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Chrysler-Verkauf Wie sich die IG Metall mit einer Heuschrecke einlässt

2. Teil: Ritterschlag für die Private-Equity-Branche

Den Ausschlag gab aber wohl das Votum der amerikanischen Gewerkschaft UAW. Für die deutsche Seite sei die Zustimmung der amerikanischen Kollegen entscheidend gewesen, sagt Thomas Klebe, der für die IG Metall im Aufsichtsrat des Konzerns sitzt. "Das war für uns eine wichtige Orientierung."

Ähnlich formuliert es Betriebsratschef Klemm. Da sich Ron Gettelfinger, der Präsident der UAW, mit dem Verkauf an Cerberus zufrieden gezeigt habe, "fällt es den anderen Arbeitnehmervertretern im Aufsichtsrat leicht, diese Entscheidung mitzutragen". Die Mitarbeiter könnten nun sowohl bei Chrysler als auch bei der künftigen Daimler AG in eine "gesicherte Zukunft" blicken.

Noch vor wenigen Tagen hatte sich das ganz anders angehört. UAW-Chef Gettelfinger machte sich immer wieder für den vollständigen Verbleib von Chrysler im Konzernverbund stark. Vor allem den Verkauf an einen Finanzinvestor lehnte er ab. Wenn Chrysler schon abgestoßen werde, dann, so forderte er, bitteschön an den kanadischen Autozulieferer Magna, also an ein klassisches Industrieunternehmen.

Eineinhalb Stunden Überzeugungsarbeit

Auch die kanadische Gewerkschaft CAW hätte sich Magna als neuen Eigentümer für Chrysler gewünscht. Dem Finanzinvestor Cerberus stehen die Kanadier noch heute skeptisch gegenüber. Er sei "enorm besorgt", sagte CAW-Präsident Buzz Hargrove. Die Gewerkschaft habe in der Vergangenheit keine guten Erfahrungen mit solchen Unternehmen gemacht.

Wirklich wichtig war jedoch nur Gettelfingers Votum. Die nötige Überzeugungsarbeit übernahm Konzernchef Zetsche persönlich. Eineinhalb Stunden nahm er sich Zeit, um den US-Gewerkschafter in Stuttgart auf Linie zu bringen. Punkt für Punkt erläuterte der Manager, warum Chrysler jetzt an Cerberus gehen müsse. Gettelfinger machte dabei einen "allerletzten, verzweifelten Versuch", wie er es beschreibt, den Deal doch noch zu verhindern. Zu spät. Am Ende des vertraulichen Tete-à-tetes gab der Arbeiterführer zähneknirschend seinen Segen.

Ein Argument war für Gettelfinger schließlich entscheidend: Cerberus versicherte ihm, die Chrysler-Pensionen, die den Konzern mit 18 Milliarden Dollar belasten, unangetastet zu lassen. Zurück in Detroit beruhigte der Gewerkschafter seine Leute: Der Verkauf an den Finanzinvestor sei "im besten Interesse unserer Mitglieder".

Theorie und Praxis klaffen auseinander

Für die Private-Equity-Branche ist das wie ein Ritterschlag. Nach jahrelangen Anfeindungen bekommen die Unternehmen nun von den Gewerkschaften offiziell bestätigt, dass sie gar nicht so schlimm seien. "Der Begriff 'Heuschrecke' wird bald der Vergangenheit angehören", jubelt eine Mitarbeiterin aus der Branche.

Manfred Jäger hält diese Entwicklung für durchaus stringent. Er ist Ökonom am arbeitgebernahen Institut der deutschen Wirtschaft und beobachtet die Private-Equity-Branche seit Jahren. "Die Gewerkschaften schauen sich unabhängig vom politischen Disput die Lage des einzelnen Unternehmens an", sagt er zu SPIEGEL ONLINE. "Dabei merken sie oft, welche positiven Impulse von Private-Equity-Firmen ausgehen können. Vor Ort sieht das dann oft anders aus als in der politischen Theorie."

Allerdings: In der offiziellen Programmatik der Gewerkschaften findet sich diese Erkenntnis noch nicht wieder. Die Arbeitnehmerorganisationen hätten deshalb "ein Darstellungsproblem", konstatiert Jäger. "Der Glaubwürdigkeit der Gewerkschaften hilft das nicht gerade."

Mit Material von dpa/dpa-AFX/Reuters

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