Wirtschaft



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27.03.2007
 

Russischer Insolvenzfall Jukos

Staatskonzern Rosneft ersteigert Milliarden-Anteil für Spottpreis

Es ist das letzte Kapitel der Akte Jukos: Seit heute werden in Moskau die Reste des russischen Ölkonzerns versteigert, den der in Haft sitzende Milliardär Chodorkowski aufbaute. Als erstes hat sich der Staatskonzern Rosneft Anteile gesichert - für einen Spottpreis, wie Kritiker bemängeln.

Moskau - Im Jahre 2004 hatte Rosneft Chart zeigen bereits die Hauptgeschäftssparten von Jukos ersteigert. In der Auktion heute Morgen sicherte sich der staatlich kontrollierte Ölkonzern nun wie erwartet die knapp 9,5 Prozent Anteile am eigenen Unternehmen, die noch in Jukos-Besitz waren. Für umgerechnet 5,73 Milliarden Euro erhielt eine Rosneft-Tochterfirma den Zuschlag. Ein Spottpreis - Analysten hatten den Wert der Anteile auf bis zu 7,5 Milliarden Euro beziffert.

Jukos-Arbeiter: Die Reste bis August versteigert
REUTERS

Jukos-Arbeiter: Die Reste bis August versteigert

Ohnehin sei die Auktion eine Farce gewesen, monieren Kritiker. Einziger Bieter neben Rosneft war TNK-BP. Analysten vermuteten, das russisch-britische Gemeinschaftsunternehmen habe vor allem auf Drängen des Kremls mitgeboten, um den Schein einer korrekten Versteigerung mit mindestens zwei Bewerbern zu wahren. "Es ist klar, dass der Kreml versucht, westliche Ölfirmen zu überreden, an der Auktion teilzunehmen. Aber am Ende werden Gasprom und Rosneft die wichtigsten Anteile erhalten", erklärte Alfa-Bank-Analyst Chris Weaver der "Moscow Times". Der Ölkonzern BP Chart zeigen, der knapp die Hälfte an TNK-BP hält, widersprach dieser Sichtweise.

Ende der Vorwoche war BP-Chef Lord Browne in Moskau noch mit Präsident Wladimir Putin und der Rosneft-Führung zusammengetroffen. Russische Behörden drohen BP Chart zeigen momentan damit, dem Konzern die Lizenz für das Kowytka-Erdgasfeld im Osten Sibiriens zu entziehen - als Begründung dient der Verstoß gegen Umweltauflagen.

Mit Auktionserlös sollen Schulden beglichen werden

Jukos war einst der größte Ölkonzern Russlands, aufgebaut von Michail Chodorkowski in den wilden Zeiten nach dem Zusammenbruch der Sowjetunion Anfang der neunziger Jahre. Als Chodorkowski begann, den Kreml und Präsident Wladimir Putin zu kritisieren, wurde er im Oktober 2003 festgenommen und in einem Berufungsprozess im September 2005 zu acht Jahren Haft verurteilt, inzwischen droht eine Haftverlängerung auf insgesamt 15 Jahre. Sein Konzern wurde zerschlagen.

Bis August werden weitere Auktionen die Liquidation von Jukos besiegeln. Dabei werden fünf Ölraffinerien und eine Fördermenge von 400.000 Barrel Öl pro Tag unter den Hammer kommen. Bereits im Vorfeld hatte der in London ansässige Jukos-Mehrheitseigner GML westlichen Investoren von einer Teilnahme abgeraten und mit milliardenschweren Schadenersatzklagen gedroht.

Das Geld, das bei den Auktionen zusammenkommt, sollen die Gläubiger von Jukos bekommen, unter ihnen der russische Staat. Die Schulden von Jukos, aufgelaufen im Laufe der Ermittlungen gegen Chodorkowski etwa wegen Steuerhinterziehung, Geldwäsche in Milliardenhöhe oder Öl-Diebstahls, belaufen sich den Behörden zufolge auf rund 20,7 Milliarden Euro.

joh/dpa

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