Was ist das für ein Gejammer von wegen Schrumpfung und Alterung der Gesellschaft? Als stünde Deutschland vor dem Ende. Es ist richtig, und nichts und niemand wird es mehr ändern können, die deutsche Bevölkerung schrumpft und altert. Na und?
Das bedeutet doch zunächst einmal, dass die Zeiten der Plattenbauten und des Wohnungsmangels, der Staus und Wartezeiten, der zu kleinen Klassenzimmer und überfüllten Hörsäle vorbei sind. Bald schon wird man nicht mehr von Lehrstellenmisere sprechen, sondern Jugendlichen rote Teppiche auslegen. Man wird alles tun wollen und auch alles tun können, um Kinder und Jugendliche bestens für die Arbeitswelt vorzubereiten und ihnen den Einstieg in das Berufsleben zu erleichtern.
Das gilt besonders auch für junge Ausländer oder - politisch korrekt - für junge Menschen mit migrationspolitischem Hintergrund. Würden sie heute schon besser und damit erfolgreicher in Beruf und Gesellschaft integriert, müsste kaum jemand in Deutschland Sorgen vor den demographischen Veränderungen haben.
Vor allem aber bedeutet die Alterung der Gesellschaft, dass die Menschheit ihrem Urtraum ein kleines bisschen näher gekommen ist: dem Traum vom ewigen Leben. Wie kann man nur so anmaßend sein, Älterwerden als Problem zu bezeichnen? Wie (erb)ärmlich, wie phantasielos ist ein solches Urteil.
Das soziökonomische Triple-A "Alt, Arbeitslos, Arm" ist kein gottgegebenes Schicksal für die Zukunft. Eine oft zurecht als Jugendwahn bezeichnete Diskriminierung älterer Menschen ist politikgemacht. Eine zwar gut gemeinte, in ihren Ergebnissen aber eben kontraproduktive Sozialgesetzgebung will ältere Erwerbstätige schützen, raubt ihnen aber gerade mit dem Schutz die Beschäftigungschancen.
So kommt es, dass in Deutschland die Beschäftigungsquoten der 55- bis 64-Jährigen gerade einmal bei 45 Prozent liegt, in Schweden aber bei 70 Prozent. Ältere Erwerbstätige brauchen eben keinen besonderen Schutz. Auch ohne sind sie leistungswillig und leistungsfähig. Das muss die Botschaft sein, die es auszusenden gilt. Die volle Gleichstellung bringt Ältere in den Arbeitsmarkt zurück, wo sie mit Blick auf die Schrumpfung der Bevölkerung bald schon dringend gebraucht werden.
Ältere Arbeitnehmer brauchen keinen Schutz
Die Schrumpfung und die Alterung der Bevölkerung wird gerade den bisher vom Arbeitsmarkt benachteiligten "stillen Reserven" völlig neue Chancen eröffnen. Dazu zählen die Jungen, die Alten und vor allem auch die Frauen. Noch bleibt deren Erwerbstätigkeit weit hinter jener der Männer zurück. Noch immer bedeutet die Mutterrolle zu oft das Ende der beruflichen Karriere. Das ist nicht nur eine persönliche Tragödie. Es ist auch ein gesellschaftlicher Verlust. Denn keine frühere Frauengeneration war auch nur annähernd so gut ausgebildet wie die heutige.
Bei den Schulabschlüssen haben die Mädchen die Knaben bereits überholt. Sie stellen in den Realschulen und Gymnasien die Mehrheit. Frauen werden in Zukunft im Durchschnitt besser ausgebildet sein als Männer. Damit wird ein Verzicht auf eine spätere Nutzung ihrer Fähigkeiten nicht nur für die betroffenen Frauen, sondern auch für die Gesellschaft insgesamt immer kostspieliger.
Gerade die von vielen so beklagte Schrumpfung und Alterung wird die Berufs- und Karriereperspektiven von Frauen in einer noch nie da gewesenen Art und Weise verbessern. Wenn Unternehmen händeringend nach qualifizierten Beschäftigten suchen, werden sie immer mehr auf Frauen zurückgreifen. Damit steigen deren Löhne und vergrößern sich die Aufstiegschancen mit einer Dynamik, wie sie kein noch so strenges Gleichbehandlungsgesetz je geschafft hätte.
Sind es deshalb vor allem Männer, die über die Schrumpfung und Alterung der Bevölkerung so laut klagen? Oder sind es jene, die an einem Familienbild festhalten wollen, das dazu führt, dass sich ein vergleichsweise schlechter ausgebildeter Mann im Berufsleben im harten Überlebenskampf quält, um wenig mehr als das Nötigste nach Hause zu bringen, während seine wesentlich besser ausgebildete, vielleicht sogar deutlich klügere Lebensabschnittsbegleiterin ihre berufliche Erfolgskarriere unterbricht und damit gefährdet, um jene vergleichsweise einfacheren Hausarbeiten zu erledigen, für die ihr Partner wesentlich besser geeignet wäre?
Schrumpfung und Alterung der Bevölkerung werden diesen Missstand von alleine korrigieren. Ganz ohne Gesetze werden sich immer mehr Eltern dafür entscheiden, dass "klügere" Mütter Karriere machen und "dümmere" Väter zu Hause bleiben.
