Von Kai Lange
Nicht nur Hochschulen und Mittelständlern fehlt häufig das Geld, um ihre Ideen zu veredeln: Selbst innerhalb großer Konzerne sind die Budgets begrenzt, erst recht beim Risikokapital.
"In den USA gibt es dagegen eine ausgeprägte Venture-Capital-Kultur, die für Unternehmen gute Finanzierungsmöglichkeiten bietet", meint Müller. Während bereits zahlreiche ausländische Firmenjäger auch in Deutschland auf der Suche nach Anlagezielen sind, gebe es im Bereich Risikokapital noch nationale und kulturelle Barrieren: Man müsse schon sehr dicht an einem Unternehmen dran sein, um das Potential einer Idee oder eines Patents beurteilen zu können. Ein von der Politik reguliertes Subventionssystem wie in Deutschland könne flexibles, privates Risikokapital nicht ersetzen.
Die Unternehmensteuerreform in Deutschland könnte sich als weiterer Bremsklotz erweisen. Die geplante Abgeltungsteuer stellt Aktionäre schlechter als Anleihenbesitzer und erschwert damit die Versorgung mit Eigenkapital. Das Vorhaben, Verlustvorträge künftig schneller wegfallen zu lassen, könnte sich nach Ansicht der Grünen-Politikerin Christine Scheel zum "Desaster für innovative Start-up-Unternehmen" entwickeln.
Sorgen bereiten ihr auch die neuen Steuerpläne bei sogenannten "Funktionsverlagerungen": Der Gesetzgeber hatte geplant, hier ein Steuerschlupfloch zu schließen. Doch in der Praxis könnte es dazu führen, dass junge Unternehmen künftig auch ihre Forschungsabteilungen ins Ausland verlagern, um Steuernachteile zu vermeiden.
Auch an Dienstleistungen denken
Riskant ist außerdem, bei der Verwertung von Patenten lediglich an die Hardware und nicht an damit verbundenen Dienstleistungen zu denken. Vor allem US-amerikanische Unternehmen sind fleißig dabei, auch reine Dienstleistungen zu patentieren.
Deutsche und Schweizer Banken haben es schmerzhaft zu spüren bekommen, als die Citigroup ein Patent auf ein automatisiertes Verfahren zur Wechselkursabsicherung geltend machte. "In diesen Bereich kommt auch in Deutschland Bewegung", sagt Gassmann. Vor allem Versicherungsgesellschaften hätten die Patentierung von Dienstleistungen inzwischen auf die Agenda gesetzt.
Wer nicht nur bei Ideen, sondern auch bei der Wertschöpfung führend sein will, muss branchenübergreifend denken und Dienstleistungen im Blick behalten. Die Kaffeehauskette Starbucks zum Beispiel erzielt nicht deshalb Spitzenpreise, weil sie den Kaffee neu erfunden hat. Kunden zahlen bereitwillig auch für die Wohlfühlatmosphäre, die gedämpfte Musik und angenehme Möblierung erzeugen: Inzwischen schlägt sich Starbucks in China mit Kopisten herum - ein verlässliches Signal, dass die Geschäftsidee etwas taugt.
Selbst der Fall MP3 ist für Patentexperten eher ein zukunftsweisendes als ein warnendes Beispiel. "Das Fraunhofer Institut wird niemals mit der gleichen Macht eine Innovation vermarkten können wie die Firma Apple. Es sollte sich weiter auf Forschung konzentrieren und weltweites Marketing den Amerikanern überlassen, das können die besser", meint Müller. Nicht auszudenken allerdings, wenn die Erlanger Forscher schon in einer frühen Phase Produkt- und Vermarktungspartnerschaften mit Apple, Microsoft oder gar mit Siemens geschlossen hätten: Dem Innovationsstandort Deutschland hätte solch ein Patentmanagement nicht geschadet.
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