Berühmt geworden ist die Kontroverse zwischen Laurence J. Kotlikoff und Lawrence Summers (der später als Finanzminister in der Regierung Clinton und als Streit provozierender Harvard-Präsident berühmt wurde) auf der einen und dem Nobelpreisträger Franco Modigliani auf der andern Seite.
Kotlikoff/Summers errechneten für die USA, dass 80 Prozent des privaten Vermögens aus Vererbungsmotiven und nur 20 Prozent aus Vorsorgemotiven zu erklären sind. Modigliani demgegenüber schätzte, dass 80 Prozent des privaten Vermögens der eigenen Vorsorge und nur 20 Prozent der Vererbung dienen soll.
Annette Reil-Held vom MEA Mannheim kommt in ihrer Dissertation von 2002 für Deutschland zu Ergebnissen in der von Modigliani vermuteten Größenordnung, also einem eher schwachen Vermögens- und einem deutlich stärkeren Vorsorgemotiv. Allerdings vermutet sie, dass der "Wunsch, den Nachkommen nach dem Lebensende etwas zukommen zu lassen, jedoch für mehr als ein Drittel der Haushalte relevant zu sein scheint, vor allem in Verbindung mit Vorsorgemotiven."
Der große Mangel, der von Reil-Held verwendeten Daten liegt darin, dass ausgerechnet die wohlhabendsten Haushalte explizit nicht erfasst werden. Reil-Held kann jedoch zeigen, dass Erbschaften gerade bei der reichsten Bevölkerungsschicht eine große Rolle spielen.
Zur Frage, ob die Vermögensbildung bei Haushalten mit Kindern anders ist als in Haushalten ohne eigene Kinder, gibt eine vom MEA Mannheim im Dezember 2006 vorgelegte Studie erste Einblicke. Danach zeigt sich, dass für die befragten deutschen Haushalte das Vererbungsmotiv und die Ausbildung der Kinder oder Enkelkinder von allen Spargründen die unwichtigste Rolle spielen und das auch Haushalte mit Kindern dem Vererbungsmotiv keine herausgehobene Wichtigkeit beimessen.
Axel Börsch-Supan, Anette Reil-Held, Daniel Schunk: Das Sparverhalten deutscher Haushalte: Erste Erfahrungen mit der Riester-Rente. MEA Mannheim Discussion Paper 114-2006.
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