Bonn - Der knapp gehaltenen Pflichtmitteilung des Aufsichtsratspräsidiums zufolge ist der einvernehmliche Rücktritt Kai-Uwe Rickes auf den morgigen Montag datiert. Bereits seit einigen Tagen war über einen Wechsel an der Führungsspitze des Unternehmens spekuliert worden.
Als Nachfolgekandidat gilt der Chef der Mobilfunksparte René Obermann. Er hatte sich, wie SPIEGEL ONLINE aus Aufsichtsratskreisen erfuhr, in einem Gespräch mit dem Telekom-Aufsichtsratsvorsitzenden Klaus Zumwinkel bereit erklärt, die Führung des Konzerns zu übernehmen. Der Führungswechsel bei der Deutschen Telekom
T-Mobile-Chef Obermann, 43, wird im Kontrollgremium den Angaben zufolge als führungsstarker und unternehmerisch denkender Manager gesehen, der den wesentlichen Teil der erfolgreichen Geschäfte des Konzerns verantworte. "Er ist jung, aber er macht eine überzeugende Figur", hieß es in den Eigentümerkreisen.
Ricke war wiederholt kritisiert worden, weil er einerseits massiv Personal abbaute, zugleich der Telekom aber weiter die Kunden wegliefen und der Aktienkurs seit vier Jahren nicht mehr nachhaltig stieg. Erst am Donnerstag hatte die Deutsche Telekom mitgeteilt, dass sie auch im dritten Quartal weniger verdient hatte als im Vorjahreszeitraum und mit einem milliardenschweren Sparprogramm gegensteuern will. Der Nettogewinn sank zwischen Juli und September im Vergleich zu diesen drei Monaten des vergangenen Jahres um 34 Prozent auf 980 Millionen Euro, wie das Unternehmen mitteilte. Auf einer inoffiziellen Sitzung des Aufsichtsrates nach der Vorlage der Quartalszahlen habe Zumwinkel den Vorstandsvorsitzenden massiv kritisiert. "Da hat es richtig gekracht", hieß es.
Ricke hatte seinen Chefposten vor fast genau vier Jahren, Mitte November 2002, angetreten. Dabei hatte er von seinem Vorgänger Ron Sommer, jetzt bei Blackstone beschäftigt, einen gigantischen Schuldenberg übernommen und deswegen einen harten Sanierungskurs eingeschlagen. Zuletzt hatte Ricke versucht, mit neuen Pauschaltarifen verlorene Kunden zurückzugewinnen.
Noch am Wochenende forderte Ricke in "Focus" die Mitarbeiter von Call-Centern und Kundendienst auf, einer drastischen Anhebung der Wochenarbeitszeit von 34 auf 38 Stunden zuzustimmen. Damit solle ein Stellenabbau vermieden werden. Allerdings müssten die etwa 45.000 Betroffenen einen Wechsel von der T-Com zu schlechteren Konditionen in die neue Tochtergesellschaft T-Service und eine Call-Center-Gesellschaft akzeptieren.
reh/doh/rüd/AFP/ddp/dpa
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