Frankfurt - Der Schock dürfte bei den Mitarbeitern tief sitzen: Noch heute war in Medienberichten von etwa 1800 Jobs die Rede, die in Deutschland bei dem neuen Unternehmen auf dem Spiel ständen. Nun erklärte Nokia Siemens Networks (NSN) überraschend, dass in Deutschland bis 2010 etwa 2800 bis 2900 der insgesamt 13.000 Arbeitsplätze abgebaut werden sollen. Damit sind die deutschen Standorte überproportional von dem bereits angekündigten Jobabbau betroffen - weltweit sollen rund 15 Prozent der 60.000 Stellen gestrichen werden, insgesamt also rund 9000 Jobs.
"Mir ist bewusst, dass die heute angekündigten Maßnahmen zum Personalabbau für die Betroffenen schwerwiegend sind", sagte der Chef des Unternehmens, Simon Beresford-Wylie. "Das ist ein notwendiger Schritt, um Nokia Siemens Networks heute und für die Zukunft wettbewerbsfähig aufzustellen." Darüber hinaus prüfe die Firma in beiden Ländern Optionen für Geschäftsverlagerungen an Partner. Das Unternehmen hofft auf jährliche Einsparungen von 1,5 Milliarden Euro.
NSN ist ein Gemeinschaftsunternehmen von Nokia
und Siemens
, in das beide Konzerne ihre Netzwerktechnik ausgegliedert haben. Das Joint-Venture war erst Anfang April an den Start gegangen - drei Monate nach dem einst geplanten Termin. Die Schmiergeldaffäre der früheren Siemens-Telekommunikationssparte Com hatte den Zusammenschluss um drei Monate verzögert. Siemens hatte wegen der Affäre auch mehr Vermögenswerte in das Joint-Venture eingebracht als Nokia.
Welche Standorte betroffen sind, bleibt offen
Über die vom Stellenabbau betroffenen Sparten machte NSN keine Angaben. Finnlands größte Tageszeitung "Helsingin Sanomat" hatte dazu gestern berichtet, dass 40 Prozent der Stellenstreichungen bei Forschung und Entwicklung sowie 30 Prozent beim Verkauf und Servicefunktionen geplant seien.
Ein NSN-Sprecher sagte, derzeit sei auch noch unklar, welche Standorte von dem Stellenabbau im Inland betroffen sind. Dies werde die Geschäftsleitung voraussichtlich Mitte Mai den Arbeitnehmervertretern mitteilen. Allerdings gelte weiterhin eine noch aus Siemens-Zeiten mit dem Betriebsrat geschlossene Vereinbarung, bis 2009 auf betriebsbedingte Kündigungen zu verzichten.
Siemens überführte rund 37.000 Mitarbeiter in das Gemeinschaftsunternehmen, Nokia 23.000. Die Siemens Netzwerksparte zählte einst rund 60.000 Mitarbeiter und war ursprünglich mit der Herstellung von Telegrafenleitungen die historische Keimzelle des heute weltweit operierenden Elektrokonzerns. Nach dem bereits vorangegangen Abbau zehntausender Stellen verkündete der scheidende Siemens-Chef Klaus Kleinfeld im vergangenen Juni das krisengeschüttelte Geschäft in ein Joint Venture mit Nokia auszugliedern.
ase/dpa-AFX/Reuters
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