten für das NS-Regime und galt als einer der treuesten Anhänger Adolf Hitlers. Doch gelang es ihm ein zweites Mal, ein Industrieimperium aufzubauen.
Um Stahlfirmen, den Papierhersteller Feldmühle, Dynamit Nobel und ein Paket von Daimler-Benz-Aktien hatte Flick eine mächtige Industriegruppe geschmiedet. Nach dem Tod seines Vaters und nach internen Familienstreitigkeiten wurde "FKF", wie man Flick kurz nannte, 1975 alleiniger Chef des Düsseldorfer Konzerns. Flick junior erbte 1972 das Vermögen seines Vaters - heute beträgt der Wert etwa sieben Milliarden Euro.
Zu den Reichtümern des "bekennenden Steuerflüchtlings" (Flick), der 1985 etliche Beteiligungen - unter anderem an Daimler-Benz, Dynamit Nobel, Krauss-Maffei - für 5,4 Milliarden Mark verkaufte, gehörten Residenzen in Wien, Palm Springs und Düsseldorf, am Bodensee, auf den Bermudas, an der Côte d'Azur und im Münchner Herzogpark (mit Panzerfenstern und einer Terrasse zur Isar hin).
Das manager magazin schrieb im Oktober 2005 in einem Flick-Porträt, der Milliardär verfüge "über Aktien von mehreren Kilogramm Gewicht, ein Forstgut in der Steiermark und ein Jagd- und Schießrevier im Burgenland". Außerdem besitze er die "fünft- oder siebtgrößte Kunstsammlung der Welt, die aber noch niemand nachgemessen hat".
Millionenteure Landschaftspflege
An der Seite von "FKF" hatte sich Eberhard von Brauchitsch um die "Pflege der Bonner Landschaft" (von Brauchitsch) gekümmert - der Beginn der Parteispendenaffäre 1981. Die Flick-Affäre war der größte Wirtschaftsskandal in der deutschen Nachkriegszeit. Mehr als 25 Millionen Mark (12,8 Millionen Euro) hatten die Manager zwischen 1969 und 1980 an die Parteien gespendet. In den Strudel der Affäre gerieten auch die ehemaligen Wirtschaftsminister Otto Graf Lambsdorff und Hans Friderichs (beide FDP), die 1987 wegen Steuerhinterziehung zu Geldstrafen verurteilt wurden. Von Brauchitsch erhielt eine zweijährige Freiheitsstrafe auf Bewährung.
Ende September war Flick in die Intensivstation des Klinikums München-Großhadern gebracht worden. Einen Großteil des Jahres 2004 hatte er bereits in der Klinik verbracht, nachdem er sich nach einer Hüftoperation eine Blutvergiftung zugezogen hatte.
kaz/dpa/AP/AFPdpa-AFX
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