Wirtschaft



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06.11.2006
 

Stromausfall

Politiker werfen Energiekonzernen Gier vor

Weite Teile Europa waren am Wochenende von einem Stromausfall betroffen, dessen Ursache wohl in Deutschland zu suchen ist. Jetzt geraten die Stromkonzerne unter Druck: Politiker werfen ihnen vor, trotz hoher Gewinne viel zu wenig in die Netze zu investieren.

Berlin - "Wir brauchen umgehend einen Bericht über die nationale Leistungsfähigkeit der Netze. Die Netzbetreiber müssen dazu einen detaillierten Gesamtbericht vorlegen", forderte der Parlamentarische Staatssekretär im Bundesumweltministerium, Michael Müller (SPD), in der "Passauer Neuen Presse". Er verlangte von den Energiekonzernen eine gründliche Aufklärung des Stromausfalls in großen Teilen Europas. Die Konzerne müssten die Frage beantworten wie die Netze gerüstet sind, um Versorgungssicherheit und Stabilität zu gewährleisten.

Zahnpflege bei Kerzenschein: Politiker über Stromkonzerne verärgert
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DPA

Zahnpflege bei Kerzenschein: Politiker über Stromkonzerne verärgert

In der Nacht zu Sonntag war in weiten Teilen Europas, vom Ruhrgebiet bis nach Spanien, für bis zu anderthalb Stunde der Strom ausgefallen. Millionen Menschen saßen im Dunklen oder in Fahrstühlen fest. Als Ursache vermutet der Energieversorger E.on, dass die absichtliche Abschaltung einer Hochspannungsleitung über den Fluss Ems in Niedersachsen das Chaos ausgelöst haben könnte.

"Es kann nicht sein, dass die Netzbetreiber immer höhere Gewinne machen, die nötigen Investitionen jedoch nur zögerlich vorankommen, sagte Müller. Es gebe ein eklatantes Missverhältnis zwischen den Gewinnen der Netzbetreiber und ihren Kosten. Von der Bundesnetzagentur wisse man, dass die Netzgebühren weit überhöht seien.

Auch der SPD-Fraktionsvize Ulrich Kelber warf den Stromkonzernen mangelnde Investitionen in ihre Netze vor. "Die Stromkonzerne haben über Jahre ihre Netzinvestitionen zurückgefahren", sagte er der "Berliner Zeitung". Untersuchungen müssten nun zeigen, ob dies die Ursache für die Ausfälle sei. "Wir erwarten eine Aufklärung unter Einschaltung der Bundesnetzagentur", sagte er.

Kelber verwies auf Berechnungen des Verbandes der Elektrotechnik (VDE). Danach seien die Netzinvestitionen seit den achtziger Jahren um 40 Prozent zurückgegangen. Die Stromausfallzeiten seien seitdem von durchschnittlich 15 Minuten auf 23 Minuten im Jahr gestiegen. "Das ist nicht akzeptabel", kritisierte Kelber.

Grünen-Fraktionschefin Renate Künast warf den Energieversorgern vor, trotz reichlicher Profite nur wenig für die Verbraucher zu tun. "Unsere hohen Netzgebühren und damit auch die Strompreise werden immer mit der hohen Netzsicherheit begründet", sagte die ehemalige Verbraucherschutzministerin der "Frankfurter Rundschau". "Wenn Netzfehler oder mangelhafter Betrieb Ursache des Stromausfalls sind, ist das ein weiteres Indiz dafür, dass die Begründung der Energiekonzerne nicht trägt."

"Wir brauchen eine Europäische Aufsichtsbehörde"

Der Chef des Bundes der Energieverbraucher, Aribert Peters, sagte: "Die Versorgungssicherheit ist nicht mehr gewährleistet." Sein Verband weise seit langem darauf hin, dass die Netze marode seien. An einem "normalen Novembertag" sei die Belastung nicht so hoch, dass es zu einer solchen Panne kommen dürfe. Das Netz müsse in der Lage sein, ganz anderen Wetterbedingungen stand zu halten. "Dass es jetzt schon zusammengebrochen ist, lässt nichts Gutes ahnen", sagte Peters.

DIW-Energieexpertin Claudia Kemfert forderte eine Kontrolle der Energiekonzerne auf europäischer Ebene. "Wir brauchen eine Europäische Aufsichtsbehörde, die das Stromnetz managt", sagte sie der "Neuen Presse" in Hannover. Stromausfälle mit Kettenreaktionen seien etwas, was in Europa gar nicht passieren dürfe.

Der Chef des Berliner Energieforschungsinstituts EEFA, Bernhard Hillebrand, nahm dagegen die Erzeuger regenerativer Energien in die Pflicht. "Vor allem wegen der unkoordinierten, stetig zunehmenden Einspeisung regenerativer Energien ins Netz sind häufigere Stromausfälle nicht auszuschließen." Regenerative Energiequellen sollten deshalb in absehbarer Zeit wie konventionelle Stromanbieter dazu angehalten werden, Strom nur dann einspeisen, wenn er gebraucht wird. Überschüssige Energie müssten sie dann etwa in Pumpspeicherwerken lagern.

kaz/ddp

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