Frankfurt am Main - Die beiden Türme sollen auf dem früheren Großmarktgelände im Frankfurter Ostend entstehen, wie die Europäische Zentralbank (EZB) heute mitteilte. Bis zu 2.300 Menschen sollen in dem neuen Hauptsitz arbeiten. Der Umzug ist für das Jahr 2012 geplant. Die Baukosten werden mit einer halben Milliarde Euro veranschlagt.
Die EZB ist zurzeit im Eurotower im Bankenviertel, aber auch in anderen Gebäuden in der Frankfurter Innenstadt untergebracht. An dem 2003 gestarteten Architekten-Wettbewerb hatten sich 80 Büros aus aller Welt beworben. Den Zuschlag erhielt schließlich das Wiener Büro "coop Himmelb(l)au" des Architekten Wolf Prix.
Seine Planungen hatten in Frankfurt eine heftige Kontroverse über den Umgang mit der knapp 80 Jahre alten denkmalgeschützten Großmarkthalle ausgelöst. Prix' Entwurf sieht vor, das 220 Meter lange Denkmal am Mainufer aus dem Jahr 1928 im Zuge des Neubaus stark zu verändern. So ist der Abriss der zwei Annexgebäude im Osten und Westen der Halle geplant. Außerdem soll der neue Eingangsbereich das Denkmal an der Stelle durchschneiden, an der es im Zweiten Weltkrieg zerstört wurde.
Die Bank will sich zum Rest der Welt öffnen
Im historischen Großmarkt sollen nun ein Besucherzentrum, eine Bibliothek, Konferenzräume und Büros untergebracht werden. "Dies hat symbolische Bedeutung: Die Bank will sich zum Rest der Welt öffnen", sagte Lorenzo Bini Smaghi, Mitglied im Direktorium der Europäischen Zentralbank. So soll zwischen den Türmen ein Atrium entstehen, das visuellen Kontakt zum Frankfurter Stadtzentrum mit der Skyline des Bankenviertels herstellt. "Unsere Zentrale wird nicht das höchste Gebäude in Frankfurt sein, aber ein sehr signifikantes", sagte Bini Smaghi.
Die Erben von Großmarkt-Erbauer Martin Elsaesser hatten bis zuletzt scharf gegen die Umbau-Pläne protestiert und auf das Urheberrecht Elsaessers gepocht. Aus Sicherheitsgründen bestand die Europäische Zentralbank jedoch auf den Abriss der eigentlich geschützten Annexgebäude: "Sie stehen sehr nah an der Straße und wären nur schwer gegen Autos zu schützen gewesen", sagte EZB-Direktor Bini Smaghi. Die Sorge galt vor allem terroristischen Anschlägen.
Nun will sich die Bank nicht mit Mauern, sondern mit Gräben und natürlichen Hindernissen vor möglichen Attentaten schützen: "Wir wollen nicht in einer Festung arbeiten", sagte Bini Smaghi. Das hessische Landesamt für Denkmalpflege folgte dieser Argumentation. Nach monatelangem Widerstand lenkte die Behörde gestern ein und machte damit den Weg für den EZB-Neubau frei.
wal/AP
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