Aus Bangalore berichtet Hasnain Kazim
Bangalore - Kala Gopinath macht sich Sorgen um ihren Sohn. Suhas isst zu wenig, schläft zu wenig. "Das kann nicht gesund sein." Sie häuft dem 21-Jährigen noch Gemüse und zwei Idlis auf den Teller, weiße Klöße aus Reis- und Linsenmehl, die Gopinaths sind gläubige Hindus und daher Vegetarier. "Heute hat er bis vier Uhr morgens auf dem Sofa gelegen und am Laptop gearbeitet. Um acht Uhr ist er dann ins Büro gegangen."
Jetzt ist es Mittag, Suhas ist zum Essen nach Hause gekommen - es sind nur fünf Minuten Fußweg. "Meine Mutter hat darauf bestanden, dass mein Arbeitsplatz ohne Auto zu erreichen ist." Er lacht.
So also lebt der Chef und Mitgründer von Globals Inc. - einem aufstrebenden IT-Unternehmen, das Internet-Seiten und Software produziert, 400 Mitarbeiter in aller Welt beschäftigt und zu einer Ikone geworden ist. Das Limca-Buch der Rekorde, die indische Version des Guinness-Buchs, führt ihn als "jüngsten Firmenchef der Welt". Die Politik seines Heimatlandes feiert ihn als Modell-Inder: Seht her, was unsere jungen Leute schaffen!
"Warum sollte ich mein Kind verkaufen?"
Suhas Gopinath könnte sich in einem dicken Auto chauffieren lassen, in einem Penthouse leben, seinen Eltern eine Villa in einer schönen Gegend am Stadtrand kaufen. Aber die Familie lebt in einem Mittelklassehaus. Er fährt einen Kleinwagen. Er hat keines dieser trendigen Handys. Er trägt keine Markenklamotten.
2005 hat ihm eine Investmentfirma aus Houston, Texas, 100 Millionen Dollar für einen Mehrheitsanteil an Globals geboten. Er hat abgelehnt, "zugegebenermaßen nach einigen Monaten Diskussion". Der Grund für das Nein: "Warum sollte ich mein Kind verkaufen?"
Suhas mag indische Traditionen: Bescheidenheit, die Eltern ehren, ein bisschen Patriotismus. Obwohl er es nicht leicht hatte in Indien, als ihn noch niemand kannte.
Mitte der neunziger Jahre eröffneten in Bangalore die ersten Internet-Cafés. Eines machte neben Suhas' Elternhaus auf. "Mein Bruder Shreyas hat mich dorthin mitgenommen. Ich war fasziniert. Das Internet hat mein Leben verändert." Jede freie Minute war er im Netz.
Er brachte sich selbst bei, wie man Internet-Seiten baut. "Er hat jede Rupie, die er hatte, im Internet-Café ausgegeben", sagt seine Mutter. Man merkt ihr heute noch an, dass sie das damals nicht guthieß. Suhas sagt: "Ich war bis dahin ein guter Schüler. Nachdem ich das Internet entdeckt hatte, war ich ein durchschnittlicher Schüler." Tierarzt wollte er früher werden. Von dem Wunsch ist sein Engagement für den Tierschutz geblieben.
Kampf um "Cool Hindustan"
1998 war Suhas 13, und er stellte seine erste Seite ins Netz: www.coolhindustan.com. "Ich wollte Indern in aller Welt ein Forum bieten, um Veranstaltungen, Restauranttipps und alles einzutragen, was sie interessiert." Die Seite wurde populär - allerdings auch bei Hackern in Pakistan. Sie griffen "Cool Hindustan" an, ersetzten das Logo auf der Seite in "Cool Pakistan". "Das war eine schreckliche Erfahrung", sagt Suhas heute. Er gab sein Projekt auf.
"Sie boten mir einen Job an. Im Gegenzug hätten sie für meine Ausbildung in den USA gesorgt." Er sagte Nein. "Warum sollte ich das, was ich für eine fremde Firma leisten soll, nicht für mein eigenes Unternehmen tun?"
Da hatte er endgültig beschlossen, Unternehmer zu werden. Mit 14.
Es war ein Beschluss, den er gegen Widerstände durchsetzen musste. Da waren die Eltern, die ihm auftrugen, bitteschön die Schule fertigzumachen und dann etwas Vernünftiges zu studieren. Da war die Verlockung eines festen Jobs. Und da war das indische Gesetz. Es setzt für Unternehmensgründer ein Mindestalter von 18 fest.
Kalifornischer Umweg
Auf gar keinen Fall wollte Suhas vier Jahre warten. Er trickste: Mit drei Freunden meldete er 1999 seine Firma an - in San José. "Online natürlich", sagt er. Global Solutions sollte sie heißen, aber der Name war vergeben, so kam er zu Globals.
Er bedauert noch heute, dass er seine Firma nicht in Bangalore gründen durfte. Heute kennen Indiens wichtigste Politiker den jungen Mann, er bekam ein Gespräch unter vier Augen mit Präsident Abdul Kalam. "Ich habe ihm gesagt, dass die Altersuntergrenze für Unternehmensgründer unbedingt abgeschafft werden muss." Kalam versprach ihm Unterstützung. Bisher hat sich nichts geändert.
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