München - Aus internen Dokumenten gehe hervor, dass das Management die dramatischen Zahlungsschwierigkeiten des Unternehmens bereits Mitte August, also sechs Wochen vor dem Insolvenzantrag, gekannt habe, berichtet die "Süddeutsche Zeitung". Während der taiwanische Mutterkonzern BenQ und die angeschlagene Tochter in München damals offiziell noch Durchhalteparolen ausgaben, hätten einige Verantwortliche die Hoffnung bereits aufgegeben. "Wir haben null Budget mehr", habe BenQ-Mobile-Finanzchef David Wang am 16. August an Vorstandschef Clemens Joos geschrieben. Trotzdem hätten Spitzenmanager von BenQ sowie der Mobilfunk-Tochter noch eine Woche danach öffentlich Zuversicht verbreitet.
"BenQ Mobile ist und bleibt eine wichtige Säule unseres Unternehmens", habe beispielsweise BenQ-Chef Kuen-Yao Lee am 24. August in Taipeh beteuert. "Erhebliche Fortschritte beim Unternehmensumbau" habe sich auch BenQ-Mobile-Chef Joos bescheinigt. "Wir gehen optimistisch in das Weihnachtsgeschäft", habe es in einer Mitteilung des Handy-Herstellers geheißen.
Aus den internen Dokumenten ergebe sich jedoch: Nicht nur hohe Verluste und Probleme mit der Modellpalette, sondern auch gravierende Zahlungsschwierigkeiten seien dem Management damals bekannt gewesen, berichtet die Zeitung. Bereits im ersten Halbjahr habe die Sparte das gesamte Geld aufgebraucht, das der Mutterkonzern in Taiwan für das Gesamtjahr zur Verfügung gestellt habe. Die Nachricht sei sowohl an Spitzenmanager von BenQ Mobile, als auch an die BenQ-Führung in Taiwan, und damit unter anderem an den für das Handy-Geschäft zuständigen Vorstand Jerry Wang, gegangen.
Der Finanzchef aus München habe damals unmissverständlich klargemacht, dass er der Sparte kaum noch Chancen gebe: "Unsere Liquidität könnte bald erschöpft sein." Der Mutterkonzern habe mitgeteilt, dass die Vorgaben nicht mehr verhandelbar seien. "Das Aus war damit besiegelt", zitiert die Zeitung dazu einen der damaligen Spitzenmanager.
Ein schlechtes Licht werfen die Dokumente auch auf die Bemühungen der Konzernmutter, das Handy-Geschäft zu erhalten, wie es hieß. Eine Ende August öffentlich angekündigte Finanzspritze von 400 Millionen US-Dollar aus Taiwan entlarve eine weitere E-Mail des Finanzchefs als pure PR-Kosmetik: "In den Nachrichten heißt es, BenQ habe uns 400 Millionen Dollar zur Verfügung gestellt. Das ist nicht wahr." BenQ habe lediglich die rechtlichen Voraussetzungen für solche Zahlungen geschaffen. Ob sie jemals flössen, sei unklar.
Insolvenzverwalter Martin Prager und das BenQ-Mobile-Management lehnten gestern einen Kommentar zu den Vorgängen ab. Die Aufarbeitung der BenQ-Mobile-Vergangenheit stehe erst am Anfang, habe Prager lediglich gesagt.
mik/dpa
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