Deutschland steht an der Schwelle zu einem neuen demographischen Zeitalter voller neuer Möglichkeiten. Noch nie ist die Bevölkerung in Friedenszeiten geschrumpft. Erstmalig muss nicht immer mehr produziert werden, um immer mehr Menschen satt und zufrieden zu machen. Nicht mehr Quantität bestimmt das Denken. Qualität dominiert das Tun und Lassen. Eltern müssen sich nicht mehr mit wenig Zeit um viele Kinder kümmern, sondern können sich viel Zeit für wenige Kinder nehmen. Was soll daran schädlich sein, was soll uns da Sorgen machen?
Das Problem ist nicht das Schrumpfen, sondern die Angst
Das Problem ist nicht das Schrumpfen oder das Altern der Bevölkerung. Das Problem ist die Angst vor dem Schrumpfen und Altern der Bevölkerung. Die Angst lähmt die Menschen und lässt sie reflexartig an gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Strukturen festklammern, die in der Tat nicht zukunftstauglich sind. Was wir schleunigst ersetzen müssen, sind die verblichenen Bilder, wie wir im letzten Jahrhundert gelebt, gewohnt, gearbeitet haben und gealtert sind.
Neue Zeiten erfordern neue Formen des Zusammenlebens. Das Familienbild der Nachkriegszeit mit dem Vater als Alleinernährer, der Mutter als Erzieherin und den beiden Kindern zur demographischen Bestandessicherung entspricht schon lange nicht mehr der Realität.
Das viel weiter zurückliegende Modell der Mehrgenerationenfamilie wird Zulauf gewinnen. Ältere, die für jene Kinder da sind, deren Eltern unterwegs sind. Ältere finden so eine sinnstiftende Betätigung. Jüngere können von der Lebenserfahrung anderer profitieren. Mütter können gleichermaßen wie Väter ohne schlechtes Gewissen ihre eigenen Lebensziele verfolgen und die Erziehung der Kinder älteren Verwandten und Bekannten überlassen. Wieso sollte ein Mehrgenerationenmodell in Zukunft nicht funktionieren, war es doch über Jahrtausende gang und gäbe, bevor es kulturhistorisch nur für kurze Zeit verdrängt worden ist?
Einem modernen Land kann die Alterung wenig anhaben
Wer sich über schrumpfende Bevölkerungen beklagt, muss ein ganz bestimmtes Weltbild im Kopf haben. Es ist dominiert durch ein nationales Denken in geschlossenen Volkswirtschaften. Es folgt einer verengten Sicht, welche die Bevölkerungsgröße mit Macht und Einfluss in der Weltpolitik gleichsetzt. Vielleicht spielen hierbei mehr oder weniger unterschwellig außerdem nationalistische Gründe eine Rolle.
Oft scheint es, als würden bei der Bewertung künftiger demographischer Prozesse Argumente aus der längst vergangen geglaubten Perspektive des Merkantilismus die Optik verzerren. Im Zeitalter der Globalisierung verliert eine nationale Bevölkerungsentwicklung jedoch ihren Schrecken. Deutschland geht nicht dem Untergang entgegen, nur weil seine Bevölkerung in den kommenden 40 bis 50 Jahren um zehn Prozent oder mehr schrumpfen wird. Solange es in Asien, Afrika und Lateinamerika noch schnell wachsende Bevölkerungen gibt, was noch eine ganze Weile der Fall sein wird, können in einer hoch arbeitsteiligen Weltwirtschaft Ausländer anstelle der Inländer treten.
Damit ist nicht einmal ein für viele Deutsche unerwünschtes Szenario mit (noch) mehr Zuwanderung gemeint. Anstatt Güter und Dienstleistungen an Deutsche zu verkaufen, können die Produkte genauso gut nach China exportiert werden. Die Ersparnisse können anstatt in Deutschland irgendwo in den schnell wachsenden Weltregionen angelegt werden.
Anstatt im Ruhrgebiet oder im Osten Deutschlands zu investieren, kann das eigene Kapital in Südostasien hohe Renditen erzielen. Spätestens an dieser Stelle zeigt sich, dass der Vorwurf unbegründet ist, Produktionsverlagerungen ins Ausland seien unpatriotisch. Das Gegenteil ist richtig.
Je rascher alte sozio-ökonomische Strukturen modernisiert werden, je offener Deutschland wird und je stärker es sich in die globale Wirtschaft integriert, desto belangloser werden die ökonomischen Folgen einer schrumpfenden und alternden deutschen Bevölkerung sein.
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Können Sie verstehen, warum in vielen Medien die occupy-bewegung erwähnt wird? Können Sie verstehen, warum nur in 2 Sätzen über den Graben zwischen der Eurozone und der Eu, der so tief wie nie zuvor gegraben wurde, erwähnt [...] mehr...
Sie kassieren also den Höchstsatz an Rente, und haben mitunter privat noch etliche Millionen zur Seite gerafft ! mehr...
Arbeiten bis 67, falls dies lebend überstanden wird, Altenheim unter Abpressung des noch vorhandenen Vermögens durch die staatlichen Kassen, Abservierung durch Morphium-Pflästerchen und Verweigerung von Hilfe / Pflege - [...] mehr...
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