Berlin - Der Klimaschutz wird für den Stromkonzern Vattenfall Europe teuer. Ab 2008 erwartet Konzernchef Klaus Rauscher Mehrkosten in dreistelliger Millionenhöhe, weil er für seine Braunkohlekraftwerke zusätzliche Verschmutzungszertifikate kaufen muss. "2008 kommt es knüppeldick", sagte Rauscher heute in Berlin.
Braunkohlekraftwerk in Jänschwalde: 20 Euro pro Tonne CO2
Mit dem europaweiten Emissionshandel soll der Ausstoß des Treibhausgases CO2 reduziert werden. Unternehmen, die das Gas ausstoßen, brauchen dafür entsprechende Zertifikate. Größte Verschmutzer sind die Energiekonzerne. Vor allem Braunkohlekraftwerke benötigen wegen ihres hohen CO2-Ausstoßes viele Zertifikate. Vattenfall erzeugt rund 80 Prozent seines Stroms mit Braunkohle.
Derzeit kosten die ab 2008 gültigen Verschmutzungsrechte knapp 20 Euro pro Tonne CO2. Allerdings haben Bundesregierung und Europäische Kommission die Gesamtzahl aller Zertifikate im Vergleich zur bisherigen Handelsperiode reduziert. Experten gehen deshalb davon aus, dass die Preise noch weiter steigen könnten. Für die Energiekonzerne bedeutet das höhere Produktionskosten.
Bleibt es bei den Plänen der Bundesregierung für den Emissionshandel ab 2008, muss Vattenfall für seine Braunkohlekraftwerke Schmutzzertifikate für 25 Millionen Tonnen CO2 zukaufen, wie Rauscher vorrechnete. Bei einem Preis von 20 Euro je Tonne kämen somit 500 Millionen Euro Kosten auf das Unternehmen zu.
Am Energieträger Kohle will Vattenfall trotz der Klimadiskussion festhalten. "Kohle wird noch lange zur Sicherung der Grundlast der Stromerzeugung benötigt werden", sagte Rauscher.
Im vergangenen Jahr entwickelten sich die Geschäfte bei Vattenfall allerdings noch prächtig. Der Umsatz wuchs von 10,5 auf 11,1 Milliarden Euro, das Ergebnis vor Steuern um 219 Millionen auf 1,35 Milliarden Euro. Auch in Zukunft dürfte sich diese Entwicklung fortsetzen: Ab Juli will der Konzern die Strompreise für seine Berliner und Hamburger Kunden um rund 6,5 Prozent erhöhen.
Als letzter der vier großen deutschen Stromversorger steigt Vattenfall Anfang Juli auch in den bundesweiten Vertrieb ein. Mit einem Stromverkauf über das Internet hofft das Unternehmen im ersten Jahr auf bis zu 10.000 neue Kunden, sagte Vertriebsvorstand Hans-Jürgen Cramer. Das neue Angebot, das unter dem Label "Vattenfall" beworben wird, richte sich speziell an private Haushalte.
Die anderen drei großen Stromkonzerne bieten bereits bundesweit Strom an. E.on war im Februar mit der Marke "E wie einfach" in den Markt getreten. RWE will mit dem Internet-basierten "Eprimo" folgen. EnBW ist mit ihrer Tochter Yello bereits seit mehreren Jahren bundesweit aktiv.
wal/AP/Reuters/Dow Jones
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