Berlin – 41,9 bezahlte Überstunden pro Jahr und Arbeitnehmer in Deutschland - so sah der statistische Durchschnittswert im Aufschwungsjahr 2006 aus. Die Zahl der bezahlten Überstunden ist damit zum ersten Mal seit 2001 wieder gestiegen. Insgesamt leisteten die Arbeitnehmer 1,45 Milliarden Überstunden, nach 1,43 Milliarden im Vorjahr, berichtet die "Welt" unter Berufung auf die Berechnungen des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung der Bundesagentur für Arbeit.
Hauptgrund für den Anstieg sei die anziehende Konjunktur im zweiten Halbjahr 2006. Unternehmen versuchten in Phasen einer anziehenden Konjunktur häufig, die gestiegenen Auftragseingänge mit Überstunden abzufangen, bevor sie mehr Personal einstellen.
Laut Statistik der Arbeitsmarktbehörde sei die Zahl der bezahlten Überstunden im Westen in den vergangenen Jahrzehnten deutlich zurückgegangen. Im Jahr 2000 machte demnach jeder Beschäftigte noch 47,9 Überstunden, in den sechziger und siebziger Jahren waren es pro Jahr sogar häufig mehr als 100 Überstunden. Seit den achtziger Jahren pendele der Überstundenanteil am gesamtwirtschaftlichen Arbeitsvolumen um die Vier-Prozent-Marke.
Die Gründe für diese Entwicklung sind vielfältig. So waren die Wachstumsraten in den sechziger und siebziger Jahren im Durchschnitt deutlich höher als in den vergangenen Jahrzehnten. Hinzu kamen Strukturveränderungen am Arbeitsmarkt: Die Beschäftigungsanteile von Gruppen mit traditionell wenigen Überstunden - wie Frauen und Teilzeitbeschäftigte nahmen zu. Ein dritter Grund sind die flexibleren Arbeitszeiten: Überstunden werden immer seltener ausbezahlt, sondern auf Arbeitszeitkonten verbucht und anschließend in Freizeit ausgeglichen.
itz/AP/ddp/dpa
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