Zu einem ähnlichen Ergebnis kommt die Verbraucherzeitschrift "FINANZtest". In ihrer Februarausgabe hat sie die Rendite untersucht, die Hausbesitzer mit einer Photovoltaikanlage erwirtschaften können. Ergebnis: Je nach Kaufpreis und je nach Sonneneinstrahlung ist die Rendite häufig negativ. Im schlimmsten Fall verlieren die privaten Investoren jährlich 3,3 Prozent ihres eingesetzten Kapitals. Wenn sie zur Finanzierung der Anlage einen Kredit aufnehmen, ist das besonders schlimm: Dann kommt die Zinslast noch hinzu.
Gewinnplus von 151 Prozent
Ganz anders sieht es bei den Herstellern aus. Dank der hohen Anlagenpreise werden sie immer reicher. Das Bonner Unternehmen Solarworld zum Beispiel hat seinen Konzernüberschuss im vergangenen Jahr um 151 Prozent auf 130,6 Millionen Euro gesteigert. Der Aktienkurs legte um rund 50 Prozent zu. Ähnlich ist es bei Q-Cells aus dem sachsen-anhaltinischen Thalheim: Hier kletterte der Gewinn um 143 Prozent auf 97,1 Millionen Euro, die Aktie verzeichnete ein Plus von rund 100 Prozent.
Dabei können die Firmen durchaus günstig produzieren. Gerade erst hat der Erfurter Hersteller Ersol
angekündigt, seine Produktionskosten bis zum kommenden Jahr um 25 Prozent zu senken. Andere Unternehmen haben sich ähnliche Ziele gesteckt.
Eine Milliarde Euro für Solarstrom
Die Kunden allerdings werden davon nichts haben. Denn die Vergütung für Solarstrom nach dem EEG sinkt jährlich nur um fünf Prozent. Für die Hersteller gibt es also keinen Grund, den Preis ihrer Anlagen wesentlich zu reduzieren. Auf Kosten der Allgemeinheit fahren sie immer dickere Gewinne ein. Insgesamt mussten die Stromkunden im vergangenen Jahr laut "Photon" eine Milliarde Euro für Solarstrom zahlen.
In der Großen Koalition werden deshalb Stimmen laut, die eine deutliche Reduktion der Vergütung fordern. "Es hat sich herausgestellt, dass die hohen Einspeisevergütungen keinen Anreiz zu Preissenkungen bei Solaranlagen geben", sagt Unionsfraktionsvize Katherina Reiche (CDU). "Wir müssen diese Entwicklung korrigieren und die Vergütungssätze für Solarstrom deutlich absenken." Ähnlich äußern sich auch führende SPD-Politiker - wenn auch hinter vorgehaltener Hand.
Selbst die Grünen haben mittlerweile Bauchschmerzen. Ihr energiepolitischer Sprecher Hans-Josef Fell kann sich niedrigere Vergütungssätze durchaus vorstellen. Das sei auf jeden Fall besser, als die Förderung generell zu deckeln, sagt er.
Allzu bald wird allerdings nichts geschehen. Gerade erst hat das Bundesumweltministerium die geplante Novelle des EEG verschoben. Bis 2009 müssen sich die Solarkonzerne keine Sorge machen.
Auf anderen Social Networks posten:
HilfeLassen Sie sich mit kostenlosen Diensten auf dem Laufenden halten:
| alles aus der Rubrik Wirtschaft | Twitter | RSS |
© SPIEGEL ONLINE 2007
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH