Wirtschaft



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13.10.2006
 

Vergessener YouTube-Gründer

Multimillionär im Hörsaal

Von Anne Seith

Die YouTube-Gründer Chen und Hurley werden nach dem Google-Deal gefeiert. Nicht so Jawed Karim - dabei war er in der Startup-Firma der dritte Mann. Zu seinem Pech stieg er ziemlich früh aus und ging zurück an die Uni. Zu seinem Glück streicht er trotzdem viele Millionen ein.

Hamburg – Es wirkt wie eine von diesen typischen Studenten-Webseiten, die vor allem für Freunde und Bekannte witzig sind. Eine winzige Banane tanzt sinnlos neben drei Rubriken herum. Unter "pictures" gibt es Fotos von Reisen und Partys. Auf einem werden obszöne Gesten gemacht, auf einem anderen balanciert einer ein Bier auf dem Schirm seines Baseballcaps. Dass der Seitenbesitzer Jawed Karim ein mutmaßlich multimillionenschwerer Informatik-Doktorand an der Stanford-Universität, weil er an der spektakulärsten Internet-Erfolgsgeschichte der vergangenen Jahre mitgeschrieben hat - das lässt sich höchstens nach dem Klick in die Rubrik "Software" erahnen. "YouTube - mein neues Unternehmen" steht da nüchtern.

YouTube-Miterfinder Karim: "Die schiere Größe der Akquisition lässt die Details irrelevant erscheinen"
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YouTube-Miterfinder Karim: "Die schiere Größe der Akquisition lässt die Details irrelevant erscheinen"

Karim hat einst mit Chad Hurley und Steve Chen das Videoportal gegründet. Jetzt haben ihn US-Reporter in seinem Apartment auf dem Campus in Stanford aufgestöbert und recherchiert, ob er wirklich in so bescheidenen Verhältnissen lebt, wie es seine Internet-Seite vermuten lässt. Von wegen, schreibt die "New York Times". Er hatte offenbar schon ein kleines Vermögen aufgehäuft, als er Anteile an seinem ehemaligen Arbeitgeber PayPal an eBay verkaufte. Und jetzt sahnt er beim Google-Deal richtig ab.

Bei YouTube sei er einer der Einzelanteilseigner, sagte er der Zeitung - auch wenn er weniger besitze als Chen und Hurley, deren Aktienpakete auf mehrere Hundert Millionen Dollar geschätzt werden. Er verschweigt, wie groß sein Anteil genau ist, wie viel Geld er nun bekommt. Karim ist da genauso diskret wie seine beiden einstigen Mitstreiter Hurley und Chen und begründet das eher philosophisch: "Die schiere Größe der Akquisition lässt die Details irrelevant erscheinen." Der Deal sei so enorm, dass sein Anteil "immer noch ziemlich üppig" sei.

Als er mit den Reportern vor der Informatik-Fakultät in Stanford steht, sagt er: "In diesem Gebäude gibt es einige Milliardäre." Sie sind Akademiker, die im Silicon Valley reich wurden und dann als Lehrer zurück nach Stanford kamen. Es ist ein bisschen wie bei Karim. Auch er stieg bei YouTube aus, um zurück in die Wissenschaft zu gehen.

Aber warum eigentlich?

Die Reporter empfing er in Sneakers, Jeans und grauer Trainingsjacke. Die Fotos des Besuchs zeigen ein kindliches Gesicht - Karim wird auch mit seinen 27 Jahren vor Discos sicher immer nach dem Ausweis gefragt. Wenn er überhaupt ausgeht. Er sei ein Streber, so beschreibt er sich selbst: Vernarrt ins Lernen. Nur jetzt, im Trubel um die YouTube-Übernahme, möchte er nicht so ganz unerwähnt bleiben. Wie verrückt werden seine einstigen YouTube-Kollegen Hurley und Chen gerade in der Presse als Gründer jenes Videoportals gefeiert, das Google 1,65 Milliarden Dollar wert ist. Darum sagt Karim der "USA Today" und anderen Zeitungen nun: "Wir waren zu dritt."

In Deutschland aufgewachsen, in Stanford zu Hause

Karim gehörte zum "Kernteam", das die Plattform entwickelt hat, bestätigt YouTube. Doch der Computerfreak, der in Deutschland aufwuchs und erst im Highschool-Alter mit seinen Eltern nach Minnesota zog, stieg just im Februar 2005 zum Start der Seite aus. Er wollte einfach zurück an die Uni für ein Postgraduiertenstudium. Deshalb sei er zu einer Art "informeller Berater" geworden, sagt Karim. Die ursprüngliche Idee für das Portal, auf dem jeder sein Homevideo oder Ausschnitte aus Spots und Filmen einstellen kann, stamme aber von ihm. Er entzaubert mit seiner Version der YouTube-Geschichte nebenbei ein paar Mythen, die sich um das junge Unternehmen ranken.

