Wiesbaden - Sie werben im Fernsehen, in Tageszeitungen und im Internet: "Darlehen ohne Bonitätsprüfung" oder "Geld ohne Schufa" heißt es da. Doch die Versprechungen der Kreditvermittler führen nur selten zum gewünschten Ziel. Wie eine Studie im Auftrag der Wiesbadener Kreditschutzgesellschaft Schufa ergab, sind die Angebote der schufa-freien Kreditvermittler in ihrer übergroßen Mehrheit unseriös bis illegal.
Nach vorsichtigen Schätzungen der Schufa versuchten im vergangenen Jahr knapp 400.000 Personen, ein Darlehen ohne Bonitätsprüfung zu ergattern. Um mehr über die Tricks der Branche zu erfahren, haben für die Schufa-Studie in den vergangenen Monaten 20 Testpersonen aus ganz Deutschland bei 49 Geldvermittlern ein Darlehen erbeten.
Wichtigstes Ergebnis: "Bei insgesamt rund 125 Testanfragen gab es nur drei Kreditzusagen", erklärt Christian Maltry, Schuldnerberater im Landratsamt des Main-Spessart-Kreises. Die Chance, bei einem Kreditvermittler ein Darlehen zu bekommen, ist offenbar kaum größer als die auf einen Lottogewinn.
Denn im Gegensatz zu Banken und Sparkassen, die darauf angewiesen sind, Geld zu verleihen und dafür Zinsen zu kassieren, basiert das Geschäftsmodell der betrügerischen Kreditvermittler auf völlig anderen Methoden. "Sie nehmen Geld für ein Versprechen", beschreibt der Wirtschaftsjurist Hugo Grote die Philosophie der Branche. Die Betrüger leben davon, ihre Kunden in der Hoffnung auf ein Darlehen möglichst lange hinzuhalten und ihnen dabei den letzten Cent abzunehmen.
Schaden von 150 Millionen Euro
Nun nimmt die Zahl der Ermittlungsverfahren dramatisch zu. Laut Schufa haben vor allem Massenarbeitslosigkeit und Überschuldung in den vergangenen Jahren das Geschäft der Kreditvermittler aufblühen lassen. Doch wer auf die fragwürdigen Angebote eingeht, dessen Finanzen befinden sich meist im freien Fall.
"Der Ideenreichtum der Kreditvermittler ist gigantisch", sagt Hedwig Risch, die sich beim Bundeskriminalamt mit Kreditbetrug befasst. Zum Beispiel werden dem potentiellen Darlehensnehmer 50.000 Euro auf Pump in Aussicht gestellt, wenn er nur eine "Vermittlungsgebühr" von 2.500 Euro überweist. Oder der Kunde wird auf eine Hotline mit 0190er-Nummer verwiesen, bei deren Anwahl zwei bis drei Euro pro Minute anfallen. Bisweilen rücken angebliche Kreditsachbearbeiter auch zu Hausbesuchen an - und rechnen dafür 200 Euro und mehr ab.
"Die Zahlen bei der betrügerischen Kreditvermittlung nehmen zu", betont Risch. "Die Hartz-IV-Empfänger sind jetzt die Zielgruppe." Verzeichnete die Polizeiliche Kriminalstatistik im Jahr 2004 noch 1.289 Ermittlungsverfahren, kletterte die Zahl 2005 bereits auf 3.859 und im vergangenen Jahr auf 5.530, eine Steigerung von knapp 330 Prozent in zwei Jahren. Das Landeskriminalamt Brandenburg ermittelt derzeit gegen ein Netz von Kreditvermittlern, dem rund 28.000 Personen auf den Leim gegangen sein sollen. Bundesweit setzen betrügerische Kreditvermittler nach Schätzungen der Schufa pro Jahr mindestes 150 Millionen Euro um.
Guido Rijkhoek/AP
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