Wirtschaft



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19.12.2006
 

Einkommen

Steuern zehren Gehaltserhöhung auf

Die Konjunktur verbessert sich, die Einkommensteuer sinkt stetig. Dem Kieler Institut für Weltwirtschaft zufolge lohnt sich zusätzliche Arbeit jedoch kaum. Denn Steuern zehren Gehaltserhöhungen als Ausgleich für Preissteigerungen wieder auf.

Kiel - "Trotz der Einkommensteuersenkungen der Jahre 1999 bis 2005 ist die Steuerbelastung deutscher Arbeitnehmer weiterhin so hoch, dass sich zusätzliche Arbeitsanstrengungen kaum lohnen", sagte IfW-Steuerexperte Alfred Boss. Hauptgrund dafür sei der progressive Einkommensteuertarif. Dieses System führe dazu, dass inflationsbedingte Gehaltssteigerungen mit einem überproportionalen Anstieg der Steuerbelastung einhergehen.

So steige die Steuerbelastung eines ledigen Arbeitnehmers, dessen Monatsgehalt von 2900 Euro pro Jahr lediglich in Höhe der Inflationsrate von etwa 1,5 Prozent wächst, bis 2012 um fast 100 Euro, obwohl die Kaufkraft seines Bruttoeinkommens konstant bleibt, rechnete Boss vor.

Realeinkommen bleibt konstant, Steuerbelastung steigt

"Dies führt dazu, dass sich seine durchschnittliche Steuerbelastung bei konstantem Realeinkommen von 18,6 auf 19,9 Prozent erhöht. Steigen alle Löhne um 1,5 Prozent, so kann der Staat Jahr für Jahr Steuermehreinnahmen von 2,2 Milliarden Euro verbuchen."

Diese "heimlichen Steuererhöhungen" lassen sich nach Ansicht von Boss nur durch einen Index aller Eckwerte des Einkommensteuertarifs verhindern. "Dies bedeutet, dass alle pauschalen Abzugs- und Freibeträge sowie alle Stufen des Einkommensteuertarifs jährlich gemäß der allgemeinen Preisentwicklung angepasst werden müssen." Eine solche jährliche Anpassung der Eckwerte werde in vielen anderen Ländern wie etwa in den Vereinigten Staaten, Belgien, den Niederlanden, Kanada, Großbritannien und Griechenland seit langem durchgeführt, sagte Boss.

Die Nettoeinkommen der privaten Haushalte sind seit 1991 real um zwei Prozent gesunken, hatte das Statistische Bundesamt vor kurzem mitgeteilt. Die moderaten Lohnerhöhungen der vergangenen Jahre werden von ausländischen Investoren zwar als "deutsches Lohnwunder" gelobt und führen zu einer Verbesserung der Wettbewerbsfähigkeit. Doch die Verbraucher in Deutschland können sich statistisch gesehen heute weniger leisten als zu Beginn der neunziger Jahre.

tim/dpa/mm.de

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