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Gastkommentar Der Westen verbündet sich gegen China

2. Teil: Dann bauen wir die Transrapidlinie eben nicht!

In Heiligendamm befürchtet Peking noch mehr Verlust an Einfluss. Die westlichen Staaten, allen voran die USA, finden im Schulterschluss gegen asiatische Konkurrenten politisch zu alter Stärke zurück. China muss sich wohl auf eine restriktivere westliche Politik einstellen. Russland bekam das schon jüngst zu spüren, als Kanzlerin Angela Merkel Präsident Putin deutliche Worte zum Thema Presse- und Meinungsfreiheit sagte. Putin polterte zurück, die deutsche Polizei gehe derzeit ja auch nicht gerade zimperlich mit demonstrierenden Globalisierungskritikern um.

Anders als Moskau reagiert China differenzierter, je nachdem, wen man vor sich weiß. Die Antwort an die Adresse Washingtons fiel eher leise aus. Den USA raunte die Spitzenpolitikerin Wu Yi zu, man möge die paar Handelsproblemchen – gemeint ist Chinas Handelsüberschuss in zweistelliger Milliardenhöhe - bitte nicht so politisieren, das gereiche niemandem zum Vorteil.

Symbolträchtiger war schon das Signal an Berlin: Just zum Anlass des China-Besuchs von Bundespräsident Horst Köhler in Shanghai verbreitete Xinhua die Nachricht, dass der High-Tech-Traum der Deutschen zu Grabe getragen werde. Die Transrapid-Verbindung zwischen Shanghai und Hangzhou mit einer Länge von 170 Kilometer sei aus Rücksicht auf die Befindlichkeit einiger Tausend protestierender Chinesen auf Eis gelegt worden.

Hatte nicht der Deutsche Bundestag vor vier Wochen eine Resolution zur Anprangerung von Chinas Praxis der Zwangsarbeit gegen ungehorsame Bürger angenommen, mit den Stimmen aller Fraktionen? Na bitte, dann kommen wir euren Menschenrechtsidealen gern entgegen und bauen die Linie eben nicht!

Es verwundert nicht, dass Peking angesichts der Entwicklung in den vergangenen Zeit mit gemischten Gefühlen nach Heiligendamm blickt. Tröstlich aus chinesischer Sicht: Peking steht nicht im Zentrum der stürmischen Entrüstung. Scharfe Reaktionen aus China selbst zum G-8-Gipfel sind daher nicht zu erwarten.

Peking rechnet mit Kritik an der Afrika-Offensive

Ärgerlich ist nur, dass Peking trotz glanzvoller wirtschaftlicher Fakten am Rande der Aufmerksamkeit bleibt, zusammen mit Ländern wie Indien und Brasilien, gegen die China der Wettbewerb immer schwerer fällt. Längst sind die Boomregionen entlang des Yangtze im Osten und um den Perlfluss im Süden infolge steigender Gehälter teurer geworden als Indien. Nicht mitgerechnet sind Teuerungseffekte durch die Aufwertung der chinesischen Währung Yuan. Und wo die Personalkosten noch niedrig sind, steigt der soziale Druck. Hier muss die Zentralregierung mit aufwändigen Sozialprogrammen gegensteuern. Die Folge: landesweite Steuererhöhungen, die den Standort China wiederum verteuern - ein Nachteil im internationalen Standortwettbewerb.

Vor allem wird China aber in Heiligendamm verfolgen, wie die G-8-Staaten über Chinas jüngste Afrika-Offensive befinden werden. Vermutlich werden die Europäer, getragen von moralischer Erhabenheit und auf Menschenrechte pochend, Pekings Bemühungen um Öl und Gas kritisieren, ohne zu berücksichtigen, dass das chinesische Volk - allen voran die Oberschicht - Anteil haben möchte am weltwirtschaftlichen Wachstum.

Vor diesem Hintergrund klang es fast, als wolle China sich selber trösten, als die Nachrichtenagentur Xinhua Anfang Mai enthusiastisch verkündete, China habe im Bohai, dem größten Binnenmeer des Landes, ein gigantisches Ölfeld entdeckt. Das Vorkommen reiche für die nächsten hundert Jahre aus. Im Staatsfernsehen feierten diverse Experten die Nachricht: Endlich fuße Chinas Ölversorgung auf unabhängigerer Basis. Die Freude ist allzu verständlich, denn es vergeht seit langem kaum ein Tag, an dem nicht wieder irgendwo in Afrika chinesische Arbeiter und Ingenieure entführt werden.

Bloß hat sich die Verheißung schnell als Ente entpuppt: Geologen zufolge ist auch das nun in China entdeckte Ölvorkommen nur zu höchstens 40 Prozent erschließbar. Bei dem grenzenlosen Energiehunger des Landes, so rechnet eine amerikanische Stiftung vor, würden in zehn Jahren auch diese Quelle versiegen. Muss China seine Energieoffensive in Afrika in Heiligendamm doch verteidigen?

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