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07.05.2007
 

Wirtschafts-Wunderkind

Das Internet-Imperium des indischen Goldjungen

Aus Bangalore berichtet Hasnain Kazim

2. Teil: Kein Kino, keine Partys - doch dafür wird Gopinath heute als Popstar gefeiert.

Nicht nur das Gesetz war seinerzeit eine Hürde. Potentielle Kunden zogen Aufträge zurück, als sie erfuhren, dass ihr Partner gerade 14 war. "Viele nahmen mich nicht ernst." Kaum spross das erste Barthaar, ließ er sich einen Schnauzer stehen. Heute ist der, auf Rat von Freunden, wieder ab.

Suhas überwand alle Widerstände - weil er gut war. Nach und nach sprachen sich die Fähigkeiten seiner Firma herum. Suhas stellte immer mehr Menschen an, gründete immer mehr Büros. Er wurde zum Chef, Arbeitgeber, Unternehmensführer. Mitten in seiner Pubertät.

Er sagt, ein großer Antrieb für ihn sei die Wut darüber gewesen, dass er wegen seines Alters nicht ernst genommen wurde. Außerdem wollte er so werden wie Bill Gates. "Der ist trotz seines Reichtums nicht abgehoben."

Der Altersdurchschnitt bei Globals liegt bei 21, der älteste Mitarbeiter ist 26, der jüngste 12. "Das ist ein Junge aus einem Dorf außerhalb von Bangalore. Er hat mich so oft angerufen, bis er einen Termin bekommen hat. Seine Computerkenntnisse hat er sich auch in einem Internet-Café selbst erarbeitet." Fest anstellen dürfe er den Jungen aus gesetzlichen Gründen nicht, sonst wäre das Kinderarbeit. "Aber wir haben ihm einen Computer mit Internet-Anschluss gegeben. Er arbeitet jetzt gelegentlich für uns und macht Webdesign."

Nimm keinen über 30

Alter dürfe bei Globals keine Rolle spielen, sagt Suhas, ausschlaggebend seien nur Fähigkeiten und Leistungen. "Wir Inder haben eine natürliche Begabung für den Umgang mit Computern", sagt er. Dennoch: Viele bei Globals können sich kaum vorstellen, jemanden über 30 einzustellen. "Das wäre wirklich komisch", sagt Amruta Desai, 22, Vizepräsidentin und zuständig für Marketing und Strategie.

Inzwischen hat Globals 200 Kunden weltweit, Vertretungen in elf Ländern, das Hauptgeschäft macht das Unternehmen in Europa - etwa 65 Prozent seines Umsatzes. Die jungen Inder haben die richtigen Marktlücken gefunden. Sie entwickelten eine Software für Schulen, ein Programm, mit dessen Hilfe Lehrer Noten und Fehlzeiten eintragen und Eltern die Anwesenheit ihrer Kinder im Unterricht online überprüfen können - eine Art elektronisches Klassenbuch. Die indische Bundesregierung war begeistert. Sie gab kürzlich die Ausstattung von 1000 Schulen in Auftrag.

"Vielleicht können wir das Programm ja auch deutschen Schulen anbieten?", fragt Suhas. Hunderte Praktikanten aus Deutschland bewerben sich jedes Jahr bei ihm, ein paar von denen, die angenommen werden, sollen demnächst eine Marktanalyse erstellen. Der deutsche Markt wird wichtiger. Globals kooperiert inzwischen mit Universitäten aus Baden-Württemberg und Hessen.

Weil Suhas jetzt 21 ist, denkt er darüber nach, den offiziellen Firmensitz nach Indien zu verlegen - obwohl in San José inzwischen 125 Leute für Globals arbeiten und in Bangalore nur 25. Was soll aus den Mitarbeitern in den USA werden? "Wir werden sehen", sagt Suhas. "Die Neuentwicklungen kommen hauptsächlich aus Bangalore." Es klingt ein wenig nach Rechtfertigung.

Er studiert, das wollen die Eltern so

Günstiger wäre Bangalore jedenfalls. Die Globals-Mitarbeiter dort verdienen 20.000 bis 25.000 Rupien im Monat, 400 bis 500 Euro. In Indien eine ordentliche Entlohnung - aber wenig im Vergleich zu den durchschnittlich 1100 Euro der Kollegen in den westlichen Büros. "Geld ist für uns nicht der Grund, bei Globals zu arbeiten", sagt die 22-jährige Gayathri Kumar, zuständig für die Finanzen. "Viel wichtiger ist die Atmosphäre und der Spaß. Bei uns gibt es keine Hierarchien." Das ist ein Argument in Indien, dessen Gesellschaft immer noch von Statusunterschieden geprägt ist.

Suhas' Vater M. R. Gopinath, früher ein Wissenschaftler für das Verteidigungsministerium, sieht inzwischen ein, dass sein Sohn in den vergangenen sieben Jahren das Richtige getan hat. Die Eltern sind stolz. Aber sie haben den Sohn immer noch nicht aus der Verantwortung entlassen. "Uns ist wichtig, dass er seinen Studienabschluss macht", sagt der Vater. "Bildung ist in Indien das Allerwichtigste." Suhas studiert Ingenieurwissenschaften in Bangalore. Nebenbei.

Eine Prüfung hat er gerade wegen einer Konferenz in Deutschland sausen lassen, der nächste Termin ist ein Jahr später. An der Universität hört Suhas Vorträge, ansonsten hält er selbst welche - vor Leuten, die oft Jahrzehnte älter sind als er. Er ist glücklich. Nur manchmal, sagt er, mache es ihn traurig, dass er keine Jugend hatte wie die meisten seiner Freunde. Sie waren im Kino, gingen aus, er saß am Rechner und arbeitete. Und noch etwas: "Mich stört, dass mich selbst Kommilitonen inzwischen mit Sir anreden, mich mit ihren Handys fotografieren oder nach Autogrammen fragen."

Suhas schüttelt den Kopf. "Ich wollte nie ein Star sein."

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