London/New York/Hamburg – Cerberus, das ist ein Name, der aus der griechischen Mythologie stammt und ein zähnefletschendes Untier beschreibt. Bei Homer steht der bissige Höllenhund am Tor der Unterwelt und verhindert, dass sich die Toten wieder ins Leben zurück schleppen. Ausgerechnet nach dieser Kreatur also ist der Finanzinvestor benannt, der den Zuschlag für Chrysler bekommen soll.
Die offizielle Erklärung zu der Transaktion zwischen Cerberus und dem Chrysler-Mutterkonzern DaimlerChrysler
Auch zahlreiche andere angelsächsische Medien wie die Presseagentur AP, die "New York Times", das "Wall Street Journal", die "Financial Times" und Bloomberg wollen von dem bevorstehenden Geschäft erfahren haben. Angaben zum möglichen Übernahmepreis wurden nicht gemacht. DaimlerChrysler wolle eine Minderheitsbeteiligung an Chrysler behalten.
Offenbar werden gezielt Gerüchte aus DaimlerChrysler-Kreisen gestreut, um noch einmal Druck in der finalen Verhandlungsphase aufzubauen. Denn es heißt, noch könne ja der kanadische Automobilzulieferer Magna International
intervenieren und Chrysler übernehmen. "Es ist nie zu hundert Prozent sicher, wenn noch nichts unterschrieben ist", zitierte die "Financial Times" einen Kenner der Verhandlungen. Aber es sei "sehr wahrscheinlich", dass Cerberus unterschreibe.
Zuletzt wurde zumeist berichtet, Magna gelte als Favorit für den Chrysler-Kauf. Magna sei aber seit der Vorlage seines formellen Gebotes nicht in fortgeschrittene Gespräche mit DaimlerChrysler eingebunden gewesen, hieß es am Samstag. Auch die Investmentfirma Blackstone habe nicht weiter verhandelt. Ein Gebot des US-Investors Kirk Kerkorian über 4,5 Milliarden Dollar in bar war von Daimer gar nicht weiter verfolgt worden.
"Die krempeln wirklich die Ärmel hoch"
Dagegen hätten Cerberus-Vertreter unter Führung des früheren Chrysler-Vizechefs und VW-Vorstandes Wolfgang Bernhard weitreichende Diskussionen über verschiedene Aspekte eines möglichen Deals geführt. "Die krempeln wirklich die Ärmel hoch und gehen in die Details", erklärte eine vertraute Person der Zeitung "Detroit News" vom Samstag.
Wer auch immer den Zuschlag bekommt: Mit dem Verkauf von Chrysler endet eine Ära. Der frühere Daimler-Benz-Chef Jürgen Schrempp hatte das US-Unternehmen 1998 für 36 Milliarden Dollar übernommen, weil er einen weltumspannenden Konzern mit hohem Produktionsvolumen schaffen wollte.
Die Kulturkonflikte zwischen Mercedes-Benz und Chrysler wurden indes nie überwunden. Chrysler hat im vergangenen Jahr mehr als eine Milliarde Euro Verlust eingefahren. In den USA und Kanada sollen bis 2009 rund 13.000 Stellen gestrichen werden. Ein Käufer muss rund 18 Milliarden Dollar an Rückstellungen für Pensionen und Gesundheitskosten übernehmen. Das - und nicht der Verkaufspreis - scheint bei den Verhandlungen der Knackpunkt zu sein.
Es wäre das erste Mal, dass ein US-Autokonzern an einen Finanzinvestor fällt. Cerberus ist in der US-Autostadt Detroit aber kein Unbekannter: Der Investor unter Führung des früheren US-Ministers John Snow hat unter anderem die ehemalige General-Motors-Finanzsparte mehrheitlich übernommen. So wird bei den Gesprächen offenkundig auch diskutiert, wie Cerberus die Autofinanzierungs-Sparte von Chrysler mit der GMAC Financial Services fusionieren könnte.
Cerberus dürfte auf den Widerstand der mächtigen US-Autoarbeitergewerkschaft UAW stoßen. Sie hatte bislang einen anderen Autohersteller oder einen strategischen Investor als Käufer favorisiert.
US-Medienberichten zufolge soll Chrysler-Chef Tom LaSorda die Führungsrolle weiterbehalten. Cerberus-Berater Bernhard werde bei dem US-Autohersteller nicht operativ tätig werden. Er könne aber einen Sitz im Verwaltungsrat einnehmen.
Bernhard war zwischen 2001 und 2004 als Chief Operating Officer bei Chrysler für die Tagesgeschäfte zuständig. Er war die rechte Hand des damaligen Chrysler-Chefs und jetzigen DaimlerChrysler- Konzernchefs Dieter Zetsche. Bernhard war nach seinem Rücktritt bei VW zu Cerberus gewechselt.
itz/AFP/Reuters/dpa
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