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Zukunftslabor Fraunhofer-Gesellschaft Der Gral der genialischen Tüftler

3. Teil: Weltweit bekam kaum jemand etwas von dem Durchbruch und Erfolg mit, den die Erlanger Entwickler landen konnten.

Rätselhafterweise lässt die FhG eine systematische Lücke im Zentrum der größten und wichtigsten deutschen Industrie: Sie kümmert sich nicht um die Weiterentwicklung von Otto- und Dieselmotoren. Allenfalls Marginalien dieser Technologien werden erforscht, etwa Zünd- oder Einspritzanlagen, Abgasreinigung oder verbesserte Materialien (Keramikventile, ultraglatte und somit nahezu schmierungsfrei funktionierende Zylinderwände etc.). Forschung und Entwicklung zum Thema Verbrennungsmotoren gehören zu den wenigen Disziplinen, die in Deutschland fast ausschließlich von der Industrie betrieben werden. Offenbar respektiert die FhG diese Trennung.

Wissenschaftler der Fraunhofer-Gesellschaft sind in der Regel sehr viel bodenständiger als ihre Kollegen in den Max-Planck-Instituten – obwohl es auch dort bereits interessante Beispiele von Nützlichkeitsdenken, Alltagstauglichkeit und Patentorientierung gibt.

Fast alle Fraunhofer-Direktoren lehren auch an Hochschulen (dies setzt sich erst allmählich auch bei den MPI-Direktoren durch), alle pflegen regelmäßigen Kontakt zu ihren Auftraggebern in Industrie und in der öffentlichen Verwaltung, wo sie selber akquirieren – einsetzbaren neuen Materialien, die für nanometerdünne, farbige Glasbeschichtungen taugen, die sich aber auch zu Zahnfüllungen oder zu haarfeinen Kapillarröhrchen verarbeiten lassen Ein anderes Beispiel sind Mikro-Chips aus Kunststoff, deren Schaltkreise quasi aufgedruckt werden – Mikroelektronik für wenige Cents.

Leider muss hier auch ein Beispiel noch einmal erwähnt werden: Am Erlanger Institut für Integrierte Schaltungen (IIS) wurde Ende der 1980er Jahre die MP3-Software zur Kompression von Musikdateien erfunden und entwickelt, ursprünglich als Werkzeug für den digitalen Rundfunk. Als dieser jedoch nicht gleich wie erhofft erblühte, boten die Fraunhofer-Forscher die Technologie auch anderen potenziellen Kunden an.

Leider ohne Erfolg. Keiner der großen Medienkonzerne, aber auch kein Hersteller von Unterhaltungselektronik biss an. MP3 wurde erst zum Weltstandard durch die Musiktauschbörse Napster im Internet. Dort – und in allen Nachfolgemodellen – ließen sich vor allem Dateien im MP3-Format tauschen.

Für die Forscher am IIS reichten die Einnahmen aus den Lizenzgebühren der MP3-Anwender im Internet, um heute zum größten Fraunhofer-Institut zu werden. Doch weltweit bekam kaum jemand etwas von dem Durchbruch und Erfolg mit, den die Erlanger Entwickler mit MP3 landen konnten.

Der Computerhersteller Apple erkannte als Erster – lange Zeit auch als Einziger – das Geschäftspotenzial, das im Musikvertrieb über das Internet steckte und entwickelte das Speicher- und Abspielgerät iPod (das gleichwohl auf einer Apple-eigenen Kompressionssoftware basiert). Heute ist die Musikindustrie ohne MP3 und das Internet als Vertriebsweg nicht mehr denkbar.

Im Rückblick lässt sich somit sagen, dass ein jüngerer Schritt der digital-industriellen Revolution in Erlangen begann und auf einer Erfindung der Fraunhofer-Forscher beruht. Nur kamen die Forscher und Tüftler, deren Erfindung den Startschuss gab für diese Entwicklung, mit ihrer Software leider deutlich vor ihrer Zeit, lange bevor ein Bedarf oder gar eine Nachfrage überhaupt entstehen konnte.

Aber das gehört eben auch zur Forscher-Fortune: die richtige Technologie zur richtigen Zeit am richtigen Ort dem richtigen Kunden anzubieten.

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