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Demografischer Wandel Schluss mit dem Methusalem-Spuk

2. Teil: Teil zwei: "An fertigen Konzepten mangelt es nun wirklich nicht"

Obwohl immer weniger Kinder geboren wurden (2005: 686.000), stieg die Bevölkerungszahl weiterhin leicht an. "Ein Volk, das so wenige Kinder bekommt", meint Münz, "sollte sich Einwanderung wünschen." Doch stattdessen wurden immer neue Hürden gegen Migranten aufgebaut; voriges Jahr gab es nur noch 96.000 mehr ausländische Zu- als Abwanderer.

Schrumpfendes Volk: Entwicklung der Bevölkerung in Deutschland
DER SPIEGEL

Schrumpfendes Volk: Entwicklung der Bevölkerung in Deutschland

Potentielle Zuwanderer gibt es weltweit mehr als genug. Auf dem Planeten leben derzeit rund 6,6 Milliarden Menschen, jedes Jahr kommen etwa 80 Millionen hinzu. Um 2040, so die gängigen Prognosen, dürfte die Erdbevölkerung die 9-Milliarden-Marke überschreiten, dann aber auf diesem Stand stagnieren.

In den Industriestaaten, in denen die Menschen ihre Nachkommen nicht unmittelbar als Altersversicherung brauchen, sinken die Geburtenziffern – in Deutschland seit dem Ende des 19. Jahrhunderts. Damals brachten deutsche Frauen durchschnittlich mehr als 4,6 Kinder zur Welt. Bereits 1915 war das Geburtenniveau auf 2,9 Kinder je Frau gefallen. Für Bevölkerungswachstum reichte das allemal aus. Erst mit der Erfindung der empfängnisverhütenden Pille stürzte die Geburtenziffer steil ab. Seit 1972 wurden in der alten Bundesrepublik jedes Jahr weniger Kinder geboren als Menschen starben, in der damaligen DDR – wegen des geringen Ausländeranteils – sogar schon seit 1969.

Die deutsche Baby-Baisse ist längst offenkundig, nur geschehen ist – nichts. Die "Problemignoranz der Politik", kritisiert Klaus F. Zimmermann, 53, Direktor des Instituts zur Zukunft der Arbeit in Bonn und Präsident des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung in Berlin, habe den demografischen Wandel bislang ausgeblendet, obwohl dessen "Konsequenzen für Familien, Arbeitsmarkt, soziale Sicherungssysteme und Wanderungen" in der Wissenschaft "schon seit den 1970er Jahren diskutiert" worden seien: "Politikrelevante Stellungnahmen dazu verstopfen ganze Bibliotheken, an fertigen Konzepten fehlt es hier nun wirklich nicht."

Der Aufregungszyklus begann mit einer Falschmeldung

Deutschland ist ja kein Sonderfall, auch wenn die germanischen Demografie-Demagogen bisweilen diesen Eindruck erwecken. Renate Köcher, die Chefin des Allensbacher Instituts für Demoskopie, zeigte sich "überrascht" von dem "frivolen Umgang mit den Fakten". Der "Aufregungszyklus", so Köcher, sei nämlich durch die Falschmeldung in Gang gesetzt worden, Deutschland habe "die niedrigste Geburtenrate der Welt, ausgenommen den Sonderfall Vatikanstaat". Tatsächlich liegt die Geburtenziffer in Deutschland mit 1,36 Kindern pro Frau etwa im europäischen Durchschnitt.

Allein in der Europäischen Union haben 10 der 25 Staaten eine niedrigere Geburtenziffer, zum Beispiel Italien (1,33), Spanien (1,32) sowie Polen und Tschechien (jeweils 1,23). Damit die Bevölkerungszahl ohne Zuwanderung konstant bleibt, wären – so viel Allgemeinwissen haben die Untergangspropheten inzwischen den Deutschen eingetrichtert – 2,1 Kinder je Frau nötig. Aber Babymangel herrscht in praktisch allen Industriestaaten, außer in den USA: Vor allem eingewanderte Latinos und Fundamental-Christen heben dort den Durchschnitt auf 2,07 Kinder pro Frau.

