Von Marc Pitzke, New York
Allein der machtwirtschaftliche Nutzwert zählt, propagiert durch penible Einmischung in die Tagesfron seiner Untergebenen, die er sogar von seiner Yacht aus anruft. Hehre Worte vom journalistischen Auftrag freilich oder gar von höherer Mission, wie sie andere Pressezare oft schwingen, die sind von ihm kaum zu hören. Murdochs einziges Qualitätsmaß ist Popularität. Denn nur die garantiert ihm den Umsatz.
Wer kann sie ihm verübeln, diese ewige, einzige Sorge um die "bottom line". Murdoch war 21, als sein Vater hoch verschuldet starb und ihm nichts hinterließ als Anteile an "The News", einem Kommunalblatt im australischen Adelaide. Der gebürtige Australier kehrte von Oxford - wo er eine Lenin-Büste im Regal hatte - heim und stürzte sich in den Kapitalismus. Seine Strategie, schon damals: kaufen, kaufen, kaufen. Bald besaß er einen kleinen Konzern.
Begrüßungsdefilée für Bush
Dann wandte er sich den USA zu. 1976 schnappte er sich die linksliberale "New York Post". Deren Verlegerin Dorothy Schiff umgarnte er mit dem gleichen Versprechen, mit dem er jetzt auch die Bancrofts ködert: Die redaktionelle Richtung werde beibehalten. Ein Versprechen, das nicht lange hielt; schnell war die "Post" ein konservatives Kampfblatt. Ähnlich ergatterte Murdoch 1981 die Londonder "Times", die er später ebenfalls ins Boulevardkorsett zwang.
Murdochs Expansionszwang machte News Corp. zur "multimedialen Plattform", lange bevor das schick war: Bücher, Musik, Radio, TV, Internet. Das Filmstudio 20th Century Fox gab ihm Hollywood-Glamour. Dabei war er sich nie zu schade, die Hebel auch zu eigenen Gunsten umzulegen. 1998 befahl er seinem Verlag HarperCollins, ein Buch des Ex-Gouverneurs von Hongkong, Chris Patton, zu killen, weil es seinen China-Interessen im Weg stand. (Er entschuldigte sich später bei Patton.)
Heute kontrolliert News Corp. Dutzende Firmen in Dutzenden Ländern, von der "Fiji Times" zur Londoner "Sun", vom "TV Guide" zum "Australian Golf Digest", von ITV zu Sky TV. Sein Fox-Network ist in 98 Prozent aller US-Haushalte zu empfangen, sein Kabelkanal Fox News schlägt CNN meist um Längen, und dessen ehemaliger Moderator Tony Snow ist heute Pressesprecher des Weißen Hauses.
Murdochs Politik richtete sich dabei stets nach dem Wind. In Australien flankierte er erst die Liberalen, die Partei des Establishments, dann die Labor Party. Er schubste Maggie Thatcher ins Amt und den New Yorker Bürgermeister Ed Koch, einen Demokraten. Später gab er Thatcher für Tony Blair auf und Koch-Nachfolger David Dinkins für Rudy Giuliani. Bis heute gehört Murdoch keiner Partei an. US-Präsident George W. Bush hat er nur einmal getroffen, in einem Begrüßungsdefilée. "Er geht dahin", sagt sein Vertrauter Irwin Stelzer, "wo die Unterhaltung am interessantesten ist."
"Es wird hässlich werden"
Die Unterhaltung - und der Nutzwert. Deshalb wurde er 1985 US-Staatsbürger. Und deshalb verlegte er seinen Firmensitz 1994 von Adelaide nach New York, um dort keinen Besitzbeschränkungen unterworfen zu sein.
"Leser sollten daran erinnert werden", schnaubt der "Guardian", "dass die Meinungen in den Murdoch-Titeln nicht auf der Basis normaler journalistischer Überlegungen frei zustande kamen." Murdochs Anrufe in seinen Redaktionen sind berüchtigt. Col Allen, der Chef der "New York Post", spricht jeden Tag mit ihm. Ein Ergebnis dieser Gespräche war es, dass die "Post" den Folterskandal von Abu Ghureib nicht mal für titelwürdig erachtete.
Schöne Aussichten fürs "Wall Street Journal". Doch für Murdoch wäre es die Krönung seines Lebenswerks: Eine Zeitung, die ihm nicht nur Profit garantiert (und lebenswichtige Synergie-Resourcen für seinen neuen Kabelsender Fox Business Channel). Sondern endlich auch den Respekt, der ihm so lange verwehrt blieb.
Noch zeigt sich Murdoch charmant. Umgarnt die Bancrofts, geriert sich in US-Zeitungsinterviews als netter Onkel von nebenan. Doch wenn die Familie sein Angebot trotzdem offiziell ablehnt? Dann, droht Murdoch, "wird es hässlich werden".
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