Berlin - Er ist das Rückgrat der deutschen Wirtschaft - und es geht ihm so gut wie lange nicht mehr. Der deutsche Mittelstand erlebt einen so stabilen Aufschwung wie seit Jahren nicht: Das zeigt das "Mittelstandsbarometer 2007", das die Universität Paderborn im Auftrag der Wirtschaftsprüfungsgesellschaft Ernst & Young erstellt hat.
An der Großumfrage beteiligten sich rund 3000 Firmen. Die zentralen Ergebnisse: 60 Prozent der Unternehmen erwarten, dass sich die Geschäftslage verbessert - vor einem Jahr waren es nur 40 Prozent. Nur 12 Prozent gehen von einer Verschlechterung aus. Am optimistischsten sind die Nordrhein-Westfalen (66 Prozent), am pessimistischsten die Bremer (41 Prozent).
89 Prozent sehen schon die aktuelle Lage als gut oder zufriedenstellend - gegenüber 83 Prozent im Vorjahr. Die besten Aussichten gibt es in Nordrhein-Westfalen, Hamburg und im Saarland, aber auch die Kluft zwischen Ost (87 Prozent) und West (89 Prozent) ist kleiner geworden.
Die Gesamtkonjunktur in Deutschland wird sich aus Sicht von 73 Prozent der Unternehmen verbessern - nur 7 Prozent erwarten eine Verschlechterung.
"Der Aufschwung hat sich im Mittelstand gefestigt", sagt Peter Englisch, Mittelstandsexperte von Ernst & Young. "Die Stimmung in der Wirtschaft könnte kaum besser sein. Zuversicht und Optimismus sind zurückgekehrt."
Vor allem die großen Mittelständler wollen der Studie zufolge in diesem Jahr neue Jobs schaffen:
Im Durchschnitt sind das 35 Prozent - während 25 Prozent der Unternehmen planen, Mitarbeiter zu entlassen. Deshalb erwarten die Autoren der Studie für dieses Jahr per Saldo mehr Beschäftigte im Mittelstand. Bei den geplanten Neueinstellungen gebe es kaum noch einen Unterschied zwischen West (35 Prozent) und Ost (34 Prozent).
Ein Problem sei der Mangel an Fachkräften, sagt Experte Englisch: "Viele Unternehmen suchen derzeit händeringend nach qualifizierten und vor allem motivierten Arbeitskräften." Es sei höchste Zeit, "die Arbeitskraft und Qualifikation älterer Menschen nicht länger brachliegen" zu lassen.
Der Chef des mittelständischen Hemdenherstellers Olymp bestätigte diese Entwicklung. Es sei weiter sehr schwer, Fachpersonal zum Beispiel in der Bekleidungsbranche zu finden, sagte Mark Bezner in einem Gespräch mit der Nachrichtenagentur dpa. "Da ist ein richtiger Kampf um gute Leute ausgebrochen." Bezner kündigte an, dass Olymp die Zahl der Mitarbeiter um knapp zehn Prozent aufstocken werde.
Die Befragung durch ein Institut der Universität Paderborn fand im Januar statt. Je nach Größe des Bundeslandes wurden regional zwischen 128 (Saarland) und 395 (Nordrhein-Westfalen) Firmen befragt - 45 Prozent im Bereich Dienstleistung, 28 Prozent im Handel, 15 Prozent im Bau und 12 Prozent in Industrie und verarbeitendem Gewerbe.
plö/dpa
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