Dass sich deutsche Politiker so lange um das Thema Demografie herumdrückten, mag an der Geschichte dieses Fachs gelegen haben. Schon 1932 wies Friedrich Burgdörfer, Direktor der Abteilung Bevölkerungsstatistik des Reichsamtes Berlin, in seinem Hauptwerk "Volk ohne Jugend" auf den drohenden Verlust der "physischen Kraft und Gesundheit des Volkskörpers" hin und machte dafür "Geburtenschwund und Überalterung" verantwortlich. Die Reichshauptstadt Berlin, die 1925 rund 4 Millionen Einwohner zählte, werde auf 1,5 Millionen im Jahr 1985 schrumpfen.

Durch den Rassenwahn der Nationalsozialisten, die, sich auf Burgdörfers Thesen stützend, "arische" Frauen mit "Mutterkreuzen" dekorierten, wenn sie dem "Führer" viele Kinder schenkten, war jegliche Bevölkerungspolitik für lange Zeit diskreditiert. Gefruchtet hat die Blut-und-Boden-Propaganda übrigens kaum: Die Jahrgänge, die ihre Kinder in den dreißiger Jahren zur Welt brachten, blieben im Mittel bei 1,9 Kindern.

Erst 1996 wurde das Rostocker Max-Planck-Institut für demografische Forschung (MPIDF) gegründet, "aus der Erkenntnis heraus, dass ein Mangel an demografischer Forschung herrschte", wie sich Gründungsdirektor Vaupel erinnert: "Damals gab es in Deutschland nur drei Professoren für Demografie, weniger als in Finnland." Völkischer Tendenzen ist das Institut unverdächtig – an der Spitze steht neben dem Amerikaner Vaupel der Norweger Jan M. Hoem, 67, der vom internationalen Fachverband als "Demograf des Jahres 2006" ausgezeichnet wurde.

Die "Rushhour des Lebens" entzerren

Die Hansestadt an der Ostsee hat sich mittlerweile als deutsches Mekka der Bevölkerungswissenschaft etabliert. Die Universität Rostock richtete zwei Demografie-Lehrstühle ein und bietet die volle Ausbildung zum Demografen über die Stufen Bachelor und Master bis zur Promotion an. Im Oktober 2004 gründeten MPIDF und Uni als gemeinsame interdisziplinäre Einrichtung das "Rostocker Zentrum für Demografischen Wandel", das sich als Wissensvermittler für Politik, Gesellschaft und Wirtschaft versteht.

Was angesichts der aktuellen Bevölkerungsentwicklung getan werden müsste, fasst das Zentrum in einem Satz zusammen: Das Altern der Gesellschaft erfordere "Anpassungen in der Gestaltung des Lebenslaufs, im gesellschaftlichen Miteinander, in den sozialen Sicherungssystemen, in der Beschäftigtenstruktur".

Das heißt beispielsweise:

• Um es jungen Paaren zu erleichtern, Familien zu gründen und Kinder zu bekommen, muss die Lebensarbeitszeit flexibler gestaltet werden: kürzere Ausbildung, gestufte Abschlüsse mit beruflichen Aufstiegsmöglichkeiten, bezahlte Auszeiten für die Kindererziehung, begleitet von lebenslanger Weiterbildung; dadurch kann die "Rushhour des Lebens" entzerrt werden, wie Soziologen jene Jahre zwischen Ende 20 und Mitte 30 nennen, in denen sich bislang Kinderwunsch und Karriere oft im Weg stehen.

• Wenn schon die Schrumpfung vieler Städte und die Entvölkerung ganzer Regionen nicht aufzuhalten ist, sollten Rückbau und Rückzug wenigstens planvoll betrieben werden; in den dünn besiedelten Regionen müssen neue Infrastrukturen geschaffen werden, die eine Grundversorgung gewährleisten, und wo der Staat sich mangels Masse zurückzieht, muss bürgerschaftliches Engagement die Lücken füllen.

