Hamburg/Frankfurt am Main - Unmittelbar vor Beginn der Tarifverhandlungen in Nordrhein-Westfalen kündigen die Metall-Arbeitgeber ein höheres Lohnangebot als im Vorjahr an. "Damals haben wir uns nicht besonders geschickt verhalten", sagte der Verhandlungsführer der Arbeitgeber in Nordrhein-Westfalen, Horst-Werner Maier-Hunke, der "Frankfurter Rundschau". Im vorigen Jahr hatten die Arbeitgeber zunächst 1,2 Prozent mehr Geld angeboten, mussten dann aber einem Abschluss von 3,0 Prozent zustimmen.
Um die Verhandlungen zu beschleunigen, erwägen die Arbeitgeber diesmal eine deutlich höhere Offerte. Es könne sein, dass sie bei mehr als zwei Prozent liegen werde, sagte Maier-Hunke. Die Gewerkschaft IG Metall fordert 6,5 Prozent mehr Lohn und Gehalt, die Arbeitgeber verlangen einen Abschluss von 2006.
Mit dem Angebot der Arbeitgeber ist heute aber noch nicht zu rechnen. Die IG Metall hatte Ende Februar angedroht, zu Streiks aufzurufen, falls es bis Ende April keine Einigung gibt.
Der Europa-Chefvolkswirt der Bank of America, Holger Schmieding, empfahl der Metall- und Elektroindustrie in der "Financial Times Deutschland" eine Einigung nahe des Abschlusses in der Chemieindustrie aus der vergangenen Woche. Andernfalls seien Arbeitsplätze gefährdet. Die Tarifparteien in der Chemie hatten sich am Donnerstag auf 4,3 Prozent höhere Zahlungen über 14 Monate geeinigt. Darin sind 3,6 Prozent Lohnerhöhung sowie Einmalzahlungen in Höhe von 0,7 Prozent enthalten.
Vorbild Chemiebranche
"Der Tarifabschluss in der Chemiebranche ist ein Sieg der Vernunft. Er ist tragbar, ohne die Konjunktur und die Preisstabilität zu gefährden", sagte Schmieding. Sollte die IG Metall auf einem deutlich höheren Abschluss als in der Chemie beharren, werde es bei der nächsten Konjunkturabkühlung zu einem kräftigen Arbeitsplatzabbau kommen. Bei einer effektiven Jahresbelastung von vier Prozent im Jahr sieht Schmieding die Obergrenze für die Metall-Arbeitgeber.
Sollte es in der Metall-Industrie zu einem Streik kommen, gehe davon keine Gefahr für die Konjunktur aus, sagte Schmieding. "Die Erfahrung zeigt, dass Unternehmen die verpasste Produktion schnell wieder aufholen", sagte er. Schmieding erwartet, dass die real verfügbaren Einkommen bis Ende des Jahres um rund zwei Prozent im Vergleich zum Vorjahr zulegen. Damit könne eine spürbare Konusmausweitung nach der Zurückhaltung wegen der Mehrwertsteuererhöhung finanziert werden.
itz/ddp/Reuters
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