Wirtschaft



ThemaQuartalsberichteRSS

Alle Artikel und Hintergründe

  • Drucken
  • Senden
  • Feedback
10.05.2007
 

Telekom

Kundenschwund und Streikgefahr - Obermann in Not

Der Sanierungskurs von Telekom-Chef Obermann steht auf der Kippe: Der Streit mit Ver.di um die neue Servicegesellschaft eskaliert, schon morgen könnte der Streik beginnen - gleichzeitig laufen die Kunden in Scharen weg. Binnen drei Monaten kündigten 588.000 Menschen ihren Vertrag.

Bonn - Wie die Telekom am Morgen mitteilte, setzte sich der Kundenschwund bei herkömmlichen Telefonanschlüssen unvermindert fort. Insgesamt 588.000 Kunden kehrten der Telefongesellschaft im vergangenen Quartal den Rücken. Damit wurde bestätigt, was der SPIEGEL vor drei Wochen gemeldet hatte.

Mit 484.000 seien die meisten Kunden dabei zu Konkurrenten gewechselt, die das Netz der Deutschen Telekom nutzen. Die restlichen 104.000 Abwanderer hätten den Telekom-Anschluss durch das Handy ersetzt oder seien zu Anbietern mit eigenen Netzen gewechselt.

Telekom-Chef Obermann: Freude macht lediglich das Auslandsgeschäft
Zur Großansicht
REUTERS

Telekom-Chef Obermann: Freude macht lediglich das Auslandsgeschäft

Der Rückgang der Anschlusszahlen, aber auch notwendige Preisreduzierungen und geringere Umsätze pro Anschluss ließen die Erlöse der T-Com im Inland um 5,8 Prozent sinken. Das bereinigte Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (Ebitda) ging sogar um fast 18 Prozent zurück, geprägt von Kosten für die Kundengewinnung für das neue Komplettangebot aus Telefonie, Internet und Unterhaltung. Dies zeigt sich in der Zahl der Breitbandanschlüsse, die im ersten Quartal um 572.000 zulegten. Auch die Geschäftskundensparte sowie das deutsche Mobilfunkgeschäft verzeichneten beim operativen Gewinn deutliche Einbußen.

Für den Gesamtkonzern sank das um Sonderfaktoren bereinigte Ebitda im Auftaktquartal im Vergleich zum Vorjahr um 5,8 Prozent auf 4,7 Milliarden Euro - fast exakt wie von Analysten erwartet. Dass der Konzernumsatz trotzdem um 4,1 Prozent auf 15,5 Milliarden Euro stieg, ist allein auf das florierende Auslandsgeschäft zurückzuführen. Branchenexperten hatten hier mit 15,26 Milliarden Euro gerechnet. Im Inland gingen die Erlöse dabei um 5,1 Prozent auf 7,8 Milliarden Euro zurück. Unter dem Strich erzielte Europas größter Telekommunikationskonzern einen Überschuss von 459 Millionen Euro, das entspricht binnen Jahresfrist einem Rückgang von 58 Prozent.

Im Gesamtjahr rechnet die Telekom weiter mit einem moderaten Umsatzplus sowie einem bereinigten Ebitda von rund 19 Milliarden Euro. "Die Finanzkennzahlen des Konzerns zeigen in die richtige Richtung, um unsere Jahresziele zu erreichen", erklärte Obermann. "Wir sehen aber auch, dass wir in Deutschland weiter unter erheblichem Wettbewerbsdruck stehen." Deshalb sei die konsequente Umsetzung der neuen Strategie entscheidend.

Mit ihr will Obermann die Kosten bis 2010 um bis zu 4,7 Milliarden Euro jährlich senken und dafür unter anderem rund 50.000 Beschäftigte der Festnetzsparte T-Com in Service-Gesellschaften ausgliedern.

Dort sollen sie für weniger Geld mehr arbeiten, was auf Widerstand der Gewerkschaft Ver.di stößt. Diese wollte am Mittag über das Ergebnis der Urabstimmung für einen Streik informieren.Ver.di-Bundesvorstand Lothar Schröder sagte: "Die Beteiligung an der Urabstimmung war sehr hoch. Dies zeigt, wie wütend die Mitarbeiter sind." Bei einer ausreichenden Zustimmung zum Streik rechnet er mit einem Beginn der Arbeitsniederlegung bereits an diesem Freitag.

mik/Reuters/AFP/dpa

Diesen Artikel...

Aus Datenschutzgründen wird Ihre IP-Adresse nur dann gespeichert, wenn Sie angemeldeter und eingeloggter Facebook-Nutzer sind. Wenn Sie mehr zum Thema Datenschutz wissen wollen, klicken Sie auf das i.

Auf anderen Social Networks posten:

  • studiVZ meinVZ schülerVZ
  • deli.cio.us
  • Xing
  • Digg
  • Google Bookmarks
  • reddit
  • Windows Live

News verfolgen

HilfeLassen Sie sich mit kostenlosen Diensten auf dem Laufenden halten:

alles aus der Rubrik Wirtschaft
alles zum Thema Quartalsberichte

© SPIEGEL ONLINE 2007
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH









TOP



TOP