Wirtschaft



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19.01.2007
 

Schadensbilanz

"Kyrill" kostet Milliarden

Zerbeulte Autos, umgeknickte Strommasten, zerstörte Häuser und Straßen: Allein diese "Kyrill"-Schäden kosten eine Milliarde Euro. Und die Endsumme wird nach ersten Schätzungen ein Vielfaches betragen - die Baubranche freut's.

Berlin/Köln/Hamburg - Das gesamte Ausmaß des Schadens dürfte aber noch deutlich höher liegen, da nicht alle Sturmfolgen versichert sind, teilte der Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV) heute in Berlin mit. "Wir haben Kyrill mit dem Sturmtief Jeannett aus dem Jahre 2002 verglichen", erklärte GDV-Sprecher Stephan Schweda. Da Kyrill höhere Windstärken erreicht habe, länger geblieben sei und sich zudem breitflächig ausgedehnt habe, gehen die Versicherer davon aus, dass er größere Schäden angerichtet hat.

Jeannett hatte die Assekuranzen mehr als 660 Millionen Euro allein in Deutschland gekostet. Ähnlich war es beim Orkan Lothar, der unvermittelt am zweiten Weihnachtsfeiertag 1999 über Teile Deutschlands, Frankreichs, der Schweiz, Belgiens und Österreichs hinweggefegt war und 110 Todesopfer forderte. Lothar hinterließ in Mitteleuropa Gesamtschäden in Höhe von 11,5 Milliarden Euro. In Deutschland mussten die Versicherer für Schäden im Wert von gut 650 Millionen Euro aufkommen.

Verbandssprecher Schweda riet allen Betroffenen, die Sturmschäden sofort der Versicherung zu melden, noch bevor etwa das Auto in die Werkstatt gefahren oder ein zerborstenes Fensterglas ausgetauscht wird. Ab Windstärke acht kommt die Gebäude-, Hausrat- oder Kaskoversicherung für die meisten Schäden auf. Bei solchen deutschlandweiten Ereignissen sei in der Regel auch kein Nachweis der Windstärke nötig.

Die Deutsche Bahn meldete insgesamt 450 Schadensfälle durch Kyrill. Dabei ging es vor allem um umgestürzte Bäume auf den Gleisen, zerstörte Oberleitungen und Stromausfälle auf Bahnhöfen. Die Schadenssumme könne aber noch nicht beziffert werden, teilte das Unternehmen mit.

Was die Versicherer und die Bahn viel Geld kostet, freut dagegen die Baumärkte. Nach den Schäden durch Kyrill erwartet die Branche einen regelrechten Kundenansturm. Es sei mit einem erhöhten Bedarf an Motorsägen, Bohrmaschinen sowie Baumaterialien aller Art zu rechnen, sagte der Geschäftsführer des Bundesverbands Deutscher Heimwerker-, Bau- und Gartenfachmärkte (BHB), John W. Herbert, heute in Köln nach einer Blitzumfrage unter den führenden deutschen Baumärkten. Es sei zu erwarten, dass die Verbraucher einfachere Schäden am Haus oder im Garten selbst beheben wollten und dazu "als erstes in die Baumärkte laufen".

Einen erhöhten Absatz werde es voraussichtlich auch für Zäune, Planen, Holz und Dachplatten geben. Damit wird dem BHB zufolge der Umsatzeinbruch vom Donnerstag, an dem wegen des Sturms kaum Kunden in die Märkte kamen, mehr als wettgemacht: "Wir werden ein bisschen profitieren", sagte Herbert.

Wirtschaft könnte profitieren

Auch für die Konjunktur könnte Kyrill – bei allen Problemen für die Betroffenen – positive Impulse haben. Denn die notwendigen Investitionen in den Wiederaufbau kurbeln die Wirtschaft an. Außerdem werden diese Investitionen bei der Berechnung des Bruttoinlandsprodukts berücksichtigt; Vermögensverluste hingegen bleiben selbst in Milliardenhöhe außen vor.

"Wenn Häuser oder wichtige Infrastruktur wie Straßen zerstört werden, dann wird umgehend wieder aufgebaut", sagt Volkswirt Sebastian Wanke von der DekaBank. Zur Schadensbehebung sind Privatpersonen, Firmen und der Staat zu Investitionen gezwungen. "Das kann der Wirtschaft Impulse geben", ergänzt Marco Bargel von der Postbank. Von Reparaturmaßnahmen profitieren besonders das Handwerk und die Bauwirtschaft.

Ähnlich war es nach dem Hochwasser im Jahr 2002. Nachgewiesen haben das die Forscher der Dresdner Niederlassung des Ifo-Instituts. Demnach hoben die enormen Investitionen nach der Flut das Bruttoinlandsprodukt des Freistaates Sachsen im selben Jahr und auch 2003 noch an.

Die teuersten Stürme in Europa seit 1980
Sturm Zeitraum Gesamtschaden in Milliarden Dollar versicherter Schaden in Milliarden Dollar Todesopfer
Lothar Dez 1999 11,5 5,9 110
Daria Jan 1990 6,85 5,1 94
87J Okt 1987 3,70 3,1 17
Martin Dez 1999 4,10 2,5 30
Erwin Jan 2005 5,80 2,5 18
Anatol Dez 1999 3,00 2,4 20
Vivian Feb 1990 3,20 2,1 52
Jeanett Okt 2002 2,60 1,7 37
Wiebke Feb 1990 2,26 1,3 64
Herta Feb 1990 1,95 1,3 30
Die Daten stammen von der Geo-Risiko-Forschungsabteilung der Münchener Rück, dem zweitgrößten Rückversicherer der Welt. Die angegebenen Zahlen sind nicht inflationsbereinigt, es handelt sich um die Originalwerte im Jahr des Schadenereignisses.

wal/AFP/dpa-AFX/Reuters

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