Von Susanne Amann
"Diese Besuchszahlen haben wir in Bezug auf das Gesamtkonzept geschätzt", erklärt Silke Petzold von Wenzel Consulting, da das Konzept aber nicht komplett umgesetzt wurde, seien diese Zahlen auch nicht erreichbar gewesen. Allerdings hat Wenzel Consulting auch Schätzungen bei einem Vorläuferprojekt der Botanika - damals noch unter dem Namen "Rhodarium" - abgegeben und 220.000 Besucher prognostiziert. Eine Zahl, die sich nach Angaben von Holger Bruns, Sprecher des Bremer Senators für Bau, Umwelt und Verkehr "sehr schnell als falsch und unhaltbar erwiesen hat".
"Das Vertrauen in dieses Management fehlt deshalb total", sagt Norbert Hanhardt, Vorsitzender einer Bürgerinitiative in Nürburg, die sich gegen diese Pläne wehrt. "Uns überzeugt dieses Konzept nicht und wir haben Angst vor einem Verdrängungswettbewerb, der mit öffentlichen Mitteln und damit quasi von uns selbst finanziert wird." Den Auftrag für die Bewirtung bei Großereignissen hat schon jetzt eine große Cateringfirma aus Düsseldorf bekommen. Die kleinen, lokalen Caterer, die bisher die Verträge hatten, kamen nicht zum Zug, weil sie die angepeilten Umsatzprognosen und die damit anfallenden Pachtgebühren nicht zahlen konnten. Dabei hat die Nürburgring GmbH - auch das betont der Bericht des Landesrechnungshofes deutlich - die Aufgabe, den Fremdenverkehr in der Region und damit die strukturschwache Wirtschaft zu fördern.
"Leute haben Ahnung von ihrem Job"
Bei der Nürburgring GmbH versteht man die Kritik nicht. "Ich habe Leute angestellt, die Ahnung von ihrem Job haben", sagt Kafitz. Er habe seine Mitarbeiter per Headhunter gesucht und gerade Wolfgang Wilke mache einen "exzellenten" Job. Dass seinen Mitarbeitern ihre Arbeit bei den Pleiteprojekten in Bremen vorgehalten werde, sei deshalb "menschenbeschädigend". Die Kritik komme außerdem von einigen wenigen Interessenvertretern, die Angst vor Konkurrenz hätten. "Dabei wollen wir ein zusätzliches Geschäft generieren und nicht Geschäfte auf Kosten von anderen machen."
Doch die Kritik an den Plänen kommt nicht nur von angeblich kleinlichen Anwohnern. Während manche Tourismusexperten das Konzept für richtig halten, sind andere wenig begeistert. "Grundsätzlich halte ich es für sinnvoll, den Nürburgring attraktiver zu machen", sagt Heinz-Dieter Quack, Professor am Europäischen Tourismus Institut an der Universität Trier. Allerdings sei das jetzige Konzept wenig familienfreundlich und richte sich allein an autobegeisterte Besucher. "Die Vorstellung, dass der Vater mit dem Sohn mit leuchtenden Augen an der Rennstrecke steht, während die Tochter alleine auf dem Reiterhof ist und die Mutter sich in einem Wellness-Center vergnügt, halte ich für wenig realistisch. So macht eine Familie nicht Urlaub." Quack plädiert deshalb dafür, einen Freizeitpark zu konzipieren, der den Nürburgring als ein, aber nicht als das zentrale Element integriert.
Bislang hat die rheinland-pfälzische Regierung die Pläne des Nürburgrings rückhaltlos unterstützt. In einem Brief von Wirtschaftsminister Hendrik Hering an die Bürgerinitiative, der SPIEGEL ONLINE vorliegt, heißt es jetzt allerdings, die Besuchsprognosen als die "wesentliche Grundlage für das Gesamtprojekt" würden noch einmal durch eine "unabhängige Wirtschaftsprüfungsgesellschaft" untersucht, die auch die "Plausibilität des Businessplans" überprüfen soll.
Auch die Begeisterung der Landesregierung scheint langsam abzunehmen.
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