Hamburg - "Wenn es uns gelingt, unsere Kosten zu senken, können wir unsere Preise weiter senken", sagte Obermann der "Bild"-Zeitung. Preissenkungen seien auch wegen der Konkurrenz im Telefonfestnetz, bei Mobiltelefonen und im Internet nötig. "Der Wettbewerb wird härter und die Preise bewegen sich nach unten", sagte er. Sein Unternehmen wolle aber nicht "zum billigen Jakob der Branche" werden, sondern seinen Preis wert sein.
Obermann kündigte außerdem an, den Kundenservice deutlich verbessern zu wollen. Dies habe für ihn Priorität. Bei den Dienstleistungen müsse die Telekom stark nachholen. "Wir müssen in vielen Bereichen schneller reagieren, freundlicher sein - und eine kundenorientiertere, einfachere Sprache finden", sagte er. Dazu würden alle Bereiche überprüft, in denen es direkten Kontakt zum Kunden gebe; angefangen beim Verkaufsgespräch bis hin zur Verständlichkeit von Produkten und Tarifen oder der Bearbeitung von Aufträgen und Reklamationen. "Die Kunden sollen von Anfang an wissen, an wen sie sich zu wenden haben. Wir dürfen sie nicht mehr hin und her schicken", mahnte Obermann.
Obermann war gestern für die kommenden fünf Jahre an die Konzernspitze berufen worden. Er löst mit sofortiger Wirkung Kai-Uwe Ricke ab, der am Wochenende auch angesichts des Drucks von Großaktionären seinen Rücktritt eingereicht hatte.
Obermann, bisheriger Mobilfunk-Chef, kündigte an, dass leitende Mitarbeiter des Konzerns künftig regelmäßig mit Kunden in Kontakt kommen sollen. "Es ist falsch, wenn Führungskräfte Geschäftspolitik am grünen Tisch machen. Sie müssen sich auch an der Basis mit Kundenanliegen auseinandersetzen", sagte er. Deshalb würden Manager künftig regelmäßig zum Dienst in die Geschäfte und Callcenter geschickt.
Nicht festlegen wollte sich Obermann in der Frage, welchen Umfang der Stellenabbau bei der Deutschen Telekom noch annehmen werde. "Klar ist: Wir müssen Kosten sparen, um wettbewerbsfähig zu bleiben", sagte er. Obermann versicherte aber, dass sozialer Interessenausgleich beim Personalabbau eine Rolle spielen werde. "Alles, was in den nächsten Jahren auf uns zukommt, müssen wir im Schulterschluss mit den Tarifpartnern entwickeln", sagte er. Allerdings wolle er dabei Konflikten nicht aus dem Weg gehen.
Außer dem Wechsel an der Konzernspitze wird es möglicherweise weitere Veränderungen im Telekom-Vorstand geben. Nach Informationen des Düsseldorfer "Handelsblattes" wird Personalvorstand Heinz Klinkhammer zum Jahresende sein Amt niederlegen. Klinkhammer habe als Nachfolger Dietmar Welslau vorgeschlagen, den Personalchef der Festnetzsparte T-Com und Geschäftsführer der Telekom-Beschäftigungsgesellschaft Vivento, berichtete die Zeitung unter Berufung auf Unternehmenskreise. Auch Festnetzchef Walter Raizner sei dabei, sich einen neuen Posten zu suchen.
Nach einem Bericht des "Manager Magazins" verliert die Telekom auch Vertriebsmanager Achim Berg. Er werde zum 1. Februar 2007 die Führung von Microsoft Deutschland übernehmen, berichtet das Magazin unter Berufung auf informierte Kreise. Berg hatte erst zum 31. Oktober den Bereichsvorstand der T-Com verlassen, um sich zukünftig ganz auf die Aufbauarbeit zur Integration der konzernweiten Vertriebe zu konzentrieren.
als/ddp/Reuters
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