Berlin - Zur Sicherung der deutschen Rohstoffversorgung sei eine enge, strategische Zusammenarbeit zwischen Politik und Wirtschaft nötig, sagte der Präsident des Bundesverbands der deutschen Industrie (BDI), Jürgen Thumann, auf einem Rohstoffkongress seines Verbandes in Berlin. Es gehe um eine kluge, vorausschauende Politik, die die Bedürfnisse der hier tätigen Unternehmen im Blick habe.
In den vergangenen Jahren hatten sich zahlreiche Rohstoffe rapide verteuert. Vor allem die Nachfrage aus China ließ die Preise steigen. Der BDI will deshalb mit seinem Rohstoffkongress auf die Lage der deutschen Industrie hinweisen, die in hohem Maße von Rohstoffimporten aus dem Ausland abhängig ist.
Die Bundesregierung sagte der Industrie ihre Unterstützung zu. Im Zuge einer langfristigen Rohstoffstrategie werde man die Kräfte innerhalb der Bundesregierung bündeln und ein Ressort übergreifendes Gremium schaffen, kündigte Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) an. Dem "interministeriellen Rohstoffausschuss" sollen die Ministerien für Wirtschaft, Auswärtiges, Finanzen, Entwicklungshilfe, Agrar und Verbraucher sowie Umwelt angehören. Staat und Wirtschaft müssten künftig eng kooperieren, sagte die Kanzlerin.
Die neue Rohstoffstrategie ist Merkel zufolge wegen der Konkurrenz anderer Staaten erforderlich. Andere Länder hätten sich bestimmte Rohstoffreserven bereits gesichert, "und das für ziemlich lange Zeit". Im Rahmen der Strategie wird unter anderem bis zum Jahr 2009 fast eine halbe Milliarde Euro zur Erforschung neuer Werkstoffe veranschlagt. So soll die Rohstoffeffizienz hierzulande steigen und damit die Nachfrage nach Rohstoffen sinken. Bei Investitionen zur Rohstoffgewinnung im Ausland will die Regierung zudem Garantien geben, um Risiken abzusichern. Das Volumen dieser Investitionsgarantien sei auf 17 Milliarden Euro gestiegen.
Gleichzeitig ermunterte Merkel die deutschen Unternehmen zur Übernahme ausländischer Bergbaukonzerne. Eine Beteiligung oder ein Kauf könnte durchaus ein Beitrag sein, um Bezugsquellen zu sichern und sich global aufzustellen, sagte Merkel auf dem BDI-Rohstoffkongress. Diese marktwirtschaftlichen Strategien könnten zudem eine Alternative zu solchen Ländern sein, in denen die Staatsaktivitäten sehr viel stärker ausgeprägt seien als in Deutschland. Damit spielte Merkel auf China an, dessen Regierung sich aktiv um die Beschaffung von Rohstoffen, zum Beispiel aus Afrika, kümmert.
BDI-Präsident Thumann unterstrich, ohne Sicherheit bei der Versorgung mit Industrierohstoffen, vor allem metallischen Rohstoffen, nehme der Standort Deutschland Schaden. Er forderte, die Diskussion um Importabhängigkeiten nicht nur auf Öl und Gas zu beziehen. Auch bei vielen metallischen Rohstoffen sei Deutschland zu 100 Prozent importabhängig.
Angesichts der hohen Nachfrage, gerade auch von Schwellenländern wie China, werde sich die angespannte Lage an den Rohstoffmärkten nicht lockern.
wal/Reuters/dpa/ddp/AP
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