Ulm - Neben den Büros von Ratiopharm kontrollierten die Ermittler der Ulmer Staatsanwaltschaft auch Wohnungen von Beschuldigten. Gesucht wurde nach Unterlagen, die Aufschlüsse über die frühere Vertriebsstruktur des Arzneimittelherstellers geben. Es sollte nach Angaben der Staatsanwaltschaft zudem geklärt werden, ob Kassenärzte bei ihren Verschreibungen abhängig von dem Unternehmen waren.
Beschuldigt werden acht Mitarbeiter der Firma, von den drei
zwischenzeitlich bereits Ratiopharm verlassen haben. An der
Durchsuchung des Firmensitzes waren drei Staatsanwälte und 32 Kriminalbeamte beteiligt. Es sei allerdings nicht mit einem baldigen Abschluss des Ermittlungsverfahrens zu rechnen, teilten die Behörden mit.
Ratiopharm vermeldete, die Staatsanwaltschaft bei ihren
Untersuchungen, wie auch schon bisher, uneingeschränkt unterstützen zu wollen. "Ratiopharm im Gesamten ist weiterhin davon überzeugt, bei seinen Marketingaktivitäten gegen keine Strafgesetze verstoßen zu haben", hieß es in einer Mitteilung.
Im April hatte die Generalstaatsanwaltschaft Stuttgart die
Staatsanwaltschaft Ulm angewiesen, ein Ermittlungsverfahren zu
beginnen, nachdem Ulm sich zunächst dagegen entschieden hatte. Geprüft werden sollte, ob das Pharmaunternehmen Ärzte mit bestimmten Vergünstigungen dazu gebracht hat,
Ratiopharm-Produkte zu verschreiben, obwohl sie günstigere
Konkurrenzmittel hätten verschreiben müssen. Dadurch hätten die Ärzte den Krankenkassen geschadet
Im Zuge der Ermittlungen zu möglichen Sonderzahlungen hatte
die Kaufmännische Krankenkasse (KKH) auch zahlreiche
Medikamentenverordnungen der 120.000 Haus- und Fachärzte in Deutschland überprüft. Die Hinweise auf Zahlungen von
Umsatzprovisionen hätten sich laut Medienberichten aus einem internen Schriftverkehr von Ratiopharm-Außendienstmitarbeitern ergeben. Daraus gehe hervor, dass Ärzte fünf Prozent vom Umsatz erhalten hätten.
Ratiopharm produziert und vertreibt international Pharmaprodukte nach Ablauf ihrer Patente. Diese Medikamente enthalten nach Angaben des Unternehmens die Wirkstoffe und Dosierungen der Originalpräparate und sind von derselben Qualität.
kai/dpa/Reuters
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