Wirtschaft



  • Drucken
  • Senden
  • Feedback
19.11.2006
 

Prekäre Angestelltenverhältnisse

Soziale Unterschiede am Arbeitsmarkt verschärfen sich

Leiharbeit, Minijobs, befristete Verträge: Billigarbeit ist auf dem Vormarsch. Laut einer neuen Untersuchung der IG Metall ist allein in ihrem Organisationsbereich jeder vierte Arbeitnehmer unter 30 Jahren in einem so genannten prekären Arbeitsverhältnis angestellt.

Hamburg - Nach Informationen des SPIEGEL hat die IG Metall, basierend auf einer aktuellen, von der Gewerkschaft in Auftrag gegebenen Studie, die Auseinandersetzung mit den wachsenden sozialen Unterschieden am Arbeitsmarkt begonnen. Demnach arbeiten immer weniger abhängig Beschäftigte in Deutschland noch in normalen Arbeitsverhältnissen. Betroffen sei vor allem der Nachwuchs - und das auch jenseits der akademisch geprägten "Generation Praktikum", die Zugang zum Arbeitsmarkt fast nur noch durch jahrelange lohnfreie Ausnutzungs-Beschäftigungen erhält.

Stahlarbeiter: Früher hoch bezahlte Facharbeiter, heute oft unterbezahlte "prekär Beschäftigte"
DPA

Stahlarbeiter: Früher hoch bezahlte Facharbeiter, heute oft unterbezahlte "prekär Beschäftigte"

Auch auf der Ebene handwerklicher und industrieller Berufe sei vieles im Fluss - und nicht zum Vorteil der Arbeitnehmer. Vielmehr verschärften Maßnahmen, die den Zugang zum Arbeitsmarkt eigentlich erleichtern und dessen Flexibilität erhöhen sollten die sozialen Unterschiede am Arbeitsmarkt.

So sei allein im Organisationsbereich der Metall-Gewerkschaft jeder vierte Arbeitnehmer unter 30 Jahren in einem so genannten prekären Arbeitsverhältnis angestellt. Fast 19 Prozent von ihnen verfügen lediglich über befristete Arbeitsverträge, knapp 6 Prozent sind als Leiharbeitnehmer tätig. Besonders im Osten Deutschlands sei Leiharbeit "das Exerzierfeld für eine Deregulierung der Normalarbeitsverhältnisse größten Ausmaßes", so der IG-Metall-Vize Berthold Huber. Auch die Zahl so genannter Minijobs sei sprunghaft angestiegen.

Gedacht waren sie als Zuverdienstmöglichkeit bis 400 Euro pro Monat vor allem in der Dienstleistungs- oder Gastronomiebranche. Inzwischen sind auch im Verarbeitenden Gewerbe 800.000 solcher geringfügig entlohnten Jobs entstanden.

Insgesamt existieren bundesweit 6,6 Millionen Minijobs, für 4,8 Millionen Menschen ist es die einzige Einkommensquelle aus Arbeit. Selbstkritisch konstatiert die IG Metall, dass sie bei der Organisation dieser Arbeitnehmer "im internationalen Bereich einen Rückstand" aufweise. Größtes Ziel und "strategische Herausforderung" sei es für die Interessenvertreter der Arbeitnehmer daher, die Einkommenskluft zwischen Stamm- und Randbelegschaft "möglichst klein zu halten".

Für die durch rapiden Mitgliederschwund gebeutelten deutschen Gewerkschaften könnte sich das neue Arbeitsmarkt-Elend als Chance erweisen. Für die Billiglohnarbeiter, denen die von Gewerkschaften erstrittenen Errungenschaften weitgehend vorenthalten bleiben, ließen sich die großen gewerkschaftlichen Schlachten der letzten hundert Jahre noch einmal schlagen.

pat

Diesen Artikel...

Aus Datenschutzgründen wird Ihre IP-Adresse nur dann gespeichert, wenn Sie angemeldeter und eingeloggter Facebook-Nutzer sind. Wenn Sie mehr zum Thema Datenschutz wissen wollen, klicken Sie auf das i.

Auf anderen Social Networks posten:

  • studiVZ meinVZ schülerVZ
  • deli.cio.us
  • Xing
  • Digg
  • Google Bookmarks
  • reddit
  • Windows Live

News verfolgen

HilfeLassen Sie sich mit kostenlosen Diensten auf dem Laufenden halten:

alles aus der Rubrik Wirtschaft

© SPIEGEL ONLINE 2006
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH









TOP



TOP