Zunächst aber ist aufzuräumen mit Vorurteilen und Halbwahrheiten. Das Katastrophengeschrei der Panikmacher und die Propaganda der Versicherungsunternehmen, die sich ein großes Geschäft mit der Privatvorsorge versprechen, haben dazu geführt, dass mittlerweile niemand so viel Angst vor Armut im Alter hat wie die Deutschen. Fast nirgendwo sonst in Europa herrscht so viel Pessimismus beim Blick in die Zukunft, ermittelte im Frühjahr das Bielefelder Meinungsforschungsinstitut TNS Emnid. Die Umfrage-Ergebnisse, sagt Emnid-Chef Klaus-Peter Schöppner, seien "nahezu schon depressiv".

"Mit der Realität" habe die verbreitete "Methusalem-Hysterie wenig zu tun", behauptet der Ökonom und Unternehmensberater Nicholas Strange, 59: "Bloße Fakten, die womöglich beruhigend wirken, stören nur den Gruselgenuss." Der Brite mit deutschem Pass rechnet in einem neuen Buch ("Keine Angst vor Methusalem!") vor, "warum wir mit dem Altern unserer Bevölkerung gut leben können".

Der Krieg der Generationen fällt aus

Vor allem muss eine alternde Bevölkerung keinen "Kampf der Generationen" provozieren (so der Titel eines 2004 veröffentlichten Buches des Gießener Soziologen Reimer Gronemeyer, 67, der als "wissenschaftlicher Fachberater" für das ZDF-Spektakel angeheuert war). Zwar gebe es "offene Fragen der Verteilung von Ressourcen auf die Lebensalter", bestätigt der Altersforscher Paul B. Baltes, 67, Leiter des Berliner Max-Planck-Instituts für Bildungsforschung. Aber es werde, davon ist er überzeugt, "nie zu einem wirklichen Krieg der Generationen kommen".

Die "Psychologie der Generationen" sei vielmehr, so Baltes, "auf wechselseitige Harmonie angelegt" – die Jungen wüssten ja, dass sie selbst mal alt werden, die Alten erinnerten sich an ihre eigene Jugend. Die Senioren dächten "intensiv an die nachfolgenden Generationen" und seien bereit, "durch Bescheidung zu deren Wohlfahrt beizutragen".

Langes Leben sei doch ein "Geschenk", betont auch Demograf Vaupel: "Erstmals in der Geschichte der Menschheit" könnten "die meisten erleben, wie ihre Kinder und Enkel aufwachsen". Nein, der demografische Wandel stelle keine Gefahr dar, versichert Vaupel – "gefährlich" sei "nur, ihn zu ignorieren".

