Wirtschaft



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09.04.2007
 

Patent-Problem

In Deutschland erdacht - im Ausland gemacht

Von Kai Lange

2. Teil: "Innovationen sind die einzige Chance, Arbeitsplätze zu erhalten"

Mit dieser Nachlässigkeit riskiert Deutschland seine Zukunft. Denn in der globalen Wissensgesellschaft gewinnt der Handel mit Patenten und Patentlizenzen eine immer größere Bedeutung: 1990 wurden weltweit noch zehn Milliarden Dollar für Patentlizenzen gezahlt - nach einer Studie der Deutschen Bank werden es im Jahr 2010 bereits 500 Milliarden Dollar sein.

Der Marktwert der 500 größten US-Unternehmen hängt laut der Studie bereits zu drei Vierteln von immateriellen Werten ab. Werte wie Grundbesitz, Immobilien oder Maschinen werden im Vergleich zu Patenten und anderen immateriellen Werten künftig weiter an Bedeutung verlieren.

"Innovationen sind die einzige Chance, Arbeitsplätze in Europa zu schaffen und zu erhalten", sagt Oliver Gassmann, Direktor des Instituts für Technologiemanagement an der Universität St. Gallen. "Sobald wir darauf verzichten und uns auf einen Wettlauf um niedrigere Arbeitskosten einlassen, haben wir schon verloren." Die Konsequenz: Nur innovative Unternehmen werden in Europa langfristig überleben.

Es geht also nicht darum, möglichst viele Ideen zu haben, sondern diese auch gewinnbringend zu nutzen. Kein Unternehmen kann es sich leisten, Patente lediglich zu verwalten - es muss diese aktiv managen und sich gegenüber Partnern öffnen, um Ideen weltweit in Profit zu verwandeln. Das hat Konsequenzen nicht nur für deutsche Konzerne, sondern auch für mittelständische Unternehmen und Universitäten.

Nicht mehr alles selber machen

In der Vergangenheit haben deutsche Unternehmen weltweit Erfolge gefeiert, weil sie sich technologisch eingemauert haben. In einer Art Wagenburgmentalität wurden Patente vor allem als Eigenschutz verstanden: "Wir lassen uns das schützen" hieß es in den Forschungsabteilungen - um die Idee dann zu gegebener Zeit weiterzuentwickeln und zu vermarkten, am besten selbst.

Mit der Globalisierung, schnellerem Wissenstransfer, kürzeren Produktzyklen und immensen Forschungsinvestitionen weltweit, haben sich die Verhältnisse jedoch geändert. Deutsche Ingenieure operieren nicht mehr aus einem komfortablen Technologievorsprung heraus, sondern müssen auf wachsende Konkurrenz und sich verändernde Marktbedingungen reagieren.

"Heute muss bereits die Idee als eine handelbare Ware begriffen werden", sagt IPB-Chef Müller. Es gehe nicht nur darum, eine Idee zu schützen, sondern sie möglichst effizient an den Markt zu bringen. Dies setze ein striktes Patentmanagement sowie eine Öffnung gegenüber Partnern voraus: "Man muss nicht alles selber machen, sondern sollte sich auf seine Stärke konzentrieren und sich gegebenenfalls auch von Projekten trennen." Weiterer Schritt sei die Analyse, welche Leistungen von extern hinzugezogen werden müssen, um aus einer Idee eine Innovation und aus einer Innovation ein marktfähiges Produkt zu entwickeln.

Öffnung für Partner - Patente als Container

Die Globalisierung hat jedoch nicht nur die Wettbewerbsbedingungen verändert - sie kann Deutschland auch aus der Patent-Patsche helfen. "Schon die Idee ist ein handelbares Gut - es muss nicht der komplette Prozess bis zum weltweit vermarkteten Produkt in einer Hand bleiben", betont Müller. Die Globalisierung ermögliche nicht nur eine Arbeitsteilung bei der Gewinnung von Wissen - sie erlaubt auch, eine Wertschöpfungskette aus verschiedenen Partnern zu knüpfen. Damit die Idee sicher auf Partnersuche gehen kann, bedarf sie eines stabilen Transportcontainers: "Das Patent schützt das Wissen auf Reisen", sagt Müller. Beim Patentschutz zu sparen, kann teuer werden: Ideenklau oder äußerst spärliche Lizenzeinnahmen können die Folge sein.

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