Zum Beispiel die offizielle Gründungslegende von den Partyvideos, die unbedingt über das Internet verschickt werden sollten und so den Stein ins Rollen brachten. Tatsächlich vermissten die Gründer laut Karim bei zwei sehr unterschiedlichen Ereignissen die Möglichkeit, unkompliziert Amateurfilmchen auszutauschen: Bei der Tsunami-Katastrophe - und als Janet Jackson bei einem Auftritt die nackte Brust zeigte.

Am Anfang waren die YouTube-Gründer deprimiert

Keiner der drei jungen YouTube-Väter war damals bei der Gründung ein Neuling der Branche, auch nicht Karim. Der Sohn eines Chemikers und einer Biochemikerin studierte an der gleichen Universität wie Netscape-Mitgründer Marc Andreessen. 2000 stieg Karim als Entwickler bei dem Online-Bezahlservice PayPal ein, wo er später auch Hurley und Chen kennen lernte. Er habe einige der zentralen Komponenten von PayPal aufgebaut und geholfen, das System für 63 Millionen Kunden fit zu machen, sagt Karim in seinem Lebenslauf selbstbewusst. Anfang 2005 verließ er gemeinsam mit Chen und Hurley das Unternehmen, um sich ganz um die jüngste Geschäftsidee zu kümmern.

Beruhigend an Karims Version der YouTube-Legende ist nicht nur die Tatsache, dass bei der unfassbaren Erfolgsgeschichte keinesfalls naive Computerfreaks am Werk waren. Auch ein Home-Video, das er Reportern der "New York Times" zeigte, lässt den neidischen Normalbürger ein wenig aufatmen. Denn sogar die YouTube-Gründer hatten Anfangsschwierigkeiten.

In einer Aufnahme vom April des vergangenen Jahres erklärt Chen etwa, "ziemlich deprimiert zu sein". Erst 50 bis 60 Videos seien auf der Seite, und "es gibt nicht viele, die ich gern sehen würde". Ein Blick auf das angeblich erste auf YouTube eingestellte Filmchen genügt, um die kurzzeitige Hoffungslosigkeit nachzuvollziehen. Da steht Jawed im Zoo vor dem Elefantengehege und redet ein wenig steif über die Rüssel der Tiere. Die Zweifel daran, dass so etwas für eine breite Öffentlichkeit spannend ist, scheinen berechtigt.

In den Monaten nach diesem Auftritt ging es trotzdem Schlag auf Schlag. Heute werden bei YouTube angeblich 100 Millionen Videoclips täglich angesehen. Auch die Finanzprobleme, die das nach wie vor defizitäre Unternehmen trotz der Unterstützung des Risikokapitalgebers Sequoia plagten, sind durch den Google-Deal nun ausgeräumt.

Seinen frühzeitigen Ausstieg aus dem Projekt bereut Karim trotzdem nicht. "Mein einziges Interesse war, dem Unternehmen dabei zu helfen in Gang zu kommen, es umzusetzen und Geld dafür zu finden", sagte er in seiner distanzierten Art der Zeitung "USA Today". Er schließe nicht aus, noch weitere Startups zu gründen. Er habe gern Einfluss darauf, wie die Menschen das Internet nutzen.

Aber vor allem, sagt er, wolle er Professor werden und lehren.

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insgesamt 77 Beiträge zum Forum...
Die neuesten Beiträge:
01.04.2009 von MarkH: einige Magenschmerzen

ist irgendwie logisch. Was ich nicht gut finde sind die Verknüpfungsmöglichkeiten der Medienindustrie mit geographischen Daten (GoogleEarth) Letzteres gehört eindeutig in die Hände von Zivil- und planungsingenieuren [...] mehr...

31.03.2009 von DJ Doena:

Und weiter gehts: http://www.spiegel.de/netzwelt/web/0,1518,616605,00.html Warum sollte man auch ein Interesse haben, dass die eigene Musik von Leuten gehört wird.... mehr...

12.02.2009 von DJ Doena:

Über ein Jahr ist vergangen und verändert hat sich nicht viel. Außer dass sehr viel mehr Videos von "Rechteinhabern" gesperrt werden. Was ich bei ganzen Serien-Folgen noch verstehen kann, ist mir bei Musik-Videos oder [...] mehr...

03.12.2007 von Eiermann: MusicTube?

Isch hab da mal ne Frage: Gibt es eigentlich analog zu Videoplattformen wie youtube, myvideo usw. auch Musikplattformen, in denen Musikstücke auf eben solche Seiten eingestellt werden können? Bin auf den Gedanken gekommen, weil [...] mehr...

28.02.2007 von straightflash88: Onlinevideos

Ich hab da die passende Antwort für dich... Die richtig guten und Videos findes du auf http://www.komerca.tv also da findes du richtig gute Videos also probiers mal ;) mehr...

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