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insgesamt 1410 Beiträge
rolli 20.10.2006
@sysop: Sie skizzieren ein Bild, das einseitig auf Deutsche zutrifft, nicht jedoch auf die Gesamtbevölkerung. So brutal das klingt, es ist aber die Realität: Die Demographie spricht dafür, dass die "Unterschicht" sich [...]
@sysop: Sie skizzieren ein Bild, das einseitig auf Deutsche zutrifft, nicht jedoch auf die Gesamtbevölkerung. So brutal das klingt, es ist aber die Realität: Die Demographie spricht dafür, dass die "Unterschicht" sich demographisch durchsetzt. Die Rechenmodelle, die von Eurostat oder dem Stat. Bundesamt zur Verfügung gestellt werden, sehen 3 Varianten in der Berechnung vor. Von einem "günstigsten Fall" über den "wahrscheinlichsten Fall" bis zum "ungünstigsten Fall. Die Zahlen sehen grob so aus: 1. 2050 hat die BRD 83 Mio. Einwohner 2. Fall 80 Mio. EInwohner 3. Fall 70 Mio. Einwohner Wobei in all diesen Zahlen die über 64 Jährigen nicht eingeschlossen sind, so dass grössere Abweichungen nach oben wahrscheinlich sind. Wenn die wahrscheinlichsten Fälle 1 oder 2 eintreten, dann gibt es den prophezeiten demographischen Wandel nicht. Ausschliesslich im unwahrscheinlichsten 3. Fall wäre ein Wandel hin zu einer überalterten Gesellschaft wahr. Es ist leicht durchschaubar, dass alle, die auf den Ängsten der Menschen ihr Süppchen kochen, und das ist ausnahmslos die Politik aller Lager, so tun, als ob nur der ungünstigste Fall der Entwicklung eintreten würde. Ich kann weder Katastrophe noch Chance sehen. Es iwrd alle bleiben wie es ist, nur, dass überall wo der "demographische Faktor" eingeführt wurde, dieser wieder entfernt werden wird. Viel wichter als diese Frage wäre zu diskutieren, wie die Einführung der Rente mit 67 wirkt ( auch ein dempgraphischer Faktor ), und weshalb damit mehr als 1 Mio. Arbeitsplätze wegfallen. rolli
inci 20.10.2006
die chance: wenn bei anziehender wirtschaftslage endlich wieder auch die einstellungsmäßig zum zuge kommen, die vorher aufgrund ihres alters aussortiert wurden. das risiko: das mal wieder niemand aus allem was lernt und [...]
Zitat von sysopLeere Kinderwiegen, volle Pflegeheime: Die Alterung und der Rückgang der deutschen Geburtenrate werden meist als unabwendbare soziale Katastrophe beschrieben. Dabei sind die demografischen Probleme lösbar. Wie sehen Sie die Risiken und Chancen des Bevölkerungswandels?
die chance: wenn bei anziehender wirtschaftslage endlich wieder auch die einstellungsmäßig zum zuge kommen, die vorher aufgrund ihres alters aussortiert wurden. das risiko: das mal wieder niemand aus allem was lernt und vor allem im gedächtnis behält. und die nächste krise wieder genauso "professionell" gemanagt wird.
jan06 21.10.2006
Das sind 'gefühlte' Ängste: http://de.wikipedia.org/wiki/Bild:World_population_density_map.PNG
Zitat von sysopLeere Kinderwiegen, volle Pflegeheime: Die Alterung und der Rückgang der deutschen Geburtenrate werden meist als unabwendbare soziale Katastrophe beschrieben. Dabei sind die demografischen Probleme lösbar. Wie sehen Sie die Risiken und Chancen des Bevölkerungswandels?
Das sind 'gefühlte' Ängste: http://de.wikipedia.org/wiki/Bild:World_population_density_map.PNG
bianna 21.10.2006
Kleine Anmerkung am Rande : Die Kinderwiegen sind nicht leer, es gibt nur weniger ! Ansonsten halte ich diese derzeitige, an Hysterie grenzende Diskussion für völlig überzogen. Daß die Bevölkerungsentwicklung in die [...]
Zitat von sysopLeere Kinderwiegen, volle Pflegeheime: Die Alterung und der Rückgang der deutschen Geburtenrate werden meist als unabwendbare soziale Katastrophe beschrieben. Dabei sind die demografischen Probleme lösbar. Wie sehen Sie die Risiken und Chancen des Bevölkerungswandels?
Kleine Anmerkung am Rande : Die Kinderwiegen sind nicht leer, es gibt nur weniger ! Ansonsten halte ich diese derzeitige, an Hysterie grenzende Diskussion für völlig überzogen. Daß die Bevölkerungsentwicklung in die Richtung geht, die wir nun verstärkt unter die Nase gerieben bekommen, ist schon seit 30 Jahren bekannt. Ich habe schon vor meinem Abitur in der Schule diese "Entwicklungspilze" vorgelegt bekommen. Daher stellt sich für mich nur die Frage: Warum wurde dann 30 Jahre nichts vorbeugend unternommen ? Warum wurden Rentenkassen für Versicherungsfremde Leistungen geplündert ?? Was wir brauchen, werden Lebensmodelle sein, die Alt und Jung wieder mehr zusammenbringen, räumlich und im Denken. Diese Modelle gibt es z.B. in Dänemark oder Holland schon seit langer Zeit in Form von Siedlungen, in denen Wohnraumkomplexe entsprechend der Bedürfnisse von Alten, Familien und Jungen aufgeteilt ist, so daß sich quasi Formen von "Großfamilien" bilden können.
