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7000er-Marke "Bis zum Dax-Rekord ist es nicht mehr weit"

Der Dax hat die 7000er-Marke geknackt - die Börse brummt wie seit sechs Jahren nicht mehr. Jetzt geht es weiter in Richtung 7400 Punkte, sagt Holger Boschke, Chef-Anlagestratege der Dresdner Bank.

SPIEGEL ONLINE: Wie wichtig ist die Marke von 7000 Punkten?

Boschke: Die runde Zahl hat vor allem einen psychologischen Wert: Sie lenkt die Aufmerksamkeit auf den Markt.

SPIEGEL ONLINE: Was ist heute anders als im Boom-und-Crash-Jahr 2000?

Anlagestratege Holger Boschke: "Das wirtschaftliche Umfeld ist solide"

Anlagestratege Holger Boschke: "Das wirtschaftliche Umfeld ist solide"

Boschke: Die fundamentalen Daten sind viel besser. Das Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV) ist vergleichsweise günstig, die Zinsen sind niedrig, und in der Regel kann man mit einer höheren Dividendenrendite rechnen. Im Jahr 2000 haben nur einzelne Firmen die Indizes nach oben getrieben, heute ist der Aufschwung breiter angelegt. Auch psychologisch ist die Lage heute anders: Bei den Anlegern herrscht kein irrationaler Überschwang.

SPIEGEL ONLINE: Kann der Dax Chart zeigen noch weiter steigen?

Boschke: Das wirtschaftliche Umfeld in Deutschland ist solide, auch die Weltkonjunktur läuft besser als erwartet, und viele Unternehmen sind immer noch relativ günstig bewertet. Das lässt weitere Kursgewinne erwarten. Ein paar Prozent dürften es in diesem Jahr wohl noch werden. Wir betrachten ein Dax-Niveau von 7400 Punkten als fair.

SPIEGEL ONLINE: Werden Anleger jetzt nicht Gewinne mitnehmen und verkaufen?

Boschke: Das erwarten wir nicht. Natürlich gibt es Investoren, die im Jahr 2000 auf hohem Niveau gekauft haben, dann Verluste erlitten haben und jetzt bei steigenden Kursen froh sind, durch einen Verkauf auf Null rauszukommen. Aber die 7000 Punkte lösen diesen Effekt nicht aus. Die großen Käufe im Jahr 2000 fanden eher in einer breiten Zone zwischen 6700 und 7500 Punkten statt.

SPIEGEL ONLINE: Sind die Anleger heute risikobewusster als damals?

Boschke: In der Tat agieren viele sehr vorsichtig, es gibt eine gesunde Skepsis. Natürlich schauen einige jetzt wieder in ihr Depot, um zu sehen, wie ihre Aktien stehen - aber das heißt nicht zwangsläufig, dass sie verkaufen. Es würde uns wundern, wenn die Angst vor Risiken noch weiter wachsen sollte.

SPIEGEL ONLINE: Ist nicht langsam der Punkt erreicht, an dem nur noch die zu spät gekommenen Dummen kaufen?

Entwicklung des Dax (klicken Sie für alle Jahre seit 1997): Nach dem Platzen der New-Economy-Blase stand das Börsenbarometer im Frühjahr 2003 bei nur 2203 Punkten
SPIEGEL ONLINE

Entwicklung des Dax (klicken Sie für alle Jahre seit 1997): Nach dem Platzen der New-Economy-Blase stand das Börsenbarometer im Frühjahr 2003 bei nur 2203 Punkten

Boschke: Man sagt ja, dass der Absturz naht, wenn auf einmal jeder Laie Aktientipps gibt. Im Ernst: Ein Warnsignal sind die Mittelzuflüsse in Aktienfonds und das Anschwellen spekulativer Konstruktionen. Aber das Problem haben wir derzeit nicht.

SPIEGEL ONLINE: Wann erreicht der Dax ein neues Rekordhoch?

Boschke: Bis zum Rekord von 8136 Punkten ist es ja nicht mehr weit. Rein statistisch ist der Dax seit 1960 jährlich um sieben Prozent gestiegen. Wenn man das fortführt, könnten wir schon 2009 ein neues Rekordhoch haben. Aber natürlich gibt es Risiken. Steigende Rohstoffpreise oder ein unerwarteter Konjunktureinbruch könnten das Bild schnell verdüstern.

SPIEGEL ONLINE: Welche Dax-Werte werden am Ende des Jahres die Gewinner und Verlierer sein?

Boschke: Titel wie Adidas Chart zeigen, Hypo Real Estate Chart zeigen, Deutsche Post Chart zeigen, TUI Chart zeigen, Siemens Chart zeigen und SAP Chart zeigen stehen auf unserer Empfehlungsliste. Weniger Chancen sehen wir im Vergleich zum restlichen Markt bei Volkswagen Chart zeigen, E.on Chart zeigen, Münchener Rück Chart zeigen, Postbank Chart zeigen, Deutsche Bank Chart zeigenund Metro Chart zeigen.

Das Interview führte Anselm Waldermann

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