Peking – Der Starbucks-Laden in der Nähe des Palastmuseums könnte verlegt werden, berichtet die Financial Times. Der Grund seien Online-Proteste, zu denen ein Blogger in einer patriotischen Polemik aufgerufen hatte.
Es ist nicht das erste Mal, dass sich ausländische Unternehmen einem erstarkenden chinesischen Nationalismus ausgesetzt sehen. Erst vor wenigen Tagen erklärten staatliche Medien, dass eine Fernsehwerbung für Wrigley's-Kaugummi, in der die chinesische Nationalhymne vorkommt, die "Würde des Landes" verletze. Die Verkaufszahlen in China seien daraufhin stark gefallen. Im Jahr 2004 hatte Peking einen Werbespot von Nike verboten, in dem ein US-Basketball-Star einen Kung-Fu-Meister und einen Drachen bekämpft und besiegt.
Vor allem im Internet formiert sich die chinesische Nationalbewegung. Die 123 Millionen User in dem Land können äußerst sensibel reagieren, wenn sie dazu aufgerufen werden – zum Beispiel von dem Fernsehmoderator Rui Chenggang. In seinem Blog-Appell gegen die Starbucks-Filiale in der Verbotenen Stadt schrieb er: "Das ist keine Globalisierung, sondern ein Missbrauch der chinesischen Kultur."
Bereits vor sechs Jahren, als Starbucks die Filiale eröffnete, wurde Widerstand laut, der aber schnell wieder abebbte. Warum die Welle nun wieder aufkam, ist unklar – zumal das amerikanische Kerditkartenunternehmen American Express mit seinem Sponsoring in der Verbotenen Stadt wesentlich präsenter ist als Starbucks. Im Gegenteil: Starbucks hat sich sogar bewusst zurückgehalten und auf jegliche Werbung an der Außenseite verzichtet.
Trotzdem zitierte die staatliche Nachrichtenagentur Xinhua gestern einen Museumssprecher, der erklärte, dass Starbucks im Rahmen einer größeren Renovierung herausgedrängt werden könnte. Dabei sprach er ausdrücklich von einer "Antwort auf die Proteste". Bis Juni solle nun eine gemeinsame Lösung mit Starbucks gefunden werden. Das US-Unternehmen selbst erklärte, man habe die Geschichte und Kultur der Verbotenen Stadt stets geschätzt und sich der Umgebung entsprechend respektvoll verhalten.
wal
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