Stuttgart - "Der Vorstand der Porsche AG hat heute eine Option auf Erwerb von 3,6 Prozent Stammaktien der Volkswagen AG ausgeübt", teilte Porsche heute in Stuttgart mit. Damit wird sich die Beteiligung auf mehr als 30 Prozent erhöhen; mit Überschreiten dieser Schwelle muss Porsche ein Übernahmeangebot vorlegen.
Welche Ziele die Stuttgarter konkret damit verfolgen, kann derzeit nur vermutet werden. Nach eigenen Angaben strebt Porsche derzeit aber keine komplette Übernahme von Europas größtem Autobauer an. "Ob, wann und zu welchen Konditionen" weitere Zukäufe erfolgen, stehe "gegenwärtig noch nicht fest". Die Grundlage dafür haben Porsche und der machthungrige Ferdinand Piëch nun aber geschaffen.
Porsche will im Rahmen des Pflichtangebots lediglich den gesetzlich vorgeschriebenen Mindestpreis offerieren, der sich für Stammaktien auf voraussichtlich 100,92 Euro belaufe. Die VW-Aktie notierte aber nach dem jüngsten sechsprozentigen Kurssprung am Freitag schon bei 117,70 Euro.
Porsche hatte den Schritt am Samstag in einem spektakulären Kurswechsel angekündigt. Der Porsche-Vorstandsvorsitzende Wendelin Wiedeking, will damit eine Zerschlagung des Volkswagen-Konzerns verhindern. "Wenn ein Hedge-Fonds den VW-Konzern in seine Einzelteile aufteilt und an die Börse bringen würde, könnten wir unseren wichtigsten Partner verlieren", sagte Wiedeking der "Bild"-Zeitung. "Eine solche Zerschlagung dürfen wir nicht zulassen. Deshalb haben wir gehandelt."
Im Zusammenhang mit dem VW-Gesetz wird darüber spekuliert, dass Finanzinvestoren VW übernehmen, den Konzern zerlegen und die Einzelteile Gewinn bringend verkaufen könnten. Das Gesetz mit seiner Stimmrechtsbegrenzung auf 20 Prozent gilt bislang als Bollwerk gegen "fremde" Aktionäre - dürfte aber im Sommer nach einer Klage der EU- Kommission vom Europäischen Gerichtshof gekippt werden.
Noch Anfang März hatte Wiedeking auf dem Genfer Autosalon bekräftigt, dass die VW-Beteiligung unter der 30-Prozent-Marke gehalten werden soll. Porsche war im September 2005 bei VW eingestiegen und hatte damals zunächst maximal 20 Prozent des stimmberechtigten Kapitals angepeilt. Auch damals war schon betont worden, dass "auf keinen Fall" die Schwelle erreicht werde, bei der ein öffentliches Übernahmeangebot nötig sei.
mik/dpa/Reuters
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