littlejon 21.10.2006
Demografischer Wandel - Katastrophe oder Chance? Das kommt auf den Blickwinkel an! Aus meiner persönlichen Sicht entwickelt sich der demographische Wandel für meine Generation als Mittdreißiger eher zur Katastrophe. Besonders, [...]
Demografischer Wandel - Katastrophe oder Chance? Das kommt auf den Blickwinkel an! Aus meiner persönlichen Sicht entwickelt sich der demographische Wandel für meine Generation als Mittdreißiger eher zur Katastrophe. Besonders, wenn ich an die gesellschaftliche und politische Situation bei uns denke, und hier speziell an die Zukunft der sozialen Sicherungssysteme: Wir leisten uns in fast allen Bereichen des Sozialstaates Systeme, die schon in ihrem Grundkonzept, der Umlagefinanzierung, an die Grenzen stoßen. Nicht zu schweigen vom Rentensystem, welches bei genauerer Betrachtung als bankrott zu bezeichnen ist (80 Mrd.-Zuschuss aus dem Bundesetat wg. diverser Ursachen). Das ganze führt zu ständig steigenden Rentenbeiträgen auf der einen Seite, aber auf der anderen Seite seit geraumer Zeit nicht mehr zu angemessener Beteiligung der Rentnergeneration am produktiven Erfolg der Gesellschaft. Hier driftet die Schere zwischen einem gerechten Anspruch und der Realität sowie der Belastbarkeit der momentanen Leistungserbringer beängstigend auseinander und geht dennoch immer weiter auf. Wie sieht es im Gesundheitswesen aus ? Mit dem, was jetzt alles so als Reform verabschiedet werden soll, wird auch nur die bisherige Grundstruktur des Systems über die nächsten Bundestagswahlen gerettet. Resultat: Es wird für den Einzelnen immer teurer und das bei gleichzeitig sinkenden Standards und Leistungsumfängen. Die Probleme bei der Pflegeversicherung sollen demnächst mal angegangen werden! Die Arbeitslosenversicherung ist die Einzige, bei der nächstes Jahr die Beiträge wenigstens sinken werden. Kurz gesagt: An die Zukunftsfähigkeit der Sicherungssysteme in ihrer momentanen Konzeption glaubt in meiner Generation kaum noch jemand. Nur: Zwei Dinge sind uns allen klar: Wir sind momentan voll für die nachfolgenden Generationen verantwortlich und wir sind voll für die vorangehenden Generationen verantwortlich, sowohl finanziell, als auch mit persönlichem Engagement. Gleichzeitig erwartet man von uns private Vorsorge, räumliche und geistige Flexibilität sowie andauernde Fortbildung. Alles Dinge, die im Grunde für sich sprechen und die ich als positiv bewerte. Die Sache ist nur die: Irgendwann ist neben einer absoluten Frust- auch eine finanzielle Leistungsgrenze erreicht. Vor allem auch, weil wir, und hier komme ich zum zweiten Punkt, genau wissen, was noch durch die demographische Entwicklung für Belastungen auf uns zu kommen werden. Und nicht nur wir warten seit Jahren vergeblich darauf, dass die Politik endlich langfristig wirkende Reformen einleitet. Dann hätte meine Generation wenigstens einmal so etwas wie Planungssicherheit bei unseren weiteren Lebensentwürfen. Der momentane Umbruch der Gesellschaft wird überwiegend auf der Leistungsfähigkeit und zu Lasten meiner Generation betrieben. Darüber hinaus steigt auch ständig die Angst vor Hartz IV, ob berechtigt oder nicht, mag dahingestellt sein. Die äußerst kritikwürdige Hartz IV-Rhetorik in der politischen und gesellschaftlichen Debatte, nicht zu vergessen die journalistische Aufbereitung der Thematik, hat vor allem zu einer doppelten Stigmatisierung der Betroffenen geführt. Die einen stellen sie mit Schmarotzern uns Abzockern auf eine Stufe. Andere reden ihnen ein, sie seien entrechtet und sozial abgehängt. In diese Zwickmühle möchte niemand geraten. Von dieser Seite aus betrachtet ist die demographische Entwicklung durchaus als Katastrophe zu betrachten.
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