Paris - Arnaud Lagardère ist Aufsichtsratschef des Airbus-Mutterkonzerns EADS
. In dieser Position werde er bei den Airbus-Sanierungsverhandlungen eine harte Position zu Gunsten der französischen Seite einnehmen, kündigte er heute an. "Was mich betrifft und den französischen Staat, den ich vertrete, so werden wir die französischen Airbus-Interessen kompromisslos verteidigen", sagte Lagardère der französischen Tagezeitung "Le Monde".
Der französische Staat und der ebenfalls französische Rüstungskonzern Lagardère halten 22,5 Prozent der Anteile an EADS. Der Konzern hatte die Bekanntgabe des für heute erwarteten Airbus-Sanierungsprogramm "Power8" wegen strittiger Fragen zwischen den beteiligten Ländern verschoben.
Gleichzeitig betonte Lagardère, dass er zusammen mit seinem deutschen Kollegen Manfred Bischoff alles tun werde, damit sich der Konflikt zwischen beiden Ländern nicht weiter verschärfe. Er wies Spekulationen in den Medien zurück, dass einzelne EADS-Anteilseigner dem Konzernchef Louis Gallois ihr Vertrauen entzogen hätten. "Was mich angeht und den Staat, den ich vertrete, hat er meine vollständige Unterstützung", sagte der Co-Chairman.
Frankreichs Premier Dominique de Villepin hatte heute Morgen eine Nachrichtenbombe platzen lassen: 10.000 Stellen würden bei Airbus gestrichen. Bundesregierung und EADS-Co-Chef Enders zeigten sich darauf hin überrascht. Die Diskussion verlaufe zwar dramatisch, aber noch sei nichts entschieden, hieß es.
"Nach Kenntnis der Bundesregierung sind von der Spitze des europäischen Gemeinschaftsunternehmens noch keine konkreten abschließenden Entscheidungen getroffen worden", sagte der stellvertretende Regierungssprecher Thomas Steg. Alle Berichte über den Umfang des Jobabbaus bei Airbus und Angaben über die Verteilung auf die Standorte des Unternehmens beruhten auf Spekulationen.
Damit bezog sich der Regierungssprecher auch auf Berichte aus der "Bild"-Zeitung, wonach in Hamburg weniger als 1000 von 12.000 Stellen gestrichen und die Werke in Nordenham und Varel verkauft werden sollen. Die jetzt anstehenden Entscheidungen lägen in den Händen des EADS-Managements, sagte Steg. Auch der niedersächsische Ministerpräsident Christian Wulff (CDU) wies Villepins Äußerungen als "Spekulation" zurück. Ihm lägen "ganz andere Zahlen vor". Details wollte Wulff aber nicht nennen.
Die IG-Metall zeigte sich über Villepins Vorstoß empört: "Wir halten es für unerträglich, dass sich nun auch die Politik an Gerüchten beteiligt", sagte der Sprecher der IG Metall Küste, Daniel Friedrich. Die Arbeitnehmerseite erwarte von Airbus, dass nun endlich ein Gesamtkonzept vorgelegt werde. Dann könne die Gewerkschaft auch ein Urteil über die Pläne abgeben.
"Ich habe den Eindruck, das Management ist überfordert"
EADS selbst hingegen besteht darauf, dass noch keine Entscheidung gefallen sei. "Da weiß Villepin mehr als ich", erklärte der deutsche EADS-Co-Chef Thomas Enders. Die Diskussion sei von Dramatik geprägt, man müsse besonnener mit dem Thema umgehen.
Die Kritik am EADS-Management wies Enders zurück. Manchmal sei einfach ein zweiter Anlauf nötig, um Entscheidungen zu treffen. EADS müsse "ein großes Rad drehen, um Airbus wieder wettbewerbsfähig zu machen", und um dies zu erreichen, müsse ein "akzeptables Ganzes" entstehen. Die niedersächsische SPD hatte zuvor die Verschiebung der Präsentation von "Power8" moniert: "Die Beschäftigten in so einen Schwebezustand zu versetzen, ist verantwortungslos", sagte der Chef der niedersächsischen SPD, Garrelt Duin, der "Neuen Presse". "Ich habe den Eindruck, dass das Management überfordert ist."
Nun wird weiter spekuliert, wie hart die deutschen Standorte von dem Sanierungsplan betroffen sein werden. In dem "Bild"-Bericht hieß es, dass die Produktion des Super-Airbus A380 zum Teil in der Hansestadt bleiben solle. Dies sei ebenso wie der Verkauf der niedersächsischen Werke Nordenham und Varel sowie des nordfranzösischen Werks Méaulte als Teil des Sanierungsplans am Sonntag vom Mutterkonzern EADS gebilligt worden. In den deutschen Werken werde die Arbeitszeit ohne Lohnausgleich von 37,5 auf 40 Wochenstunden verlängert.

Villepin zufolge soll das Thema Airbus nun auch Thema beim Treffen des französischen Staatspräsidenten Jacques Chirac und der Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) sein. Villepin sagte, der Airbus-Sparplan sei ein Thema, das "wir auf höchster Ebene behandeln wollen". Er habe "lange" mit Airbus-Chef Louis Gallois telefoniert und Bundeskanzlerin Merkel angerufen.
Der Streit zwischen deutschen und französischen Interessen reicht bis in dass EADS-Management hinein: Enders ging öffentlich auf Distanz zu Gallois' Vorschlägen. "Schmerzhafte Einschnitte" seien unausweichlich, sagte Enders einem EADS-Sprecher zufolge. Dabei gehe aber "Qualität vor Geschwindigkeit". Nicht nur die Lasten, sondern auch Zunkunftschancen und Kompetenzen müssten gerecht verteilt werden.
Angaben der "Süddeutschen Zeitung" zufolge lehnte Enders mit dieser Begründung auch bei der EADS-Sitzung am Sonntag den Plan seines Amtskollegen Gallois ab. Das Pariser Wirtschaftsblatt "Les Echos" schrieb von einem "deutschen Veto". An EADS halten der französische Staat und die Industriegruppe Lagardère einerseits und DaimlerChrysler sowie ein Konsortium um Banken und deutsche Bundesländer andererseits jeweils 22,5 Prozent.
wal/asedpa/Dow Jones/AFP
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