Hamburg - Der Hamburger Senat will bis 2015 insgesamt rund 2,9 Milliarden Euro in den Ausbau des Hafens investieren. Mit dem beschlossenen Zukunftsprogramm sollen die Voraussetzungen geschaffen werden, dass Reedereien und Umschlagsbetriebe im Hafen am Wachstum des internationalen Warenverkehrs teilhaben können, sagte Wirtschaftssenator Gunnar Uldall (CDU).
Die Globalisierung gibt ein hohes Tempo vor: Nach Prognosen des Instituts für Seeverkehrswirtschaft und Logistik (ISL) wird sich der Containerumschlag des Hamburger Hafens, des achtgrößten Hafens der Welt, bis zum Jahr 2015 von derzeit 9 Millionen auf dann 18 Millionen TEU pro Jahr verdoppeln. TEU steht für die 20-Fuß-Standardcontainer-Einheit.
Uldall rechnet durch die Verdoppelung des Containerumschlags mit bis zu 14.000 neuen Arbeitsplätzen und mit jährlich zusätzlichen Steuereinnahmen in Höhe von 250 Millionen Euro.
Laut dem vom Senat entwickelten Programm sind der Kapazitätsausbau des Eurogate Terminals um zwei auf sechs Millionen TEU geplant und die Sanierung der Hafenbahn vorgesehen. Außerdem soll ein Förderprogramm für den privaten Hochwasserschutz im Hafengebiet initiiert und in die Entwicklung der Tide-Elbe investiert werden.
Börsengang soll bei der Finanzierung helfen
Der Ausbau soll sowohl aus Steuergeldern als auch durch den Teilbörsengang der Hamburger Hafen und Logistik AG (HHLA) finanziert werden. Der Senat wird nach Angaben der Finanzbehörde die Platzierung von rund 30 Prozent des Grundkapitals der HHLA vorschlagen.
Nach der Zustimmung soll der Börsengang voraussichtlich im Herbst dieses Jahres an der Frankfurter Börse und der Hamburger Börse über die Bühne gehen. Ein Teil der Anteilsscheine solle institutionellen Investoren in den USA angeboten werden. Weitere Aktien werden für Privatanleger reserviert.
Der HHLA-Belegschaft sollen Papiere zu besonderen Konditionen angeboten werden. Außerdem sollen die Immobilien des Fischmarkts und der Speicherstadt über gesonderte "Speicherstadt-Aktien" vollständig im Eigentum der Hansestadt bleiben und nicht an der Börse notiert werden.
Früheren Angaben der Stadt zufolge sind in der mittelfristigen Finanzplanung zwei Milliarden Euro für den Ausbau des Hafens vorgesehen. Der Rest soll durch den Börsengang in die Kassen fließen. 100 Millionen Euro hat Finanzsenator Michael Freytag außerdem zur Stärkung des HHLA-Eigenkapitals vorgesehen. Zur Höhe der durch den Gang aufs Parkett erwarteten Erlöse machte Freytag keine Angaben.
Achtgrößter Hafen - Singapur und Hongkong Spitze
Der Industrieverband Hamburg (IVH), der Unternehmensverband Hafen Hamburg und die Handelskammer begrüßten die Pläne. IVH-Chef Karl Gernandt erklärte: "Die Investitionen in die Infrastruktur werden sich sehr schnell in Form von Steuereinnahmen und Arbeitsplätzen bezahlt machen."
Kritik am geplanten Börsengang kam dagegen von den Grünen. "Mit dem Verkauf von Stammaktien der HHLA an der Börse verliert Hamburg die Kontrolle darüber, wer sich langfristig an der HHLA beteiligt", erklärte der Wirtschaftsexperte der GAL-Fraktion Jens Kerstan. Er plädierte für die Ausgabe von stimmrechtslosen Vorzugsaktien.
Nach Angaben des statistischen Bundesamtes in Wiesbaden ist der Hamburger Hafen der achtgrößte Containerhafen der Welt. Insgesamt wurden 2006 knapp 8,9 Millionen 20 Fuß-Standardcontainer (TEU) umgeschlagen. An der Spitze liegen wie 2005 Singapur (24,8 Millionen TEU), Hongkong (23,5 Mio. TEU) und Shanghai (21,7 Millionen TEU).
itz/mm.de/dpa/ddp
Auf anderen Social Networks posten:
HilfeLassen Sie sich mit kostenlosen Diensten auf dem Laufenden halten:
| alles aus der Rubrik Wirtschaft | Twitter | RSS |
© SPIEGEL ONLINE 2007
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH