Von Malte Dreher
Die afrikanische Republik Sambia ist eines der ärmsten Länder der Welt. 64 Prozent der Bevölkerung müssen mit weniger als einem Dollar pro Tag leben. Die Aids-Rate zählt zu den höchsten weltweit. Die Seuche ließ die Lebenserwartung in den vergangenen 15 Jahren von 60 auf 37 Jahre sinken, und 20 Prozent der sambischen Kinder sind Aids-Waisen. Für 2015 rechnet Unicef mit einem Anstieg auf eine Million Vollwaisen; bei einer Einwohnerzahl von knapp 12 Millionen. Die Kupfervorkommen der ehemaligen britischen Kolonie teilen sich internationale Bergbaukonzerne. Neben etwas Landwirtschaft hat Sambia zumindest für Investoren nichts zu bieten.
Trotzdem ist das Dritte-Welt-Land für Michael Sheehan eine erstklassige Investmentchance gewesen. Sheehan, der sich selbst "Goldfinger" nennt, wohnt vor den Toren Washingtons in Virginia und ist Gründer und Besitzer des auf den Virgin Islands in der Karibik registrierten Hedge-Fonds Debt Advisory International. Sheehans Fonds ist ein Vulture-Fonds, übersetzt: ein Geier-Fonds, der mit Schulden der Dritten Welt spekuliert.
Hedge-Fonds fordern und klagen
Diese Investitionen sind so einfach wie erfolgreich und an Perversion kaum zu überbieten. Geier-Fonds kaufen Industrienationen die Schuldtitel ab, die diese gegenüber afrikanischen Ländern haben. Wegen der Schuldenerlasse der Ersten gegenüber der Dritten Welt bekommen die Fonds die Schuldscheine immer günstiger. Von den Schuldnernationen fordern die Kredithaie dann den vollen ursprünglichen Betrag plus Zinsen. Wer nicht zahlt, wird vor Gericht gezerrt. So geschehen im Fall Sambias: Der Vulture-Fonds beglich die Schulden, die das Land seit 1979 gegenüber Rumänien hatte. Damals liehen sich die Afrikaner 15 Millionen Dollar und kauften rumänische Traktoren. Vor acht Jahren bot die rumänische Regierung eine Reduzierung der Schulden auf 3 Millionen Dollar an, wenn Sambia sofort zahle. Sambia konnte nicht zahlen, wohl aber Sheehan.
Da die Übernahme von Schulden durch Dritte die Zustimmung aller Beteiligten erfordert, schickte sein Büro eine E-Mail an den sambischen Präsidenten und bot diesem einen Deal an: Er werde der sambischen Regierung eine Spende von 2 Millionen Dollar überweisen. Für ein "vom Präsidenten gewähltes Hilfsprojekt". Die Taktik ging auf, und Sheehan kaufte den Schuldtitel für 3 Millionen Dollar. Seine Forderung an die sambische Regierung belief sich daraufhin auf rund 40 Millionen Dollar.
Die Fondsgesellschaft reichte Anfang dieses Jahres bei einem Londoner Gericht Klage ein und bekam Mitte Februar teilweise recht: Sambia muss nun 20 Millionen Dollar an den Geier-Fonds zahlen. Das Geld wird aus dem Schul- und Sozialbudget des Landes genommen. Ein Budget, das Sambia sich erst aufgrund der vergangenen Schuldenerlasse leisten kann. Das Land wurde lediglich vor der Zahlung des vollen Betrags bewahrt, weil die britischen Richter der Beweisführung William Blairs, Bruder des Premierministers und Leiter des sambischen Rechtsanwälte-Teams, folgten. Demnach sei die 2-Millionen-Dollar-Spende Bestechung gewesen.
Geier-Fonds gehören verboten
"Geier-Fonds spielen ein perverses Spiel, das jenseits jeder moralischen Vorstellungskraft stattfindet, und deshalb gehören sie verboten", sagte Gordon Brown, potenzieller Nachfolger Tony Blairs als britischer Premierminister, schon vor fünf Jahren. Geschehen ist bis heute nichts. Im Gegenteil: Debt Advisory International ist nur ein Fonds von vielen, die ein erstklassiges Geschäft mit der Dritten Welt wittern.
Prominentester Geier der USA ist aktuell der New Yorker Milliardär Paul Singer. Singer ist größter Financier des letzten Wahlkampfs von Präsident George Bush gewesen. Bereits 1996 hat sein Unternehmen Elliot Associates Schulden Perus für 11 Millionen Dollar gekauft, geklagt und 58 Millionen Dollar von dem Anden-Staat erhalten. Singers aktuelle Schuldenjagd führt in die Republik Kongo. Für 10 Millionen Dollar kaufte er einen Teil der Schulden des Landes. jetzt will Singer den vollen Betrag plus Zinsen (127 Millionen Dollar) und Schadenersatz, weil das afrikanische Land so korrupt sei. Aktueller Streitwert vor Gericht: 400 Millionen Dollar.
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