Wirtschaft



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19.03.2007
 

Jubiläums-Umfrage

Die EU ist schlecht, ohne EU wäre alles noch viel schlechter

Die Europäer haben ein gespaltenes Verhältnis zu ihrer Union: In einer Umfrage machten 44 Prozent die EU für die Verschlechterung ihrer Lebensverhältnisse verantwortlich. Zugleich findet die Mehrheit aber auch: Ohne den Staatenbund ginge es noch viel schlechter.

Hamburg - Dieses Ergebnis dürfte die Jubiläumsfreude ordentlich dämpfen: Die EU hat einen miserablen Ruf bei ihren Bürgern. 50 Jahre nach der Unterzeichnung der Römischen Verträge erklärte die Mehrheit in den fünf größten Mitgliedstaaten bei einer Umfrage der "Financial Times", die Lebensumstände hätten sich seit der Gründung der Gemeinschaft verschlechtert.

Bundeskanzlerin Angela Merkel im Europaparlament: "Berliner Erklärung" soll neuen Schwung in die Gemeinschaft bringen
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Bundeskanzlerin Angela Merkel im Europaparlament: "Berliner Erklärung" soll neuen Schwung in die Gemeinschaft bringen

Die einzige Ausnahme: Spanien. Dort war eine Mehrheit von über 50 Prozent der Ansicht, dass die Gemeinschaft vor allem Gutes gebracht habe. Nur 22 Prozent erklärten, eine Verschlechterung der Verhältnisse zu verspüren. Die gute Bewertung verwundert wenig: Immerhin ging es in Spanien seit dem EU-Beitritt 1986 wirtschaftlich so steil bergauf, wie in nur wenigen Mitgliedstaaten. Besonders mies fiel dagegen das Fazit der Briten aus: Dort lautete die Antwort auf die Frage nach der Entwicklung der Lebensumstände bei 52 Prozent: Es wurde schlechter.

Umso überraschender ist dagegen die Antwort der Bürger in Frankreich, England, Italien, Spanien und Deutschland, ob ihre Staaten denn ohne die EU besser dran wären. Denn auch da antwortete ein Großteil der Befragten - insgesamt 40 Prozent - mit Nein. Nur 22 Prozent glaubten dagegen, dass ein Ausstieg aus der Union helfen würde.

Auch scheint eine Mehrheit der Bürger der Gemeinschaft durchaus noch mehr zuzutrauen. So erklärten 72 Prozent, sie wären dafür, dass die EU mehr beim Thema Umweltschutz unternimmt. Andere Bereiche, in denen sich die Bürger mehr gemeinschaftliches Engagement wünschten, waren der Energiebereich (69 Prozent), der Kampf gegen Kriminalität (67 Prozent) und die Sicherheit (64 Prozent). Allerdings unterstützen nur 38 Prozent die Idee einer EU-Armee, während 39 Prozent sie ablehnten.

Kohl ist der bekannteste Europäer

Selbst die Europäische Verfassung, die nach dem verheerenden Ausgang der Referenden in den Niederlanden und Frankreich schon von vielen totgeredet wurde, hat bei den Bürgern noch Chancen. Immerhin rund 35 Prozent glauben, die EU-Verfassung könnte sich positiv auf Europa auswirken. Nur 27 Prozent gehen vom Gegenteil aus - allerdings äußerten sich rund 48 Prozent der Briten ablehnend zur Gemeinschafts-Verfassung. Insofern wird es Bundeskanzlerin Merkel zumindest schwer haben: Sie will mit ihrer "Berliner Erklärung" das Projekt einer gemeinsamen Verfassung neu starten. Die aber braucht ein Ja in allen Staaten.

Bisher ist der erste Gedanke, der EU-Bürgern zur Gemeinschaft in den Kopf kommt, der gemeinsame Markt, wie 31 Prozent der Befragten erklärten. Rund 20 Prozent nannten als erste Assoziation allerdings die überbordende Bürokratie in der Gemeinschaft.

Die Person, die am meisten mit dem Aufbau der Gemeinschaft verbunden wird, ist der deutsche Ex-Bundeskanzler Helmut Kohl. Er wurde noch häufiger genannt als sein französischer Kollege und Freund Francois Mitterand oder Großbritanniens eiserne Lady Margaret Thatcher. Allerdings gilt Deutschland deshalb längst noch nicht als mächtigstes Land der Gemeinschaft: Auf die Frage nach dem einflussreichsten EU-Land nannten nur 25 Prozent die Bundesrepublik, 41 Prozent dagegen Großbritannien. Nur 15 Prozent der Befragten galt Frankreich als wichtigster EU-Staat.

US-Bürger, die bei der Untersuchung zum Teil ebenfalls zum Thema EU befragt wurden, nannten zu 53 Prozent Großbritannien als wichtigstes EU-Land. Nur neun Prozent hielten Deutschland für das wichtigste EU-Land, und sechs Prozent der US-Bürger nannten Frankreich als wichtigstes EU-Land.

ase

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