Schon im Jahr 2005 hatte die Siemens-Führung Verdacht gegen Manager ihrer Kommunikationssparte (Com) geschöpft. Doch die zuständigen Abteilungen versäumten es, Anzeige gegen die betroffenen Mitarbeiter zu erstatten. Stattdessen schlug in der vergangenen Woche nach monatelanger Vorbereitung die Münchner Staatsanwaltschaft zu und ließ in einer Razzia Beweismaterial einsammeln.
Die Ermittler gehen dem Verdacht nach, ob die Com-Sparte in den vergangenen Jahren schwarze Kassen angelegt und weit mehr als 20 Millionen Euro Schmiergeld gezahlt hat, um an Aufträge zu gelangen. Insider vermuten gar ein Volumen von rund 100 Millionen Euro. Das Geld könnte unter anderem für die Beschaffung eines 250-Millionen-Auftrags für das Sicherheitssystem der Olympischen Spiele 2004 in Athen verwendet worden sein.
Nach Erkenntnissen der Ermittler soll das Geld mit Hilfe von Scheinrechnungen für angebliche Beratungsleistungen an zwei Firmen in den USA namens Weavind und Prom Export sowie die österreichische Krhoma Handels GmbH überwiesen worden sein. Anschließend, so der Verdacht, wurde es über Offshore-Firmen in der Karibik auf Schweizer Konten weitergeleitet. Auch in Liechtenstein wird im Zusammenhang mit Konten im Umfeld des Siemens-Konzerns ermittelt.
Auslöser der Affäre war eine anonyme Strafanzeige sowie ein Geldwäscheverdacht der Schweizer Bundesanwaltschaft.
Womöglich droht dem Konzern weiterer Ärger: Die Staatsanwaltschaft Nürnberg prüft Vorwürfe, wonach Mitarbeiter einer Hörgerätetochter Großhändlern Rabatte zunächst vorenthalten und später in bar als Schwarzgeld übergeben haben sollen.
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