Wirtschaft



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31.05.2007
 

Gastkommentar

Der Westen verbündet sich gegen China

Menschenrechte, Klimaschutz, Patentrechte - China schert sich nicht darum. So jedenfalls lautet die Kritik aus Europa und den USA. Peking muss sich in der Konkurrenz um Macht und Wohlstand auf eine restriktive westliche Politik einstellen, sagt der in Deutschland lebende chinesische Journalist Shi Ming.

Alle Welt redet über den G-8-Gipfel - nur China nicht. Ein Blick in die chinesischen Medien zeigt, dass das Ereignis kaum Erwähnung findet. Auch die staatliche Nachrichtenagentur Xinhua ignoriert das Treffen geflissentlich. Wenn überhaupt, nimmt man zur Kenntnis, wie die USA und Europa ständig an China herumkritisieren. Ob Energie, Rohstoffe, Klimapolitik oder Menschenrechte - auf allen Gebieten wird China vorgehalten, was es falsch macht. In Peking sorgt das für Verärgerung. Kein Wunder also, dass das Treffen in Heiligendamm keine Beachtung findet.

Blick auf die Börsendaten in Shanghai: Westliche Analysten behaupten, China werde früher oder später scheitern
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REUTERS

Blick auf die Börsendaten in Shanghai: Westliche Analysten behaupten, China werde früher oder später scheitern

Neu ist der skeptische Blick auf den Westen nicht. Aber der Argwohn wächst, inzwischen grenzt er an Alarmiertheit. Think-Tanks der Kommunistischen Partei, allen voran die Akademie der Sozialwissenschaften in Peking, meinen zu erkennen, China könnte seine Rolle als Musterknabe und Günstling der ökonomischen Globalisierung einbüßen. Warum sonst hat man auch das wirtschaftlich weitaus ärmere Indien zum Dialog nach Heiligendamm eingeladen? Nach Auffassung der politischen Führung in Peking ist das der Beweis, dass die USA, Europa, Russland, aber auch Japan nach einem Gegengewicht zu Peking suchen.

Die boomende Wirtschaft Chinas und die gigantischen Chancen für die ganze Welt, die hier liegen, zählen auf einmal nichts mehr. Erst schreckten die USA auf, ein bis zwei Jahre später nun auch Europa, das plötzlich feststellt: China gräbt dem Westen Ressourcen ab - siehe Afrika - und stiehlt in industriellem Ausmaß Technologien - siehe Transrapid in Shanghai.

Heinrich von Pierer, Bewunderer des chinesischen Wirtschaftswunders und im Zuge der Korruptionsaffäre zurückgetretener Siemens-Aufsichtsratschef, erklärte vor gar nicht so langer Zeit, man müsse dreimal abwägen, was das größere Risiko sei: im chinesischen Markt nicht vertreten zu sein oder sich in China zu engagieren und dort zu scheitern. Angesichts der Erfolge an der Börse in Shanghai und Shenzhen reden deutsche Analysten jetzt plötzlich lieber darüber, dass China früher oder später scheitern werde. Irgendwann, wohl noch vor den Olympischen Spielen 2008 in Peking, platze die chinesische Blase. Kleinanleger müssten dann mit Verlusten von mindestens 30 Prozent rechnen.

China gefällt dem Westen immer weniger, Huldigungen à la Pierer werden selten. Vergessen sind die drei großen Versprechen von China-Freund und Ex-Bundeskanzler Gerhard Schröder: das EU-Waffenembargo aufzuheben, China den Status als lupenreine Marktwirtschaft anzuerkennen und Peking baldigst in den Club G-8 aufzunehmen. Chinesische Diplomaten registrieren genau: Kein einziges davon wurde bisher eingelöst.

Auch die Beziehungen zu Frankreich, einem wichtigen Akteur in Europa, dürften kühler werden: Der neue Präsident Nicolas Sarkozy verkündete am Tag seiner Amtseinführung, nicht die Wirtschaft, sondern die Menschrechte und der Klimaschutz sollten tragende Säulen der französischen Außenpolitik bilden – Themen, die Peking mehr Kopfzerbrechen bereiten dürften als das Geplänkel um EU-Anti-Dumping-Aktionen gegen billige Textilien oder preiswerte Farbfernseher aus Fernost.

2005 noch lachte Chinas Handelsminister Po Xilai über westliche Kritiker. Inzwischen weht ein anderer Wind: Im Mai 2007 musste Vizepremier Wu Yi in die USA pilgern, um Washington von der Idee abzubringen, zusammen mit den Europäern restriktiver auf weltpolitischer Bühne gegen Chinas Handelsdominanz vorzugehen - etwa bei der Welthandelsorganisation.

Dass ein offenes Vorgehen westlicher Staaten gegen China nicht länger unvorstellbar ist, zeigte sich bei der Weltklimakonferenz in Bangkok. Dort scheiterte China mit der Forderung nach mehr Technologien aus den Industriestaaten zum Klimaschutz vor allem am europäischen Widerstand. Denn auch das gehört zum Bild: Die Angst davor, China könnte Technologie kopieren, ist teilweise größer als die Bereitschaft zur Zusammenarbeit in Sachen Klimaschutz.

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