Hamburg - Es sei der Großaktionär DaimlerChrysler
gewesen, der bei den abschließenden Gesprächen am Wochenende seine Zustimmung verweigerte, schreibt die "Financial Times Deutschland" unter Berufung auf Branchenkreise. Dabei sei es um Einzelheiten des Baus des neuen Langstreckenjets A350 gegangen: Der Autobauer sehe die Gefahr, dass Frankreich zu große Teile der Rumpfproduktion an sich ziehen könnte.
Deshalb platzte dem Blatt zufolge die für heute geplante Vorstellung des Airbus-Sanierungsprogramms "Power8". Doch auch Co-Chef Thomas Enders war der "Süddeutschen Zeitung" zufolge alles andere als einverstanden mit den Vorschlägen seines französischen Gegenübers, Co-Chef Louis Gallois. Und sogar Aufsichtsräte, die den französischen Konzern Largardère zuzuordnen seien, seien der Meinung gewesen, dass "Gallois die Latte gerissen" hätte, heißt es dem Blatt zufolge in Aufsichtsratskreisen.
Neben dem Streit um die Lastenverteilung zwischen deutschen und französischen Werken und der Aufgabenverteilung für den Bau des A350 habe es im Aufsichtsrat aber auch Zweifel gegeben, ob Gallois Sparziele nicht zu niedrig angesetzt seien, heißt es in den Berichten weiter. Ob diese Zweifel von deutscher oder von französischer Seite geäußert wurden, geht aus dem Bericht jedoch nicht hervor. Die Verantwortlichen hätten vermeiden wollen, dass in kurzer Zeit erneut Sanierungsschritte eingeleitet werden müssten, heißt es lediglich.
Nun soll das Thema Airbus unter anderem bei dem Treffen zwischen Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) und dem französischen Staatspräsidenten Jacques Chirac diesen Freitag eine Rolle spielen. Geradezu grotesk erscheinen da die jüngsten Aussagen des französischen Finanzministers Thierry Breton, der jetzt zum Thema "Power8" erklärte: "Die Aktionäre werden darüber entscheiden, nicht die Regierungen." Jede "übertriebene Beeinflussung wäre kontraproduktiv".
Gallois drängelt - Enders zeigt sich gelassen
Gallois zeigte sich unterdessen recht ungehalten über die breite Ablehnung. "Wir brauchen sehr schnell eine Lösung, die nationale Angelegenheiten überwindet", erklärte er. "Airbus darf die Umsetzung von 'Power8' nicht länger verzögern. Ich habe Vorschläge gemacht, die ich aus industrieller und technologischer Sicht für gerecht halte. Und die unserem Ziel der Wettbewerbsfähigkeit dienen."
Sein Amtskollege Enders erklärte dagegen: "Qualität geht vor Schnelligkeit" - und wählte damit fast die gleichen Worte wie der niedersächsische Ministerpräsident Christian Wulff (CDU), der erleichtert noch hinzufügte, es dürfe keinen "Schnellschuss" geben. Die deutschen Standorte müssten "mittel- und langfristig" nicht nur an den Modellen A320 und A380 beteiligt sein, sondern in angemessener Weise auch am geplanten Langstreckenflugzeug A350.
Niedersachsen wäre nach bisherigem Stand besonders hart von "Power8" betroffen: Die Werke Nordenham und Varel gelten als Verkaufs-Kandidaten, auch die Zukunft des Werks in Buxtehude ist unsicher. Der Standort Stade wiederum macht sich große Hoffnungen, künftig die Rolle bei der Entwicklung für Kohlefaserverbundwerkstoffe zu spielen, die als Zukunftsmaterial im Flugzeugbau gelten – doch auch Frankreich und Spanien würden diese Technologiekompetenz gern im eigenen Land konzentrieren.
Auch Bundeswirtschaftsminister Michael Glos (CSU) begrüßte das "vorsichtige Vorgehen", bei dem die Betroffenen einbezogen würden. " Man muss die Zukunftsfähigkeit des Unternehmens und der einzelnen Produktionsstandorte langfristig im Auge haben", sagte Glos in Brüssel. Offensichtlich hätten die Verantwortlichen "intern" noch keine für die beteiligten Länder tragfähige Verständigung erzielen können. "Das ist kein Unglück."
Zankapfel A350
Die erneuten Verwerfungen zeigen: Es geht bei der EADS
Zum Zankapfel ist nun also unter anderem der neue Hoffnungsträger A350 XWB geworden. Die Maschine soll mit dem Dreamliner 787 von Boeing
konkurrieren, einen Zukunftsmarkt für Airbus erschließen und zugleich als Modell für die künftige Fertigung dienen.
Betriebsratsangaben zufolge hatte Gallois ursprünglich versichert, dass der deutsche Anteil am A350 rund 35 Prozent betragen soll. "Doch wir befürchten, dass netto nur zehn Prozent der Arbeit in deutschen Airbus-Werken erledigt werden sollen", warnte der Gesamtbetriebsratsvorsitzende von Airbus-Deutschland, Rüdiger Lütjen. Größere Teile der A350-Fertigung sollen erstmals nach China und Russland gegeben werden.
ase/Dow Jones/ddp
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