Washington - Dass die Konjunktur in der größten Volkswirtschaft der Welt schwächelt, könnte zu einem globalen Rückgang des Wirtschaftswachstums beitragen, fürchtet die Weltbank. In ihrem heute veröffentlichten Bericht "Global Economic Prospects" heißt es, die Entwicklung in den USA gebe Anlass zur Sorge. Die Krise auf dem Immobiliensektor könne schlimmstenfalls sogar zu einer Rezession in den Vereinigten Staaten führen. Dann seien auch negative Auswirkungen auf die Schwellenländer nicht ausgeschlossen.
Die Weltbank geht inzwischen davon aus, dass das weltweite Wachstum in diesem Jahr 5,1 Prozent betragen wird. 2007 werde es auf 4,5 Prozent zurückgehen, bevor es im Jahr darauf wieder auf 4,6 Prozent zulegen dürfte, schreiben die Experten. Dabei würden in den kommenden zwei Jahren vor allem die Schwellenländer die treibende Kraft der Weltwirtschaft sein, so Volkswirt Hans Timmer. Eine Beschleunigung in den Industriestaaten sei dagegen nicht zu erwarten.
Deutschland spielt im Lager der Industrieländer eine Sonderrolle: Die Chancen auf einen lang anhaltenden Konjunkturaufschwung sind hier nach Ansicht von Wirtschaftsexperten zuletzt erheblich gestiegen. Erst gestern hatte das Kieler Institut für Weltwirtschaft (IfW) seine Wachstumsprognose für das kommende Jahr kräftig von 1 auf 2,1 Prozent erhöht. Auch für 2008 wird ein spürbares Wirtschaftswachstum von 1,8 Prozent erwartet.
Das Zentrum für Europäische Wirtschaftsforschung (ZEW) berichtete ebenfalls über eine spürbare Aufhellung. Der aktuelle Wirtschaftsaufschwung gewinne an Breite und bilde inzwischen ein stabiles Fundament für das Jahr 2007, sagte Präsident Wolfgang Franz. Das ZEW-Stimmungsbarometer kletterte im Dezember im Vergleich zum Vormonat um 9,5 Punkte und liegt nun bei minus 19 Punkten. Zuvor war der monatliche Indikator, der aus der Befragung von 300 Finanzmarktexperten ermittelt wird, zehnmal in Folge gesunken.
Das Düsseldorfer Wirtschaftsforschungsinstitut IMK indes stellt sich dem allgemeinen Konjunkturoptimismus entgegen und sagt für 2007 eine Abschwächung des deutschen Aufschwungs voraus. Gebremst durch Zins- und Steuererhöhungen werde das Wachstum auf 1,3 Prozent zurückgehen, schrieben die Forscher in ihrer Prognose, wie die "Frankfurter Rundschau" berichtet. Das gewerkschaftsnahe Institut für Makroökonomie und Konjunkturforschung hält damit trotz zuletzt günstiger Konjunkturdaten an seiner bisherigen Einschätzung fest und begründet dies mit "erheblichen" Dämpfern durch die europäische Geldpolitik und die deutsche Finanzpolitik.
US-Wirtschaft: Notenbank hält Rezession für unwahrscheinlich
In den USA hatte gestern die Notenbank Fed den Leitzins wie erwartet unverändert gelassen und ihre Warnung vor Inflationsgefahren erneuert – auch dies steht im Zusammenhang mit der Abschwächung der weltgrößten Volkswirtschaft. Nach der Entscheidung liegt der Schlüsselzins in den USA weiter bei 5,25 Prozent. Die Fed hat damit ihren Schlüsselzins bei vier aufeinander folgenden Sitzungen nicht geändert. Sie hatte im August ihre zweijährige Serie von 17 Zinserhöhungen unterbrochen.
Trotz der zuletzt durchwachsenen Konjunkturindikatoren halten die Notenbanker aber auch in Zukunft ein moderates Wachstum der US-Wirtschaft für wahrscheinlich - sie fürchten also keinen Einbruch der Konjunktur, der eine Zinssenkung erfordern könnte. Die nach den Worten der Fed "erhebliche" Abkühlung am Immobilienmarkt hat das Wachstum der US-Wirtschaft in diesem Jahr deutlich abgebremst. Im dritten Vierteljahr nahm die Wirtschaftsleistung lediglich mit einer Jahresrate von 2,2 Prozent zu nach 2,6 Prozent im zweiten Quartal und 5,6 Prozent in den ersten drei Monaten des Jahres.
itz/Reuters/dpa
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